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Taxi Curaçao Roman von Brijs, Stefan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.10.2016
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Taxi Curaçao

Curaçao, 1961. An einem Septembermorgen bringt der Taxifahrer Roy Tromp seinen zwölfjährigen Sohn Max zum ersten Mal in die weiterführende Schule zu Bruder Daniel. Max ist der erste in seiner Familie, der sie besuchen kann, und erweist sich als talentierter Junge, der davon träumt, Lehrer zu werden und den gesellschaftlichen Aufstieg aus der Armut zu schaffen. Bruder Daniel, der selbst von der Insel stammt, will ihm dabei helfen. Denn so prächtig der azurblaue Dodge Matador ist, mit dem Roy seinen Sohn zur Schule bringt, so bettelarm ist die Familie des Trinkers und Spielers. Vierzig Jahre später ist der Traum geplatzt und Max, der längst selbst Vater eines erwachsenen Sohnes ist, verschwindet aus heiterem Himmel in die Niederlande, womöglich für immer.

Stefan Brijs, Jahrgang 1969, gelang mit seinem Roman 'Der Engelmacher' in Belgien und den Niederlanden ein Sensationserfolg. Er wurde dafür u. a. mit der 'Goldenen Eule' für das beste Buch des Jahres ausgezeichnet sowie mit dem Preis der Königlichen Akademie für Literatur der Niederlande. Die Auslandsrechte wurden in zahlreiche Länder, darunter auch England und die USA, verkauft. Bei btb ist außerdem sein von der Kritik hochgelobter Roman 'Post für Mrs. Bromley' erschienen, die Geschichte eines jungen Mannes, der in Kriegszeigen versucht, menschlich zu handeln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 11.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641197254
    Verlag: btb
    Originaltitel: Maan en zon
    Größe: 823kBytes
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Taxi Curaçao

18. Juli 2001 - 19.25 Uhr

Wo soll ich anfangen? Bei wem? Bei Max, dessen Flugzeug in diesem Augenblick von Hato aus in die Luft steigt, und der in wenigen Augenblicken weit unter sich die roten und blauen Gitter aus Neonröhren sehen wird, unter denen die Mädchen von Campo Alegre gefangen sind?

Oder bei seinem Vater Roy, der um diese Zeit bereits zu Bett gebracht wurde und das Porträt seiner Frau Myrna anstarrt, im Straßenlicht, das durch die halb geschlossenen Jalousien seines kleinen Zimmers fällt?

"Sie war eine gute Frau, Bruder, and ooooh so pretty. "

Oder bei Sonny, Max' Sohn, der jetzt gewiss gerade von seiner Armbanduhr aufblickt, nach oben, auf der Suche nach einem blinkenden Licht, das sich gleich zwischen den Sternen nordostwärts bewegen wird?

Nein, ich will mit einem Lied beginnen, einem alten antillianischen Kinderlied, gesungen, gestammelt, gebrabbelt von einer Gruppe alter Leute, heute Abend im großen Saal von Huize Welgelegen, in dem sich Max von seinem Vater verabschiedete.

"In die Niederlande, pai . Teile für den Dodge holen."

"Was für Teile?", fragte Roy. Seine laute Stimme erregte im Saal mehr Aufmerksamkeit als der Gesang der Schwester, die das Lied angestimmt hatte. Max dagegen hörte nur noch die Melodie auf Papiamento.

" Luna ku solo laga mi pasá con todo mi yu ku Dios a duna mi ."

Ich sah, wie er bei diesen Worten erstarrte: Mond und Sonne, lasst mich durch, mit all den Kindern, die Gott mir gegeben hat.

"Was für Teile, Max?", wiederholte Roy seine Frage.

Max wandte sich wieder seinem Vater zu und antwortete: "Griffe für die hinteren Türen, vordere Stoßstange und Außenspiegel."

"In gutem Zustand?"

"In ausgezeichnetem Zustand, Pai! Ich habe Fotos gesehen. Kein Fleckchen Rost. Das Chrom spiegelt, dass du dir die Haare darin kämmen kannst."

"Und die Krawatte zurechtrücken, Max. Never forget you' tie. "

Max trug schon seit Ewigkeiten keine Krawatte mehr. "Mach ich, Pai."

Roy fand die Idee gut. Wenn jemand seinen Sohn verstehen konnte, dann er. Alles für den Dodge. Dass Max dafür bis in die Niederlande fliegen wollte, ließ ihn nicht aufhorchen. In seinem alten Kopf lag Holland wahrscheinlich sowieso nicht viel weiter weg als Aruba, wo er einen Teil seines Lebens verbracht und während des Zweiten Weltkriegs das amerikanische Englisch aufgeschnappt hatte, mit dem er seine Sätze spickte.

Lucia, Max' Frau, hatte sich fürchterlich aufgeregt, als er sie in seine Pläne eingeweiht hatte.

"In die Niederlande? Für altes Blech? Bist du noch ganz bei Trost? Lass den Schrott doch per Post kommen!"

"Der Zoll stiehlt alles, Lucia, das sind Gangster."

"Und wer soll das bezahlen?"

"Ich habe ein bisschen was gespart."

"Du hast für Sonny gespart! Für sein Studium! Nicht für dieses Wrack!"

"Dieses Wrack sorgt immerhin dafür, dass wir etwas zu essen auf dem Tisch haben. Wenn ich ihn nicht restauriere, haben wir bald gar nichts mehr. Nichts!"

"Trotzdem fliegst du nicht nach Holland! Mi morto akibou! " Nur über meine Leiche.

"Da habe ich mich umgedreht und bin gegangen. Auch wenn mir das Herz dabei wehtat." So erzählte mir Max, seine große Hand auf die Brust gelegt. "Ich liebe sie. Mehr als alles auf der Welt. Sie und Sonny. Luna ku solo . Würdest du ihr das bitte ausrichten, wenn ich weg bin? Dass sie der Mond ist, der meine dunklen Nächte erhellt?"

Max und seine zarte Seele. Vom Wesen her ist er vollkommen anders als sein Vater, obwohl er dessen robuste äußere Erscheinung geerbt hat. Doch Roy ist schon früh vom Rheuma schwer gezeichnet worden. Seine Finger, Zehen, Hände und Füße, Rücken und Hals, ja, alles an ihm hat sich mit der Zeit verformt, seine einst wie Stahlkabel harten Muskeln sind Faser für Faser gerissen, die Gelenke zu Knoten verwachsen, über

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