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The Girls Roman von Cline, Emma (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.07.2016
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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The Girls

Kalifornien, 1969. Evie Boyd ist vierzehn und möchte unbedingt gesehen werden - aber weder die frisch geschiedenen Eltern noch ihre einzige Freundin beachten sie. Doch dann, an einem der endlosen Sommertage, begegnet sie ihnen: den 'Girls'. Das Haar, lang und unfrisiert. Die ausgefransten Kleider. Ihr lautes, freies Lachen. Unter ihnen ist auch die ältere Suzanne, der Evie verfällt. Mit ihnen zieht sie zu Russell, einem Typ wie Charles Manson, dessen Ranch tief in den Hügeln liegt. Gerüchte von Sex, wilden Partys, Einzelne, die plötzlich ausreißen. Evie gibt sich der Vision grenzenloser Liebe hin und merkt nicht, wie der Moment naht, der ihr Leben mit Gewalt für immer zerstören könnte. Emma Cline, geboren 1989, wuchs mit ihren sechs Geschwistern im nordkalifornischen Sonoma auf. Nach einem Master of Fine Arts an der Columbia University zog sie nach Brooklyn. Sie schreibt u. a. für den New Yorker und Oprah Winfreys Magazin O., 2014 hat sie den Plimpton Prize for Fiction der Paris Review erhalten. 2016 ist bei Hanser ihr Debütroman The Girls erschienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 25.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446254046
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Originaltitel: The Girls
    Größe: 2147 kBytes
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The Girls

1

Es war das Ende der Sechziger oder der Sommer vor dem Ende, und so kam es einem auch vor, wie ein endloser, formloser Sommer. Haight Ashbury bevölkert mit weißgewandeten Mitgliedern der Process Church, die ihre hafergelben Pamphlete verteilten, der an den Straßenrändern blühende Jasmin in jenem Jahr besonders duftend und voll. Jedermann war gesund, braungebrannt und schwer mit Schmuck behängt, und wenn nicht, dann war das auch schon was - man konnte irgendein Mondwesen mit Chiffon über den Lampenschirmen sein, bei einer Kitchari-Entgiftung, von der sämtliches Geschirr gelbe Kurkumaflecken bekam.

Aber das alles passierte woanders, nicht in Petaluma mit seinen flachen Walmdach-Ranchhäusern und dem für alle Zeiten vor dem Hi-Ho Restaurant geparkten Planwagen. Den von der Sonne ausgebleichten Zebrastreifen. Ich war vierzehn, sah aber viel jünger aus. Das sagten die Leute gerne zu mir. Connie schwor, ich könnte für sechzehn durchgehen, aber wir erzählten einander viele Lügen. Wir waren seit der Junior High befreundet, Connie wartete geduldig wie eine Kuh vor den Klassenzimmern auf mich, und all unsere Energie floss in die Theatralik der Freundschaft. Sie war pummelig, zog sich aber nicht entsprechend an, sondern trug bauchfreie Baumwollshirts mit mexikanischer Stickerei und zu enge Röcke, die böse Striemen auf ihren Oberschenkeln hinterließen. Ich hatte sie immer auf eine Weise gemocht, über die ich so wenig nachdenken musste wie über das Vorhandensein meiner eigenen Hände.

Im September würde ich auf dasselbe Internat geschickt werden, auf dem schon meine Mutter gewesen war. Man hatte um einen alten Konvent in Monterey einen gepflegten Campus erbaut, mit weichen, sanft abfallenden Rasenflächen. Morgens Nebelfetzen, leichte Prisen vom nahegelegenen Salzwasser. Es war eine reine Mädchenschule, und ich würde eine Uniform tragen müssen - Schuhe mit flachen Absätzen und kein Make-up, Matrosenbluse mit dunkelblauer Krawatte. Eigentlich war es ein Aufbewahrungsort, umschlossen von einer Steinmauer und bevölkert von ausdruckslosen, mondgesichtigen Töchtern. Camp Fire Girls und künftige Lehrerinnen, dorthin verfrachtet, damit sie 160 Wörter pro Minute in Kurzschrift lernten. Damit sie sich verträumte, überhitzte Versprechen gaben, einander bei Hochzeiten im Royal Hawaiian Hotel als Brautjungfer zur Verfügung zu stehen.

Mein bevorstehender Weggang zwang meiner Freundschaft mit Connie eine neue, kritische Distanz auf. Mit einem Mal fielen mir fast gegen meinen Willen gewisse Dinge auf. Wie Connie sagte: "Am besten kommt man dadurch über jemanden hinweg, dass man unter jemand anderen kommt", als wären wir Ladenmädchen in London anstatt unerfahrene Jugendliche im Agrargürtel von Sonoma County. Wir leckten an Batterien, um einen metallischen Schlag in der Zunge zu spüren, der angeblich ein Achtzehntel so stark war wie ein Orgasmus. Mich quälte die Vorstellung, wie unser Duo auf andere wirken musste, dass wir als die Sorte Mädchen abgestempelt wurden, die zueinander gehörten. Jene geschlechtslosen Paarbildungen an der Highschool.

Jeden Tag nach der Schule schalteten wir nahtlos in den gewohnten Gang der Nachmittage um. Vergeudeten die Stunden mit irgendeiner geschäftigen Aufgabe: Folgten Vidal Sassoons Vorschlägen für Smoothies aus rohen Eiern zur Kräftigung der Haare oder stocherten mit der Spitze einer sterilisierten Nähnadel an Mitessern herum. Das permanente Projekt unseres Mädchenselbst schien sonderbare und präzise Aufmerksamkeit zu verlangen.

Als Erwachsene wundere ich mich über die schiere Menge an Zeit, die ich damals vergeudet habe. Was man uns an Genüssen und Entbehrungen von der Welt zu erwarten lehrte, die Countdowns in Zeitschriften, die uns drängten, uns dreißig Tage im Voraus auf den ersten Schultag vorzubereiten.

28. Tag: Lege eine Gesichtsmaske aus Avocado und Honig auf.

14. Tag: Überprüfe, wie dein Make-up bei unterschiedlichem Licht (n

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