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Theodor Chindler von Brentano, Bernard von (eBook)

  • Erschienen: 02.09.2014
  • Verlag: Schöffling & Co.
eBook (ePUB)
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Theodor Chindler

"Dieser Roman eines deutsch-katholischen Bürgerhauses vor dem Hintergrund der Kriegszeit ist ein vorzügliches Buch, mit leichter und sicherer Hand gemeistert, klug, klar und fesselnd." Thomas Mann Im gutbürgerlichen Haushalt der Chindlers spielt man Klavier und geht sonntags in die Kirche. Es ist das Jahr 1914. Theodor Chindler, Abgeordneter für die katholische Zentrumspartei und Familienoberhaupt, macht Politik im Berliner Reichstag, während seine Söhne Ernst und Karl fürs Vaterland an die Front ziehen. Zu Hause diskutieren die anderen Familienmitglieder hitzig über den Kaiser, das Elend in den Lazaretten und den Seekrieg - und so brechen die politischen Überzeugungen auseinander. Als sich Tochter Maggie gegen den Willen des Vaters der Arbeiterbewegung zuwendet und sich der jüngste Sohn Leopold in einen Mitschüler verliebt, ist auch in der Heimat nichts mehr so, wie es war. Bernard von Brentano erzählt aus den Hinterzimmern der Politik während des Ersten Weltkrieges, vom elenden Sterben in den Schützengräben - aber vor allem von einer Familie in Zeiten sozialer wie lebensweltlicher Umwälzungen. Der Roman "Theodor Chindler", der 1936 im Schweizer Exil entstand, wurde oft mit Heinrich Manns "Der Untertan" oder "Professor Unrat" verglichen. Ein Zeit- und Sittengemälde, das bis heute nicht an Eindringlichkeit verloren hat.

Bernard von Brentano, 1901 in Offenbach am Main geboren, war in den zwanziger Jahren Korrespondent der Frankfurter Zeitung in Berlin. Mit seinen Essays "Über den Ernst des Lebens" (1929) und "Der Beginn der Barbarei in Deutschland" (1932) brachte er die Nationalsozialisten gegen sich auf. Seine Bücher wurden nach der Machtergreifung auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 1933 emigrierte er in die Schweiz, wo er für die Neue Zürcher Zeitung und die Weltwoche schrieb. Von 1949 bis zu seinem Tod 1964 lebte er in Wiesbaden. Sven Hanuschek, geboren 1964, ist Publizist und Professor am Institut für deutsche Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er veröffentlichte u. a. die großen Biographien "Elias Canetti"(2005) und "Keiner blickt dir hinter das Gesicht. Das Leben Erich Kästners" (1999).

Produktinformationen

    Größe: 1365kBytes
    Herausgeber: Schöffling & Co.
    Untertitel: Roman einer deutschen Familie
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 472
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783731760436
    Erschienen: 02.09.2014
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Theodor Chindler

5

1 886 hatte Elisabeth Chindler geheiratet. In den ersten Monaten ihrer Verlobungszeit liebte sie Theodor Chindler. Dann merkte sie an der Art, wie er sich in den politischen und religiösen Kämpfen verhielt, daß er (ihrer Ansicht nach) ein schwankender Mensch war. Sie erschrak und überlegte. Heiraten wollte sie, und dieser Mann war nicht nur eine gute Partie, sondern der Ausweg aus der Misere ihres Elternhauses und der bedrückenden Stelle in Bonn, welche eine Folge jener Misere war. Aber sie sagte sich, es werde viel auf sie zukommen. Zunächst nahm sie ihre Sprachstudien wieder auf, die sie im Jubel der ersten Wochen ihrer Liebe vernachlässigt hatte. Aber nach der Hochzeit merkte sie, daß es auf andere Dinge ankommen werde, auf die Führung des Haushalts, auf die Überwachung des kleinen Vermögens und hauptsächlich auf die Karriere ihres Mannes.

Nur keinen Mann haben, der nichts war.

Als der Prozeß ihrer Eltern um die Erbschaft des Onkels endgültig verloren war, fing ihr Vater an zu trinken. Abend für Abend schloß er sich in sein Zimmer ein und soff Rotwein, bis er lallte. Dabei ging er, wie ein Wolf im Käfig, fortwährend von einem Zimmer ins andere und schlug jedesmal, so fest er nur konnte, die Tür hinter sich zu. Elisabeth, die mit ihrer Mutter im ersten Stock schlief, zählte die Schläge. Päng ... jetzt war er in den Salon gegangen. Bumm ... jetzt hatte er die Salontür zugeschlagen. Päng ... jetzt war er wieder in seinem Arbeitszimmer angekommen. So ging das Nacht für Nacht. "Du bist an allem schuld", sagte er zu seiner Frau, wenn er mittags aufgestanden war, "du mit deiner verfluchten Verschwendungssucht!"

"Du hast den Salat doch nur gegessen, wenn er gut angemacht war", antwortete Frau von Beaufort.

"Da hast du deine Mitgift ..." sagte er zu seiner Tochter und warf ihr ein leeres Portemonnaie an den Kopf.

Elisabeth Chindler stöhnte. Sie erinnerte sich noch genau an die kleine blaue Geldtasche, die sie in Köln gekauft und ihrem Vater zu Weihnachten geschenkt hatte. Diesen Beutel hatte er ihr an die Haare geworfen.

Nein, nein, nur keinen Mann haben, der nichts war!

Als sie mit ihrem Mann Bonn und die verhaßte Universität verließ, atmete sie auf und schwärmte für Windthorst.

Man zog nach Neustadt. Aber was war das für ein langweiliges Nest. Die Stadt hatte 105000 Einwohner, davon 85000 Arbeiter. Der Rest waren Beamte, die sogar in der Mode mit der Regierung gingen, Offiziere, die sich nur ängstlich herbeiließen, mit dem ultramontanen Professor zu verkehren (übrigens Train und Troß, mit dem ein vornehmer Kavallerist wie Elisabeths Vater nie verkehrt haben würde), und reiche, teilweise enorm reiche Fabrikanten, die alle so liberal waren, daß sie nur mit Liberalen umgingen.

Nach einer Weile merkte Elisabeth, daß man vom Regen in die Traufe gekommen war. In Bonn hatte man Chindlers boykottiert; in Neustadt beachtete man sie wenig. Erst als sich ihre finanziellen Verhältnisse besserten und das Ehepaar Diners geben konnte, lockerten sich die Widerstände. Man sprach über sie und begann sie zu besuchen.

Ach ja, die Armut!

Auch Chindler hatte bei einer Spekulation, zu der ihn ein Kölner Bankier verleitet hatte, Geld verloren. Der Rest, der blieb, langte noch zum Leben, aber nur zu einem sehr einfachen Leben, bei dem jede Ausgabe eingeteilt sein wollte und jede unvorhergesehene Rechnung zu Streitigkeiten zwischen den Eheleuten führte, die man zwar voraussehen, aber trotzdem nicht abstellen konnte. Jedesmal, wenn Chindler zu Sitzungen der Fraktion nach Berlin fuhr, brauchte er mehr Geld als vorberechn

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