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Tore öffnen sich von Brausewetter, Artur (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2017
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Tore öffnen sich

Die junge Inge Ravenhorst wird an einem diesigen Februarmorgen von einem Unbekannten mit vorgehaltener Pistole gezwungen, ihm bei seiner Flucht vor der Polizei behilflich zu sein. Wie sich herausstellt, sind viele Schicksale mit dem geheimnisvollen Fremden verknüpft. Das der jungen Lore Meerwald, die folgenreiche Verletzungen von einem Hundebiss davonträgt, das des Wunderheilers Manfred Kosack mit legendärem Ruf, das des Gutsbesitzers von der Marwitz, dessen Tochter Gina sich nur aus Gründen der 'Zuchtwahl' verloben will, und auch das Leben Karl Bernhardis, des Rechtsassessors ohne Anstellung. Kosacks Sanatorium 'Fichtenhöhe' wird zum Zufluchtsort zahlreicher Kranker. Wird es weiterbestehen und wird Lore dort geheilt werden? Und wird Inge Ravenhorst das Trauma jenes Februarmorgens überwinden?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 30.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711487808
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 839 kBytes
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Tore öffnen sich

Aber jetzt nach Hause gehen? Das kindlich schwarmselige Geschwätz des Vaters hören? Von dem Fortschritt seiner neuesten Erfindung sich berichten lassen?

Mit so viel Liebe und Geduld er dem Alten sonst auch den Gefallen tat - heute war es ihm unmöglich.

Zurück wollte er in den Wald, eintauchen in seine abenddunkelnden Tiefen, seine würzigen Düfte atmen! Und wenn die Nacht käme, dann würden der Mond und die Sterne ihm leuchten.

Mit schnellen Schritten ging er vorwärts ... weiter ... immer weiter. Kein Pfad ... kein Steg mehr. Kaum durchdringliches Dickicht nur, durch das er mit Mühe die Bahn sich brach.

Und mit ihm ging die Erinnerung an das seltsame Gespräch dieses Nachmittags und an einen Menschen, der herbe war und bestimmt und zugeschlossen wie er selber. Nur, dass alles beherrschter war, nicht so dumpf gärend und vulkanisch geladen wie bei ihm. "Züchtung und Erziehung durch Generationen hindurch!" Zwei Dinge, die ihm jetzt in einem neuen Licht erschienen.

Wer hatte ihn erzogen? Wer sich um ihn gekümmert, als er ein aufwachsender Jüngling war mit manchen guten und vielen schlechten Eigenschaften, mit hart verbissenem Willen und einem ins Unermessliche strebenden Freiheitsdrang, der Gebote und Hemmnisse nicht kannte? Die Mutter starb, als er ein Junge von acht Jahren war, und der Vater war zeitlebens ein Kind gewesen und würde es bleiben bis in den Tod. Wie ein Füllen in der Koppel war er grossgeworden. Aber ein Zügel war ihm nicht angelegt, und die Schenkel und die führende Hand eines Reiters hatte er nie gekannt.

Bei ihr aber war alles ebenmässig und ausgeglichen, alles Selbstzucht und Kultur. Vielleicht hatte ihn gerade das gereizt und aufsässig gemacht. Diese stillgeklärte Überlegenheit, die sie ihm in jedem Wort, jedem Blick zeigte.

Nein, zu ihr gehörte er nicht. Zu Lore gehörte er. Die war gedemütigt und geprügelt wie er. Und murrte nicht und lehnte sich nicht auf wie er, sondern trug ihr Schicksal mit weiblicher Standhaftigkeit und wurde nicht müde zu hoffen.

Tiefer drang er ins Waldesdickicht. Wundervolle, unbeschreibliche Einsamkeit umgab ihn. Steil und stark wuchsen die schwarzen Fichtenstämme aus ihr empor. Wann mochte hierhin wohl eines Menschen Fuss sich verirren? Es war der endlose, an Russland erinnernde ostpreussische Wald ohne Anfang und Aufhören.

Die Sonne war zur Ruhe gegangen.

Auch in ihm sehnte sich alles der Ruhe entgegen. Was ihn so lange gedrückt und gequält, das ganze marternde Heer bleicher Gedanken und Sorgen wich von ihm, verlor und vergrub sich in die geheimnisdunklen Gründe.

Endlich einmal ein freier Ausblick. Ein starker Baumstumpf, so einladend zum Sitzen, als wäre er zum Ruhesessel künstlich gehauen, ein zweiter in geringer Entfernung von ihm ... eine Oase in der Wildnis der Bäume und des Dickichts, die etwas Wohnliches hatte. Ein Eichhörnchen machte seine possierlichen, aber bereits etwas müden Sprünge von Baum zu Baum, bis es die rechte Schlafstätte gefunden zu haben schien.

Nun war es auch für ihn Zeit, zu rasten. Er setzte sich auf einen der beiden Baumstümpfe. Aber die Flinte legte er nicht ab. Denn lange war seines Bleibens hier nicht. Er hatte noch einen weiten Rückweg, und der Vater würde auf ihn warten.

Ein kühler Wind wehte durch die Wipfel. Die Schatten zogen von dannen, nahmen die Umrisse mit sich fort. Es gab nicht mehr Helle und Dunkel, es war alles eine einzige, blassblaue Dämmerung. Aber finster wurde es nicht. Als hätte eine lichtgeborene Maiennacht wie diese mit der Finsternis nichts zu schaffen.

Sein Kopf wurde ihm schwer. Er liess ihn auf die Brust sinken. Nirgends auf der Welt konnte man so schön träumen wie hier in dieser feiernden Abendeinsamkeit. Und er hatte lange nicht geträumt, sondern immer nur gedacht ... gegrübelt ... gehasst. Aber in diesem friedumsponnenen Waldeiland hatte das Grübeln keine Stelle. Und der Hass erst recht nicht.

Ja ... war er denn wi

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