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Traumbrücken Kurze Geschichten und Kurzgeschichten, schaurig und geheimnisvoll von Fehlemann, Harry (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.06.2016
  • Verlag: TUBUK.digital
eBook (ePUB)
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Traumbrücken

Nicht immer ist das Alltägliche so wie es scheint. Lassen Sie sich in die Welt dahinter entführen, dorthin, wo der schöne Schein sein wahres Gesicht zeigt. Ein wohliger Schauer sei Ihnen gewiss - und manchmal geht er auch mit einem Schmunzeln einher.

Harry Fehlemann, Jahrgang 1962, ist schon als Kind mit viel Phantasie ausgestattet. Früh begann er mit der Lektüre von Gruselheftchen, wie dem 'Dämonenkiller'. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit eine wahre Leidenschaft für alles Phantastische. Science Ficition, Fantasy und der gepflegte Grusel faszinierten ihn in Literatur, Film und Spiel. Seit seinen frühen Zwanzigern bringt er die eigenen Ideen auf Papier, ohne jedoch je an eine Veröffentlichung gedacht zu haben. Mit Anfang 50 entschloss er sich dann doch, einige seiner Geschichten in einem Buch zusammenzufassen. Meist ist es in seinen Geschichten das Autobiografische, das im Verlauf der Handlung in ungewöhnliche Dimensionen abdriftet und damit aus dem Alltag etwas Mysteriöses hervorzaubert. Harry Fehlemann ist seit mehr als 30 Jahren glücklich verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und lebt in Niedersachsen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 316
    Erscheinungsdatum: 02.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955950613
    Verlag: TUBUK.digital
    Größe: 1266kBytes
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Traumbrücken

M ichael bog um die Ecke des leicht verwitterten Backsteinhauses und blickte auf eine lange imposante Frontseite. Vier Stockwerke hoch, Fenster an Fenster gereiht und mit einem von seiner Position aus nur vage erkennbaren Dach, stand das wuchtige Gebäude wie die Trutzburg eines teutonischen Eroberers vor ihm. Ein Anflug von Nervosität stieg in ihm auf. Man stellte sich ja nicht alle Tage bei einem neuen Arbeitgeber vor, und schon gar nicht als Deutscher in Spanien. Die heiße Sonne über Barcelona brannte ihm auf den Rücken und er dachte kurz daran, sein graues Jackett auszuziehen, entschied sich dann aber dagegen, da er sein Ziel fast erreicht hatte. Das Eingangsportal oberhalb einer breiten dreistufigen Steintreppe bestand aus zwei schweren, fachmännisch dunkelrot lackierten Holzflügeln, die jeweils einen sauber polierten, goldglänzenden Knauf in der Mitte besaßen. In Augenhöhe waren die Worte Juan Diemo-Zorta S.A. in das massive Holz eingeschnitzt und mit Goldfarbe nachgezeichnet worden, was einen zwar konservativen, aber durchaus edlen Eindruck hinterließ.

Er schaute sich um und suchte nach einem Klingelknopf. Als er keinen fand, ergriff er den Knauf und stieß den rechten Flügel mit einem kräftigen Stoß auf. Unmittelbar stand er in einer hohen, durch drei prunkvolle Deckenleuchter in sanftes Licht getauchten Empfangshalle. Der Boden war mit karmesinroten und weißen Mosaiksteinen kunstvoll gemustert und vermittelte dem Besucher das Gefühl, den Tempel eines Maharadschas zu betreten. Stuckverzierte Wände mit Marmorornamenten ließen deutlich erkennen, dass der Besitzer bei der Einrichtung keine Kosten gescheut hatte. Ölgemälde unbekannter und teilweise seltsam anmutender Adliger aus einem längst vergangenen Jahrhundert zierten den Eingangsbereich. Überwältigt von der prachtvollen Ausstattung dachte Michael an die fast schon programmatische Sachlichkeit seiner bisherigen Arbeitgeber. Gespannt, was ihn als Nächstes erwarten würde, trat er über die Schwelle einer weiteren zweiflügeligen Tür, in die farblich zur Innenausstattung passende Bleikristallfenster eingelassen waren. Sie gaben die Sicht auf einen langen, durch zahlreiche üppig verzierte Wandleuchten deutlich helleren Raum frei, der zwar zweckmäßiger, aber nicht weniger eindrucksvoll eingerichtet war. Auch hier hingen Gemälde an den mit wertvollen Leinentapeten versehenen Wänden. Ein edler Teppich in warmen braunen Farbtönen harmonierte perfekt mit der übrigen Einrichtung. Am Ende dieses relativ großen Raumes sah man auf einen wuchtigen Schreibtisch, hinter dem bei Michaels Eintreten ein fast lächerlich wirkender, kleiner Mann in schwarzem Anzug und Lackschuhen hervortrat. Mit einem breiten Lächeln, das in ungewöhnlichem Kontrast zu seinen kalten, unergründlichen Augen stand, streckte dieser ihm die Hand entgegen und begrüßte ihn auf Spanisch. Während sie die ersten Höflichkeitsfloskeln austauschten, erfasste Michael ein leichtes Schwindelgefühl, hatte er doch schon jetzt den Eindruck, die neue Stelle in diesem offensichtlich exquisiten Unternehmen so gut wie sicher zu haben. Mit einem Hinweis auf den Besprechungsraum führte der kleine Mann ihn zu einer Tür, die Michael zunächst gar nicht aufgefallen war. Unscheinbar, fast nur ein schlichtes glattes Holzbrett, füllte sie die Wand zwischen zwei schweren Eichenschränken aus. Der Spanier öffnete Sie und bat seinen Gast einzutreten. Freundlich nickend folgte dieser der Aufforderung.

Mit einem Mal umgab Michael völlige Dunkelheit. Sie war derart undurchdringlich, dass sie sich wie ein öliger Film auf seine Haut zu legen schien. Sein Herz schlug einige Takte schneller und seine Augen versuchten vergeblich, das Schwarz zu durchdringen. Er zwang sich zur Ruhe, rechnete er doch fest damit, dass der kleine Spanier in der nächsten Sekunde das Licht eines üppigen Leuchters einschalten und den Blick auf einen gediegen ausgestatteten Besprechungsraum freigeben würde. Er wartet

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