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Triptychon mit sieben Brücken Roman von Schulz, Max W. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.07.2015
  • Verlag: EDITION digital
eBook (ePUB)
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Triptychon mit sieben Brücken

Der Roman 'Wir sind nicht Staub im Wind' von Max Walter Schulz, erstmals 1962 erschienen, wurde zu einem der erfolgreichsten Bücher in der DDR. In diesem folgenden, in sich abgeschlossenen Buch führt der Autor die Gestalten, die mit einem 'Unmaß an Hoffnung' aus der Handlung entlassen wurden, in den dramatischen Augusttagen des Jahres 1968 wieder zusammen. Jetzt gilt es zu überprüfen, ob jene 'unverlorene Generation' den Weg in ein erfülltes menschliches Dasein gefunden hat, ob sie die inzwischen errungene Einheit von Macht und Geist im Sinne des Menschen zu gebrauchen weiß. Dabei hat die Entscheidung zu fallen, ob die Angst der früheren Welt überwunden und praktische Verantwortung aus inzwischen gewonnener Erkenntnis gewachsen ist. Mit einer ungewöhnlichen Episodenfülle, die der Autor ausbreitet, um seine nur wenige Tage umfassende Fabel poetisch umzusetzen, ist eine außerordentlich dichte Romanstruktur entstanden, die bis zur letzten Szenerie, einem Triptychon mit sieben Brücken, Charaktere und Handlungsabläufe zusammenhält. LESEPROBE: Da meldete sich eine Frau aus dem Kreis Eberstedt, die vor einigen Wochen bedingt geheilt aus der Nervenheilanstalt entlassen worden war. Die Frau sprach von einer anderen Frau mit Namen Süptis, einer unheilbaren, inzwischen verstorbenen, die immerfort gesagt habe, ihre Tochter, die Annedore, das Luder, wisse alles über alle. Von Hitler und Himmler angefangen bis 'runter zum Ortsbauernführer. Nach dieser Tochter war früher schon gesucht worden. Sie hatte bis zur letzten Stunde des Krieges in der Telefon-Vermittlungszentrale Eberstedt gearbeitet, als Geheimnisträgerin vereidigt. Man hätte das Mädchen als Zeugin auch in anderen Fällen gebraucht. Aber das Mädchen war unauffindbar geblieben. Die Entlassene behauptete aber, es sei eines Tages ein Päckchen für die Mutter abgegeben worden, darin habe sich auch ein Zettel mit einer Adresse befunden, wahrscheinlich die der Tochter. Die Angabe bestätigte sich. Unter den Habseligkeiten der Verstorbenen war der Zettel gefunden worden. Man hatte die Todesnachricht an die aufgezeichnete Adresse übersandt. Das Schreiben war nach Frankfurt am Main an A. Willewein gerichtet gewesen, war aber mit dem Vermerk "Unbekannt verzogen" an die Leitung der Heilstätte zurückgekommen. Trotzdem blieb wahrscheinlich, dass sich hinter A. Willewein die geborene Annedore Süptis verbarg, und unwahrscheinlich, dass ein Mensch nicht mehr auffindbar sein sollte. Professor Dr. hc. Max Walter Schulz wurde am 31. Oktober 1921 in Scheibenberg/Erzgebirge geboren und ist am 15. November 1991 in Berlin verstorben. Von 1939 bis 1947 nahm er als Soldat am 2. Weltkrieg teil, anschließend amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1946 bis 1950 Pädagogikstudium in Leipzig, danach Lehrer. 1987 Verleihung der Ehrendoktorwürde der Pädagogischen Hochschule Leipzig. 1957 bis 1958 Studium am Literaturinstitut "Johannes R. Becher" in Leipzig, von 1964 bis 1983 Direktor dieses Instituts. 1969 bis 1990 Vizepräsident des Schriftstellerverbandes der DDR. Seit 1969 Mitglied der Akademie der Künste. 1983 bis 1990 Chefredakteur der Zeitschrift "Sinn und Form". Auszeichnungen: 1963: Literaturpreis des FDGB 1964, 1980 Nationalpreis der DDR 1978: Vaterländischer Verdienstorden Bibliografie: Wir sind nicht Staub im Wind, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1962 Stegreif und Sattel, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1967 Kontakte, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1970 Triptychon mit sieben Brücken, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1974 Das kleine Mädchen und der fliegende Fisch, Kinderbuchverlag, Berlin 1978 Pinocchio und kein Ende, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1978 Der Soldat und die Frau, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1978 Die Fliegerin oder Aufhebung einer stummen Legende, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1981 Auf Liebe stand Tod, Verlag Neues Leben, Berlin 1983

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 630
    Erscheinungsdatum: 03.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956552700
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 673 kBytes
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Triptychon mit sieben Brücken

Da meldete sich eine Frau aus dem Kreis Eberstedt, die vor einigen Wochen bedingt geheilt aus der Nervenheilanstalt entlassen worden war. Die Frau sprach von einer anderen Frau mit Namen Süptis, einer unheilbaren, inzwischen verstorbenen, die immerfort gesagt habe, ihre Tochter, die Annedore, das Luder, wisse alles über alle. Von Hitler und Himmler angefangen bis 'runter zum Ortsbauernführer. Nach dieser Tochter war früher schon gesucht worden. Sie hatte bis zur letzten Stunde des Krieges in der Telefon-Vermittlungszentrale Eberstedt gearbeitet, als Geheimnisträgerin vereidigt. Man hätte das Mädchen als Zeugin auch in anderen Fällen gebraucht. Aber das Mädchen war unauffindbar geblieben. Die Entlassene behauptete aber, es sei eines Tages ein Päckchen für die Mutter abgegeben worden, darin habe sich auch ein Zettel mit einer Adresse befunden, wahrscheinlich die der Tochter. Die Angabe bestätigte sich. Unter den Habseligkeiten der Verstorbenen war der Zettel gefunden worden. Man hatte die Todesnachricht an die aufgezeichnete Adresse übersandt. Das Schreiben war nach Frankfurt am Main an A. Willewein gerichtet gewesen, war aber mit dem Vermerk "Unbekannt verzogen" an die Leitung der Heilstätte zurückgekommen. Trotzdem blieb wahrscheinlich, dass sich hinter A. Willewein die geborene Annedore Süptis verbarg, und unwahrscheinlich, dass ein Mensch nicht mehr auffindbar sein sollte. Auch nach erfolglos unternommener amtlicher Nachfrage. Es bleibt außerdem aber auch unwahrscheinlich, dass Hagedorn in den Sommerferien achtundvierzig auf die Suche nach der Gesuchten gegangen wäre, wenn ihm nicht durch Vincens, durch dessen Vater und durch andere - letzten Endes auch durch seine unglückliche Erinnerung an Lea Füßler - die Überzeugung gekommen wäre, Menschen wie Herbert Vollmer persönlich sehr viel schuldig zu sein. Im Übrigen wollte es auch seine damalige Frau Hilde, dass er sich auf die Suche machte. Hilde hatte das Leid der Liesbeth Kahle miterlebt und mitempfunden. Auch seine Mutter sprach von "Auge um Auge und Zahn um Zahn", wenn es die Gerechtigkeit verlangte. Und sein Vater sagte, er habe schon immer gesagt, dass Leute wie diese Saligers, diese feinen Leute, über Leichen stiegen, wenn es um ihre Haut ginge, zuerst über Arbeiterleichen. Hagedorn fuhr am ersten Juli. Da war das neue Geld in den Westzonen zehn Tage alt und hatte das Denken und Handeln der Leute schon so gut wie ganz eingenommen. Von den banalen Schwierigkeiten, die ihm das neue Geld bereitete, weil er nur eine kleine, für fünf Tage berechnete Summe davon besaß, sei geschwiegen. Sehr arg trafen sie ihn auch nicht. Josef Sagan hatte ihm für alle Fälle eine Frankfurter Adresse mitgegeben. Am siebenten Tag, als er mit seiner Barschaft am Ende war, suchte er diese Leute auf. Es war ein älteres Ehepaar, das von einer knappen Rente lebte. Der Mann war an den Rollstuhl gefesselt. Sie boten ihm Obdach und Essen und jeden Tag fünf Mark für seine Fahrspesen. Die Leute lebten in einem Industrieviertel in einem Reihenhaus zwischen stehen gebliebenen und zerbombten Reihenhäusern. Sie besaßen viele Freunde und Bekannte. Auf die Spur der Willewein, die in einem großen Mietshaus gewohnt hatte, nur zwanzig Minuten zu Fuß von der Wohnung seiner Wirtsleute entfernt, konnte ihm niemand helfen. Was er erfahren hatte, war, dass der Mann der Willewein in Haft saß wegen Raubüberfalls und Körperverletzung, dass der Frau ein drei Monate altes Kind weggestorben und dass sie nach der Beerdigung des Kindes nicht mehr in ihre Wohnung zurückgekehrt war. Dort waren inzwischen neue Mieter eingezogen. Ein Mann, der den Ganoven nicht verleugnete und jede Auskunft ablehnte, und eine Frau, halbmondän und schlampig, aber ungemein gesprächsfreudig, wenn der Alte nicht zu Hause war. Die Frau behauptete, eine Duzfreundin der Annedore Willewein gewesen und selbst in Sorge zu sein um die Verschwundene. Vielleicht in der Annahme, hier ginge einer seiner großen, durch

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