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Troja Roman von Haefs, Gisbert (eBook)

  • Verlag: Heyne
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Troja

Parallel zur 150-Millionen-Dollar-Kinoproduktion 'Troja' von Wolfgang Petersen ('Das Boot', 'Der Sturm') mit Brad Pitt, Eric Bana und Orlando Bloom in den Hauptrollen kommt auch Gisbert Haefs Roman-Klassiker vom tragischen Niedergang der berühmten Stadt in einer Neuausgabe. Haefs entwirft in seinem Roman ein farbenprächtiges Panorama der späten Bronzezeit. Gisbert Haefs, 1950 in Wachtendonk am Niederrhein geboren, lebt und schreibt in Bonn. Als Übersetzer und Herausgeber ist er unter anderem für die neuen Werkausgaben von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling und Jorge Luis Borges zuständig. Zu eigenem schriftstellerischen Erfolg gelangte er nicht nur durch seine Kriminalromane, sondern auch durch seine farbenprächtigen historischen Werke "Hannibal", "Alexander" und "Troja". Mit "Raja" hat Gisbert Haefs ein grandioses Werk vorgelegt, das einmal mehr seinen Ruf als Meister des historischen Romans bestätigt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 528
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641075668
    Verlag: Heyne
    Größe: 2555 kBytes
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Troja

2. GESCHMEIDE FÜR HELENA

[1188 v. C.] Das Messer glitt in Awil-Ninurtas Oberschenkel. Der kühle Händlerblick des Assyrers bemerkte, daß die Klinge aus Eisen war, zu teuer für diese Wilden. Dann kam der heiße Schmerz, der alles überdeckte.

Sie hatten im Wald gelauert, abgezehrte struppige Männer und Frauen, die sich brüllend auf die Karawane stürzten. Treiber wehrten sich mit Knüppeln und Schwertern. Überall keilten Esel aus, flohen vom Weg zwischen die Bäume, streiften Körbe und Ballen an Stämmen ab oder blieben mit sperrigen Packen kreischend im Gesträuch stecken. Die Sklaven ließen ihre Lasten fallen und drängten sich zusammen; einige warfen sich auf den Boden. Licht und Schatten des Nachmittags, das Braungrün von Weg und Wald, die Menschen, alles zusammen wurde zum zuckenden Leib einer Riesenschlange, die nach Schweiß und Angst und Blut roch, aber auch nach säuerlichem Bier und schwerem süßen Sesamöl aus geborstenen Gefäßen.

Ninurta sah, ohne wahrzunehmen. Der Stich hatte seinem Bauch gegolten, aber dann scheute sein Pferd; der Lärm, die zufällige Bewegung retteten ihn. Es war, als flösse die Wildheit aus den Augen der Frau in sein Bein, um dort Schmerz zu werden. Jäh stieg, wie Wasser im Brunnen nach einem Regen, seltsam sanftes Staunen in die Augen: Die Spitze von Ninurtas Schwert traf die Kehle der Angreiferin und zertrennte die Halsader. Die Frau taumelte vornüber; ehe sie zusammenbrach und endlich das Messer losließ, riß die Klinge eine fast zwei Handbreit lange sengende Furche in seinen Unterleib.

Etwas wie ein Bann, eine Art Nachflackern des Wahns durchdringender Blicke lähmte ihn. Und der Schmerz. Jemand schrie "bel alaktim ": Frage? Aufforderung? "Herr der Karawane" - das war er, und er sagte sich, daß der Ruf ihn anging. Er holte tief Luft, krallte die Linke in die Mähne des Pferds und wartete darauf, daß die schwarzen Feuerräder in seinen Augen erloschen und stillstanden.

Vorn sah er Zaqarbal, der sein Pferd ins Getümmel trieb und mit dem Schwert um sich schlug. Irgendwo rechts hinter sich hörte er etwas wie Scherben, die auf unterhöhlten Boden prasseln: ein langer Fluch in der Sprache des Pyramidenlands, mit dem Djoser sämtliche Götter seiner Heimat lästerte. Dann, endlich, kamen die assyrischen Krieger, die am Ende des Zugs geritten waren. Sie sprangen von den Eseln, ließen die im Getümmel nutzlosen Bogen fallen und beendeten das Durcheinander mit roten Klingen. Awil-Ninurta rutschte von seinem Reittier, lehnte sich an einen Stamm und glitt zu Boden.

Es gab siebzehn Tote: ein Treiber, zwei Sklaven, vierzehn Angreifer. Drei von ihnen hatten noch gelebt und geschrien, bis die Krieger ihnen den Weg in die Unterwelt freigaben. Wie immer ihre Unterwelt aussehen mochte. Sie mußten von weither aus dem Norden gekommen sein, und zweifellos waren sie sehr hungrig und sehr verzweifelt. Ninurta hätte gern einen Lebenden befragt, gleich in welcher Sprache, aber es wäre sinnlos gewesen, die Fliehenden zu verfolgen. Irgendwo mußten ihre Alten und Kinder sein; dort würden Verfolger in einen Hinterhalt geraten. Der Wald bot zu viele Verstecke. Und zunächst war es wichtiger, die Esel wieder zusammenzutreiben.

Zaqarbal half ihm, die Wunde zu reinigen und zu verbinden. Der Sohn eines Purpurmachers aus der reichen Hafenstadt Sidunu tat dies schnell und geschickt, als habe er Übung darin. Aus dem tiefen Stich im Oberschenkel blutete es noch immer kräftig; die lange, eher oberflächliche Schramme im Unterleib war schon fast trocken.

"Nicht dein Kriegsgott, o Mann des Ninurta - das muß die holde Ishtar gewesen sein. Die Klinge ist knapp an deinen Bällen vorbeigegangen; nach geziemender Ruhe wirst du sie weiter sinnlos nutzen können." Zaqarbal lachte, als ob er die Wunde, die Umstände und überhaupt die Welt witzig fände. Er kniete noch immer neben Ninurta; sein kurzer ärmelloser Rock war blutig, aber es mußte fremdes Blut

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