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umarm ich den November von Petereit, Johannes (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.03.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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umarm ich den November

Von einem Tag auf den anderen wird das Leben von Hans Bärling aus der Bahn geworfen. Sein neunzehnjähriger Sohn, Balthasar, liegt nach einem Sturz vom Balkon im Wachkoma. Die einzige Augenzeugin ist Balthasars Freundin, Beatrix, die nach dem schweren Schock kein Wort mehr gesprochen hat. Nur ein verstörendes Gedicht, das in Balthasars Hosentasche gefunden wurde, bildet für Hans den einzigen Anhaltspunkt. Er quält sich fortan mit der Frage, ob es ein Unglück war oder ob die düsteren Zeilen einen Selbstmordversuch ankündigten. Auf seiner Suche nach Antworten muss Hans auch bestimmen, wie weit die medizinische Behandlung seines Sohnes gehen soll. Er ringt um die richtigen Entscheidungen im Grenzbereich zwischen Leben und Tod und stößt am Ende auf ein erschütterndes Geheimnis... In seinem Debütroman erzählt der Autor von Menschen, die sich mit inneren und äußeren Krisen auseinandersetzen müssen. An den handelnden Personen wird deutlich, wie schwierig und zugleich einzigartig die Antworten auf kritische Lebensereignisse sind. Johannes Petereit wurde 1978 geboren. Als Sohn eines Dorfpfarrers und einer Religionslehrerin wuchs er in einem christlich geprägten Elternhaus auf, das kritisches Denken forderte und musisches Talent förderte. Seit frühester Kindheit wirkte Petereit in Musik- und Theateraufführungen mit, vertonte eigene Texte und ist bis heute in verschiedenen Musikformationen aktiv. Als Sozialpädagoge arbeitet Petereit seit vielen Jahren im Gesundheitsbereich mit Menschen, die mit Grenzsituationen des Lebens konfrontiert werden. Seine beruflichen Erfahrungen und Beobachtungen im Umgang mit Wachkoma-Patienten und deren Angerhörigen inspirierten Petereit zu seinem Debütroman. Petereit ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in der Nähe von Hamburg. Zur Zeit arbeitet Petereit an seinem zweiten Roman, der Ende 2016 erscheinen soll.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 252
    Erscheinungsdatum: 21.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783735770240
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 742kBytes
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umarm ich den November

2. KAPITEL

Entscheidung

Während der gesamten Autofahrt, die keiner Pause bedurfte, quälte sich Hans damit, die Antithese zu seiner These zu finden, die den Tod als Erlöser von Leid, als legitimen Ausweg erklärte. Die ständig präsenten Zeilen aus Balthasars Hand erschwerten zusätzlich eine ausgewogene Urteilsbildung. Selten gab es diese Momente, in denen ihm die zu treffende Entscheidung so offensichtlich und einleuchtend erschien, ohne jegliche Zwietracht zwischen Verstand und Herz.

Man sollte dem Tod das Feld überlassen, wenn die Früchte des Lebens fast verdorrt sind, dachte Hans. Er verspürte allerdings eine recht deutlich nagende Spannung in seinem Innern, die ihn von dem so unmissverständlich Richtigen abhalten wollte.

Hans beschloss, die Ergründung und letztlich Aufklärung dieser geheimnisvollen inneren Erregung als seine Antithese zu betrachten. Er konnte keine griffige Formulierung finden. Daher begnügte er sich damit, dass es doch tatsächlich ein Kontra gab, dem er sich stellen musste: "Meinem Sohn bin ich es schuldig, dass meine Entscheidung nicht reflexartigen Regungen erliegt."

Er lenkte den Wagen mit müden Bewegungen den glitschigen Berg hinauf, parkte ihn rechts neben der Pension und besorgte sich die Schlüssel für die Zimmer. Die Unterkunft, bestehend aus einem Raum, einer Kochnische und einem winzigen Bad, befand sich im Obergeschoss der sichtlich zerfallenen Pension. Er war der einzige Gast. Unterwegs kündigte er per Mobiltelefon bereits sein Kommen an und bat darum, ihn die nächsten Tage in Ruhe zu lassen. Er benötige die absolute Einöde.

Da er hier seit seiner Jugend nicht mehr gewesen war und sich fast nichts verändert hatte, fühlte er schlagartig einen betäubenden Schmerz emporsteigen, der ihm unweigerlich Tränen in die Augen schwemmte. Seine Gedanken kreisten um die Episode einer Zukunft ohne seinen Sohn: Balthasar wird hier nicht mehr mit seinem Vater zusammen sein können, um dessen vergilbte Jugendgeschichten über die Zeit in Tschechien ertragen zu müssen, in der er so alt wie Balthasar war.

In seinen Kummer mischte sich auch Wut, denn er kam einen Winter zu spät und ohne seinen Sohn hierher. Im letzten Winter weilte Balthasar zusammen mit seiner Freundin Beatrix einige Tage im nahe gelegenen Adlergebirge. Der gemeinsame Winterurlaub war ihr Geburtstagsgeschenk an ihn zu seinem Achtzehnten Geburtstag. Warum habe ich das nie mit ihm gemacht?, klagte Hans sich an.

Er schloss die Tür zu seinem Zimmer auf, warf sich auf das knarrende Doppelbett und schlief sofort ein.

Am nächsten Morgen fühlte er sich keineswegs ausgeruht. Seine Bettdecke lag ausgeweitet neben dem großen Bett - ein klares Indiz für eine unruhige Nacht. Hans zog sie fröstelnd wieder zurück ins Bett und deckte sich damit zu. In diesem kurzzeitigen Taumel der Orientierungslosigkeit, die einen immer nach solch langem Schlafen beim Aufwachen überkommt, versuchte Hans, sich zu sortieren. Er erkannte in wenigen Sekunden seine Lage. Heute ärgerte er sich darüber: Warum springt eigentlich sofort das Hirn an, wenn eine Situation nicht auf Anhieb überschaubar ist? Kann es einem denn nicht vergönnt sein, sich so lange wie möglich in diese liebliche Wolke der Unwissenheit zu betten? Sich so lange im weiten Meer des Seins treiben zu lassen, zu verweilen, ohne das gleich der schwere Anker der Erkenntnis an einem zieht?

Hans richtete sich im Bett auf und rieb sich mit beiden Händen das Gesicht wach. Er verließ zügig sein Bett, wusch sich im beengten Bad mit klirrend kaltem Wasser Hände, Nacken und Gesicht. Dann zog er sich an. Bevor er sich dazu entschloss, dass Zimmer zu verlassen, um sich nach einem kleinen Frühstück auf eine lange Wanderung zu begeben, wollte Hans aus seinem Fenster blicken.

Beim Öffnen der beiden knarrenden Fensterflügel wehte ihm sofort die klare winterliche Luft entgegen, die ihn magisch belebte. Vor ihm erstreckte sich eine s

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