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Und ewig singen die Krabben Ein Küsten-Roman von Matisek, Marie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.04.2015
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Und ewig singen die Krabben

Harte Schale, weicher Kern - von Krabben und Männern auf Süderum Eigentlich ist Heini Hinrichsen ein ganz lieber Kerl. Der Tätowierer aus Hamburg sieht zwar ziemlich wild aus, doch er sehnt sich nach Liebe. Als sein Vater stirbt, kehrt er zurück in die Heimat auf die schöne Nordseeinsel Süderum. Das Erbe: ein marodes Haus und ein hochverschuldetes Bestattungsunternehmen. Außerdem weckt die Insel Erinnerungen an seinen Vater und seine Kindheit. Mit seiner Stiefmutter sollte er sich auch endlich mal versöhnen. Mit Hilfe eines alten Schulfreundes und einer wunderschönen, lispelnden Floristin macht er sich auf und stellt fest: Die Nordseeküste stellt sein Leben gründlich auf den Kopf. Der vierte Roman von Bestsellerautorin Marie Matisek Marie Matisek führt einen chaotischen Haushalt mit Mann, Kindern und Tieren im idyllischen Umland von München. Neben dem Muttersein und dem Schreiben pflegt sie ihre Hobbys: kochen, ihren Acker umgraben und Kröten über die Straße helfen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 08.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843710572
    Verlag: Ullstein
    Größe: 3081 kBytes
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Und ewig singen die Krabben

1991

Ein Herbstabend auf Süderum

Er lag mit weit aufgerissenen Augen im Bett und starrte an die Decke. Da oben leuchteten die Sterne. Mama hatte sie dorthin geklebt. Damit er keine Angst hatte, damit es nie ganz dunkel war.

Heini klammerte sich Abend für Abend an den schwach gelblichen Schimmer der glimmenden Plastiksterne. Vor wenigen Sachen hatte er so große Angst wie vor dem Einschlafen. Er hatte Angst vor bösen Zauberern oder Hexen, die es nur darauf abgesehen hatten, den kleinen sechsjährigen Heini Hinrichsen in seinem hellblau-weiß gestreiften Frotteepyjama zu entführen. Deshalb mussten Mama oder Papa immer unter dem Bett nachsehen, ob die Luft rein war. Sie mussten den Kleiderschrank durchsuchen und einen Blick hinter die Vorhänge werfen. Außerdem passte Lupo auf ihn auf, der große braune Plüschhund, der mal so groß wie Heini gewesen war. Mittlerweile überragte Heini Lupo um das Doppelte, aber dennoch war es der Plüschhund, der über den kleinen Jungen wachen musste. Lupo war beileibe nicht der einzige Aufpasser in Heinis Bett, aber der wichtigste. Da waren noch Schweini, Pieps und Muckelchen. Natürlich Monchichi, Kängu und Bibo aus der Sesamstraße. Viel kleiner als der echte Bibo, zu Heinis großem Verdruss. Ja, wenn er einen Bibo hätte, der so groß wäre wie der aus dem Fernsehen, dann könnte sich der arme Lupo abends auch mal aufs Ohr legen und mit Bibo beim Wacheschieben abwechseln. Aber so ...

Es donnerte auf einmal so krachend, dass es sich anhörte, als wäre eine Bombe im Nebenzimmer eingeschlagen, und Heini verkroch sich noch tiefer unter die Bettdecke. Zu der Angst, die er ohnehin jeden Abend vor dem Einschlafen hatte, kam heute noch ein schreckliches Gewitter hinzu. Es zog bereits seit Stunden über die Insel, das Donnern und die Blitze waren mal weiter weg, mal näher dran.

Heini hatte überhaupt nicht ins Bett gehen wollen, aber nach "Meister Eder und sein Pumuckl", einer warmen Badewanne und einem Teller Wurstbrote war Mama unerbittlich gewesen. Sie hatte ihn in sein Zimmer begleitet und sich an sein Bettchen gesetzt. Sie hatte mit ihrer leisen, etwas kratzigen Stimme gegen das schreckliche Gewitter angesungen, alle Schlaflieder, die sie kannte. Und sie hatte ihm dabei ganz sanft den Unterarm gestreichelt.

Heinis Mama hatte lange gepflegte Fingernägel, und wenn sie damit ganz zart auf der Innenseite der Unterarme hin und her fuhr, schlief Heini normalerweise binnen Minuten tief ein.

Aber nicht heute. Es krachte so entsetzlich draußen, dass Heini sicher war, sein letztes Stündlein habe geschlagen.

Schließlich aber hatte seine Mama geseufzt, ihm die Bettdecke übers Kinn gezogen, sie außenrum festgesteckt und war aufgestanden.

"Schlaf schön, mein Kleiner."

"Mama! Du sollst nicht gehen!"

"Ich muss zur Generalprobe, mein Schätzchen. Aber schlaf du schön."

"Ich kann nicht! Mama, ich hab Angst!" Heini schluchzte ein paarmal theatralisch. Wie gerne hätte er ein paar Tränen verdrückt. Ihm war hundeelend zumute, er fürchtete sich über alle Maßen, aber leider blieben seine Augen trotz der hervorgepressten Schluchzer trocken.

Seine Mama beugte sich noch einmal zu ihm hinunter und küsste ihn zärtlich auf beide Backen.

"Papa ist zu Hause. Der guckt nach dir. Und wenn ich wiederkomme, schau ich auch sofort in dein Zimmer. Du wirst sehen: Dann schläfst du ganz tief. Mach dir keine Sorgen, das ist nur ein Sturm."

Sie lächelte ihn an und dann verließ sie das Zimmer.

Und jetzt lag der kleine Heini hier in seinem Bettchen und fürchtete sich. Er dachte an den Häwelmann. Das Märchen hatte Mama ihm oft vorgelesen. Aber er mochte es nicht. Er konnte diesen Häwelmann einfach nicht verstehen. Wieso wollte der denn unbedingt hinaus aus seinem Bettchen, aus seinem Zimmer, weg von seiner Mama? Dieser doofe Häwelmann. Jedes Mal wenn Mama die Stimme nachmachte und rief: "Mehr! Mehr!", wunderte sich Heini übe

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