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Und immer kommt ein neuer Morgen von Montag, Hans (eBook)

  • Verlag: epubli
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Und immer kommt ein neuer Morgen

In seinem Roman schildert Hans Montag die Lebensgeschichte eines alten Mannes. Sie ist voller Brüche, ein Thema zieht sich jedoch durch sein gesamtes Leben: Seine Suche nach Liebe und Wärme. Der Leser taucht ein in das vergangene Jahrhundert, von der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. Spannend blättert der Autor eine Lebensgeschichte auf und verknüpft sie mit zeitgeschichtlichen Abläufen. Hans Montag beschäftigen soziale Themen. Mit ihnen setzt er sich in seinen Büchern auseinander. In 'Legal betrogen' schildert er nach einer wahren Begebenheit, die brutale Abzocke einer gewissenlosen Bauträgerfirma. In 'Wider deinem Nächsten', erzählt er am Beispiel einer jungen Familie, wie die Menschen in der DDR unter der Allmacht der Stasi litten und teilweise daran zerbrachen. In der Bakthtari-Trilogie 'Fahim, Kabir und 'Der lange Weg der Aagila Bakthtari', schildert er, den schwierig Weg einer afghanischen Flüchtlingsfamilie. 'Und immer kommt ein neuer Morgen', ist ein Roman über die Einsamkeit alter Menschen. Aus Mangel an Zuneigung werden sie leicht zum Opfer...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 100
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783748521419
    Verlag: epubli
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Und immer kommt ein neuer Morgen

18

Wieder zurück zu meiner Familie und mir: Nach gut zwei Monaten Wartezeit wurden wir stolze Mieter einer Dreizimmerwohnung nicht weit vom Giesinger Bahnhof in der Deisenhofner Straße. Wir freuten uns wie die Schneekönige, als die Spedition die Möbel brachte; Nanni war am gleichen Tag mit dem Zug gekommen. Otto hatte mir einen Tag frei gegeben und so schafften wir es mit vereinten Kräften, die wichtigsten Möbel aufzubauen, sodass wir die Nacht in den eigenen Betten schlafen konnten.

Von Beginn an fühlten sich Nanni und Joachim in München wohl. Als Wohnung und Balkon wohnlich hergerichtet waren, begannen wir am Wochenende Münchens Umgebung mit Bahn und Bus zu erkunden. Zum Leidwesen von Joachim gab es keinen Samstag oder Sonntag, vorausgesetzt das Wetter war halbwegs brauchbar, an dem wir nicht Richtung Berge oder Seen unterwegs waren. Sobald wir das nötige Geld zusammengespart hatten, kleideten wir uns in bayrischer Tracht ein. Als ich mir den Luxus leisten konnte, fuhr ich extra ins bayrische Oberland, um mir in einer renommierten Werkstatt eine hirschlederne Bundhose anmessen zu lassen. Stolz, wie nur ein Zugereister es sein kann, präsentierte ich mich mit dem sündteuren Stück und neuen Haferlschuhen auf dem nächsten Volksfest. Kein Fest war vor uns sicher, ob in Dachau, Rosenheim oder im fernen Straubing, überall waren wir mit großer Begeisterung dabei. Wir mutierten innerhalb kürzester Zeit zu Extremfans der bayrischen Lebensart. Nur mit dem Dialekt wollte es nicht so richtig klappen, jedenfalls bei Nanni und mir. Dabei bewunderte ich Gustavs wunderschönes Münchnerisch über die Maßen. Mich erfasste, ich kann es nicht anderes sagen, wirklich Neid, wenn er mit seiner tiefen wohlklingenden Stimme sprach. Bei Joachim lief die sprachliche Entwicklung vorteilhafter ab. Von seiner Kindergartentante, lernte er den Dialekt fehlerfrei. Während es bei uns albern und gestelzt klang, wenn wir uns in der Sprache unserer Vorbilder versuchten - wir ließen es auch bald wieder - klang es bei Joachim schon bald, als wäre er auf Obergiesings Höhen zur Welt gekommen.

Unser Leben verlief anfangs der 50er Jahre friedlich und geruhsam dahin, nur die beiden deutschen Staaten drifteten immer mehr auseinander. Adenauers Politik zielte darauf ab, Westdeutschland fester im westlichen Bündnissystem zu verankern, während Ulbricht ein treuer Vasall Stalins war. Beide Länder wurden zu Frontstaaten zwischen den mittlerweile verfeindeten Siegermächten des zweiten Weltkriegs. Die Blockbildung, die Europa in zwei Lager spalten sollte, nahm ihren Lauf. Schon 1950 bot Adenauer in Geheimgesprächen den USA die Wiederbewaffnung Westdeutschlands an. Als er dies nachträglich im Bundestag öffentlich machte, trat Gustav Heinemann - der Innenminister - zurück und gründete zwei Jahre später mit Erhard Eppler und Johannes Rau die GVP, die Gesamtdeutsche Volkspartei. Aus Protest, dass Westdeutschland wieder eine Armee haben sollte, trat ich ebenfalls aus der CSU aus und in die GVP ein. An der Seite von Nanni marschierte ich mit dem Schild Ohne Mich durch Münchens Straßen. Trotz heftigster Proteste wurden am 12.11.1955 die ersten westdeutschen Soldaten vereidigt. Aus ihnen entwickelte sich wenig später die Bundeswehr.

Auch in Deutschlands Osten, der DDR, wurde die Wiederbewaffnung vorangetrieben. Anfangs als Polizeieinheiten aufgestellt, wurden diese im September 52 zu militärischen Verbänden umgebildet. Der Vorläufer der NVA, der Nationalen Volksarmee, hatte das Licht der Welt erblickt. Ab 1955 standen sich auf deutschem Boden zwei Armeen gegenüber, die im Laufe der Jahre immer höher aufgerüstet wurden.

Für mich war es der Alptraum schlechthin, dass im Falle eines Angriffes Deutsch

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