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Verena Leben mit dem Tod von Taylor, George (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
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Verena

Verena, 28 Jahre, hadert seit ihrer Jugend mit ihrem Leben. Immer wieder will sie es beenden, vollzieht jedoch nie den letzten Schritt. Eines Tages erhält sie die Nachricht, dass sie an einem Tumor leidet. Sie zögert die Behandlung hinaus, wünscht sich im Geheimen sogar daran zu sterben. Bevor sie eine endgültige Entscheidung wegen einer Behandlung treffen will, beschließt sie, ihren schon seit längerer Zeit geplanten Urlaub auf La Palma anzutreten. Im Urlaub lernt sie Anton kennen und aus der Urlaubsbekanntschaft wird Liebe. Sie gewinnt durch die Liebe zu Anton eine noch nie gekannte Lebensfreude und entschließt sich, ihren Tumor behandeln zu lassen. Doch die Erkrankung ist bereits im fortgeschrittenen Stadium ... Unentdeckter Missbrauch, Depressionen, Krebs - ihre wahre Gefühlswelt bleibt für Verena selbst und für andere Menschen verborgen. In zahlreichen Dialogen diskutieren die Protagonisten über Themen der Philosophie, Theologie und über Gott und die Welt. George Taylor lebt in Deutschland. Bisher erschienen: Verena - Leben mit dem Tod, Roman, Tod in der Levada, Roman, Ich habe das Recht ein Arschloch zu sein - 9 Kurzgeschichten, Humor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 294
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783847649717
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 711 kBytes
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Verena

Zwischen Tod und Leben

"Mama, Papa, Katharina, verzeiht mir, was ich euch in meinem Leben angetan habe, verzeiht mir, was ich euch jetzt antun werde. Ich liebe euch. Verzeiht mir", flüsterte Verena mit zittriger und weinerlicher Stimme leise vor sich hin.

"Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr."

Sie saß auf einem kleinen Mauervorsprung auf dem ein Maschendrahtzaun angebracht war. Ihre Arme stützte sie auf ihre Knie, ihr Gesicht drückte sie fest in ihre von Tränen nassen Hände. Sie war kreidebleich, aber das konnte man nicht sehen, denn es war spätabends kurz vor Mitternacht. Die Sterne funkelten in dieser warmen Augustnacht um die Wette.

"Warum ich?", stammelte sie vor sich hin, "warum ausgerechnet ich?"

Sie schluchzte und versuchte ein lautes Weinen zu verhindern. Aber sie hätte auch laut weinen können, denn in dieser Nacht hätte sie niemand gehört. Weit und breit war keine Menschenseele. Sie war umgeben von Bäumen und Sträuchern, Hecken und Wiesen und einem kleinen Gemüsegarten, der von einer Steinmauer eingegrenzt wurde, auf der der Maschendrahtzaun befestigt war.

"Lieber Gott, steh mir bei."

Sie fing an zu beten, denn sie war sehr gläubig. Der Glaube hat ihr in ihrem Leben immer wieder geholfen, davon war sie überzeugt. Aber heute, jetzt in dieser Stunde, erwartete sie von Gott eine andere Hilfe als sonst.

"Herr, hilf mir. Gib mir Kraft. Steh mir bei ... ich bitte dich ... steh mir bei."

Sie saß bereits eine halbe Stunde auf diesem Mauervorsprung. Sie weinte, sie betete, sie flüsterte liebevolle Worte, die an ihre Eltern und an ihre Schwester gerichtet waren, immer wieder vor sich hin. Vor lauter Weinen taten ihr schon die Augen weh. Sie konnte kaum mehr richtig sehen. Sie rieb sich ihre Augen trocken und versuchte sich zu beruhigen. Aber das war ihr nicht möglich. Sie fing am ganzen Körper an zu zittern. Es fröstelte sie, obwohl diese Nacht eigentlich eine besonders schöne und warme Augustnacht war. Diese letzte halbe Stunde kam ihr vor wie eine Ewigkeit. Ihr ganzes Leben zog an ihrem inneren Auge vorüber, jedoch völlig unkontrolliert. Sie schaffte es nicht, zusammenhängende Gedanken zu bilden. Erinnerungen an die Kindheit, die Jugend, die Schulzeit, ihr Studium, Szenen mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester, immer wieder sah sie Gedankenfetzen vor sich. Aber sie führte diese Gedanken nicht bewusst herbei, sondern sie schossen ihr völlig unkontrolliert durch den Kopf. Sie drehte ihren Kopf etwas zur Seite und schaute in die Ferne. Immer wieder wandte sie ihren Blick in diese Richtung. Plötzlich fuhr ihr ein Blitz durch den ganzen Körper. Oh Gott, dachte sie. Da waren sie. Unverkennbar, das waren sie, diese drei Lichter. Langsam aber stetig näherten sie sich. Verena erhob sich, konnte jedoch kaum richtig stehen. Ihre Beine waren schwer wie Blei und zitterten dennoch so stark, dass sie sich zunächst am Zaun festhalten musste. Tränen schossen ihr erneut in die Augen, sie weinte, ja wimmerte fast wie ein kleines Kind. Dann setzte sie mühsam einen Schritt vor den anderen, sie kreuzte ihre Arme über ihre Brust, ballte beide Hände zu Fäusten zusammen. Ihr Gesicht verzerrt, den Mund jetzt etwas geöffnet, rang sie nach Luft. Schritt für Schritt ging sie vor, sie fühlte sich elend. Sie sah die drei Lichter durch die von Tränen durchtränkten Augen verschwommen, aber deutlich, immer weiter auf sich zukommen.

"Herr, hilf mir, hilf mir, gib mir Kraft, hilf mir."

Nur noch wenige Meter. Einfach nur hinlegen, sonst nichts machen, einfach nur hinlegen, dachte sie. So hatte sie sich diesen Moment jetzt vorgestellt, als sie hierher kam. Doch ihre Knie wurden weich - fast wäre sie gestürzt - sie musste sich mit einer Hand am Boden stützen, um sich wieder einigermaßen aufzurichten. Die drei Lichter - sie kamen immer näher. Noch zwanzig Sekunden ... was wird dann sein? ... Wo werde ich dann sein? ... Was wird geschehen? ... noch zehn Sekunden .

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