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Vermessenes Land Roman von Coovadia, Imraan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.10.2016
  • Verlag: Verlag Das Wunderhorn
eBook (ePUB)
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Vermessenes Land

Zehn Tagen im Leben Südafrikas, verteilt über vier Jahrzehnte von 1970 bis 2010 in denen aus Südafrika ein anderes Land wurde. Ein Kaleidoskop südafrikanischer Wirklichkeiten, in dem sich fiktive Charaktere mit realen Personen mischen. Ein wichtiges Buch, das tiefe Einblicke darüber gibt, wie das Land am Kap sich von der Apartheid befreite. Imraan Coovadia ist in Durban, Südafrika geboren, studierte in Yale, lebte abwechselnd in New York und Durban und lehrt heute an der University of Cape Town Literaturwissenschaft und creative writing. Für seinen dritten Roman "High Low In-Between" (2009), dt.: "Gezeitenwechsel" (Wunderhorn, 2011), erhielt er 2010 den University of Johannesburg Prize und den Sunday Times Fiction Prize.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 27.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783884235348
    Verlag: Verlag Das Wunderhorn
    Originaltitel: Tales of the metric System
    Größe: 603 kBytes
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Vermessenes Land

1970
SCHULZEIT

Der Jaguar wollte nicht anspringen. Ann saß hinter dem Lederlenkrad und beobachtete, wie das rubinrote Licht im Armaturenbrett schwächer wurde. Neils verstorbene Mutter hatte ihr das Auto vermacht, damals, als sie im Krankenhaus lag und trotz eines Halskatheders mit Füllfederhalter Briefe ans Parlament schrieb. Geschenke ihrer Schwiegermutter abzulehnen war schwierig. Manchmal wirkte das Gesicht der alten Frau geradezu versteinert.

Ann erspähte ihren Nachbarn auf seiner Veranda. Sie stieg aus und versuchte, auf sich aufmerksam zu machen. Mackenzie war ihre einzige Chance. Er half ihr gern. Als die Stromversorgung einmal ausgefallen war, ließ Mackenzie seinen Diener eine Trittleiter bringen, war zum Schaltkasten hochgestiegen und hatte nacheinander die schwergängigen, grünen Schalter umgelegt, bis er die kaputte Sicherung fand. Im Juli, als die Leute vom Special Branch kamen, Neil war nicht da, hatte Mackenzie sich zur moralischen Unterstützung ins Wohnzimmer gesetzt. Er las auf dem Sofa seine mitgebrachten Zeitschriften, das Scope , ein Männermagazin sowie die Creamer's Illustrated News , ein Technikjournal, während die Polizisten Neils Schreibtisch unter die Lupe nahmen, die im Adressbuch umkringelten Nummern überprüften und Schränke durchwühlten.

Mackenzie brachte seinen Diener mit, einen muskulösen Alten in den Sechzigern, der kerzengerade hinten im Hillman Avenger seines Arbeitgebers saß. Einen Augenblick lang glaubte Ann, Mackenzie würde ihr die Hand auf die Schulter legen. Stattdessen legte er sie auf die Motorhaube des Jaguars.

- Es liegt an der salzhaltigen Luft. Ein Motor, der fünf Jahre London übersteht, schafft hier gerade mal achtzehn Monate. Ihr Mann sollte sich mal um seine Wartung kümmern.

- Ich richte es ihm aus.

- Setzen Sie sich rein und lösen Sie die Handbremse. Der Bursche hier schiebt Sie die Straße rauf und Sie können dann den Motor anlassen. Wenn Sie zurückkommen, müsste alles wieder in Ordnung ein. Auf der Autobahn lädt sich die Batterie von selbst wieder auf.

So betagt er auch war, Mackenzies Diener fing an zu schieben. Dick traten auf seinen dunklen Armen die braunen Adern hervor. Sofort überzog ein Schweißfilm seine Haut. Am oberen Ende der Straße hielt er ein. Abwärts sprang der Motor sofort an. Als Ann an der Caltex-Tankstelle vorbeikam, hatte er bereits Fahrt aufgenommen.

Beim Blick in den Rückspiegel sah sie Mackenzies Diener erschöpft auf der Straße stehen. Ihr fiel ein, dass sie seinen Namen nicht wusste. Aber sie war sich ja nicht einmal ihres eigenen sicher. In erster Ehe hatte sie noch Ann Rabie geheißen, davor war sie Ann Bowen, deren Vater, ein Kommodore der Royal Navy, ihre Mutter während eines Landurlaubs in Durban auf einem Ball kennengelernt hatte. Aus Gründen, die in der Beziehung zwischen ihr und Neil lagen, hatte sie den Wechsel zu Ann Hunter nie ganz vollzogen.

In der Innenstadt parkte sie vor dem Kaufhaus Greenacres. Einige Verkäuferinnen kleideten gerade die Schaufensterpuppen neu ein, mit Nadeln zwischen den Lippen, um die Kleider festzustecken. Irgendetwas an den Drahtgestellen und den klebrigen Pinselstrichen auf den Armattrappen verstörte sie. Die Puppen würden den Wagen mit einem Fluch belegen. Nach ihrem Gespräch mit Edward Lavigne würde sie in dieser Pappmascheegesellschaft warten müssen, bis der Laster von der Automobile Association angefahren kam.

Sie beeilte sich. Ihr Sohn Paul war mit Alkohol auf dem Schulgelände erwischt worden. Derartige Vergehen wurden im Curzon College schwer geahndet. Die Strafe konnte zu einem Schulausschluss für das gesamte Michaelmas Trimester führen. Edward Lavigne war der Sprecher des Schulaufsichtsrats. In einem seiner ersten Briefe hatte Paul geschrieben, für Lavigne sei das College ein Ort, an dem Pünktlichkeit gleich nach Gottesfurcht komme. Eine zw

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