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Verratene Ehre Roman von Thon, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.08.2018
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Verratene Ehre

Sie wurden als Brüder geboren, doch der Krieg macht sie zu Feinden ...
Eik und Valerian sind Halbbrüder, doch in den Wirren des 30-jährigen Krieges stehen sie auf unterschiedlichen Seiten. Nur in ihrer Liebe zu Augusta - des einen Schwester, des anderen Geliebte - haben sie noch eine Gemeinsamkeit. Aber als Wallenstein erneut den Befehl über ein Heer übernimmt, finden sie in ihm einen Mann, dem sie beide dienen können. Da wird Wallenstein im Moment seines größten Triumphs des Verrats am Kaiser bezichtigt, und jeder der beiden Brüder muss für sich entscheiden, wem seine Treue gilt.

Wolfgang Thon wurde 1954 in Mönchengladbach geboren. Nach dem Abitur studierte er Sprachwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Berlin und Hamburg. Heute ist er als Übersetzer und Autor für verschiedene Verlage tätig. Er ist Vater von drei mittlerweile erwachsenen Kindern und lebt, schreibt, übersetzt, reitet und tanzt (Argentinischen Tango) in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 20.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641212544
    Verlag: Blanvalet
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Verratene Ehre

2. KAPITEL

Sachsen, Nähe Torgau

"Dort drüben, Herr Rittmeister!"

Valerian hob müde den Kopf und wischte sich mit dem Ärmel seiner Uniform den Schweiß von der Stirn. Dann beugte er sich vor und kniff die Augen zusammen.

Der Kornett seiner kleinen Abteilung Kürassiere deutete mit ausgestrecktem Arm auf eine bewaldete Hügelkuppe, hinter der eine Rauchsäule in den blauen Septemberhimmel emporstieg. "Sieht fast so aus, als würden dort Bauern ihre Stoppeläcker abbrennen."

Valerian runzelte die Stirn. "Das sind keine Herbstfeuer, nicht so früh im Jahr." Wenn doch, würde das bedeuten, dass diese Bauern ihre Ernte bereits eingefahren haben. Auf so viel Glück wage ich gar nicht zu hoffen. " Außerdem wäre es dumm von ihnen, ihre Felder abzubrennen. Das würde jeden Plünderer im Umkreis von fünfzig Meilen anziehen."

Er sah seinen Unteroffizier an. Dessen Miene verriet, dass er ebenfalls nicht so recht an das, was der Kornett vermutet hatte, glauben mochte. Sie waren bereits seit sechs Tagen unterwegs und saßen wie an allen Tagen zuvor seit den frühen Morgenstunden im Sattel. Die Männer waren müde, hungrig und gereizt. Und sind sicherlich auch ziemlich wundgeritten, wenn ich an meinen eigenen Hintern denke, dachte Valerian. Außerdem waren sie sichtlich frustriert, weil ihre Strapazen bislang umsonst gewesen waren. Und es wäre unglaubliches Glück gewesen, wenn ihre Suche nach Nahrungsmitteln für das Regiment ausgerechnet jetzt, auf dem Rückweg zum Lager, Erfolg haben sollte.

Andererseits, etwas Glück käme vielleicht ganz recht. Seit sie in Sachsen lagen, war es immer schwieriger geworden, Proviant für Tillys Heer zu organisieren. Das Land war vollkommen ausgeplündert, zunächst durch die Protestanten, dann durch die Liga und die Kaiserlichen, und jetzt standen auch noch die Schweden im Land. Ich frage mich wirklich, wie lange Tilly die Leute noch bei der Stange halten kann.

Dass der Generallieutenant des Kaisers seine erste größere Schlacht bei Werben am Havelberg gegen Gustav Adolf verloren hatte, trug auch nicht gerade zur Moral der Söldner bei. Tilly und seine Stabsoffiziere wussten natürlich, wie launisch das Kriegsglück war und dass die Söldner je nach Lage der Dinge nicht zögerten, die Seiten zu wechseln, sowohl hüben wie drüben. Wurde der Proviant nun noch knapper und blieb dann auch noch der Sold aus, konnte es schnell zu einer Massenflucht von den Fahnen kommen. Dann hat unser Oberkommandierender ein noch größeres Problem.

Valerian schüttelte den Kopf. Eins nach dem anderen, dachte er. Jetzt geht es erst einmal darum, etwas Essbares aufzutreiben. Und zwar schnell.

Ihre mitgenommenen Vorräte hatten sie bereits vor zwei Tagen aufgebraucht und ernährten sich vorwiegend von Waldfrüchten und dem ein oder anderen Kaninchen. Valerian war klar, dass sich seine Leute zusammenrissen, weil ihr Rittmeister und Kommandierender Offizier mit ihnen ritt. Dennoch, die Stimmung war auf dem Tiefpunkt, und es brauchte nicht viel, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen. Glücklicherweise hatten sie bisher keine Gelegenheit gehabt, ihrem Frust und ihrer Wut freien Lauf zu lassen, aber Valerian wusste, dass das nicht so bleiben würde, sollten sie unverrichteter Dinge ins Lager zurückkehren.

"Die Leute und das Land hier haben einfach nichts mehr zu geben, Herr Rittmeister", hatte sein Fourier Istvan Strellitz erst gestern festgestellt, als sie in eine kleine Siedlung etliche Meilen südlich von Torgau geritten waren. Es war bereits die dritte Siedlung gewesen, auf die sie an diesem Tag gestoßen waren und wo es nichts Lebendes gab außer Ratten und Krähen, die sich an den Leichen gütlich taten. "Außerdem sind die Protestanten offensichtlich mal wieder vor uns da gewesen." Der Mann hatte angewidert den Kopf geschüttelt und sich ein schmutzig graues Taschentuch vor Na

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