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Von Männern, die keine Frauen haben von Murakami, Haruki (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.10.2014
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Von Männern, die keine Frauen haben

Von Männern, die keine Frauen haben Von Männern, die keine Frauen haben 1Q84 Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki Als ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 254
    Erscheinungsdatum: 04.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832188351
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: Onna no Inai Otokotachi
    Größe: 2934 kBytes
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Von Männern, die keine Frauen haben

YESTERDAY

Der Einzige, der den Beatles-Song "Yesterday" jemals mit einem japanischen Text (dazu noch im Kansai-Dialekt) versehen hat, war - soweit ich weiß - ein Typ namens Kitaru. Er pflegte ihn in der Badewanne zu schmettern.

"Das Gestern / Das Vorgestern von morgen ist / Und weil ja morgen vorgestern ist ..."

So fing er an, glaube ich, aber das ist alles schon so lange her, und ich bin mir nicht ganz sicher. Jedenfalls war sein Text irgendein Kauderwelsch, das von vorne bis hinten keinen Sinn ergab und keinerlei Ähnlichkeit mit dem Original hatte. Die vertraute melancholische Melodie und der unbeschwerte - vielleicht sollte man ihn "unpathetisch" nennen - Klang des Kansai-Dialekts ergaben eine ganz eigene Mischung, die sich kühn über jede Zweckmäßigkeit hinwegsetzte. Zumindest klang es in meinen Ohren so. Man konnte darüber lachen und auch eine verborgene Botschaft aus den Worten herauslesen. Aber damals lauschte ich nur schicksalsergeben.

Kitaru sprach, soweit ich es beurteilen konnte, perfekt Kansai-ben, war aber in Denenchofu im Tokioter Bezirk Ota geboren und aufgewachsen. Ich selbst stamme aus Kansai, spreche aber vollkommenes Hochjapanisch (wie man es in Tokio spricht). Im Nachhinein betrachtet waren wir schon ein recht seltsames Paar.

Ich lernte ihn kennen, als wir beide in einem Café am Haupteingang der Waseda-Universität jobbten. Ich arbeitete in der Küche, und Kitaru war Kellner. Wenn wenig zu tun war, unterhielten wir uns. Beide waren wir zwanzig, und unsere Geburtstage lagen nur eine Woche auseinander.

"Kitaru ist ein seltener Name", sagte ich.

"Ja, ziemlich selten", erwiderte er.

"In der Baseballmannschaft von Lotte gibt es einen Werfer, der so heißt."

"Ach ja, der. Wir sind nicht verwandt. Aber bei einem so seltenen Namen könnte es doch trotzdem sein, dass es da irgendwo eine Verbindung gibt, was?"

Damals studierte ich im zweiten Jahr Literatur an der Waseda. Kitaru war durch die Aufnahmeprüfung gefallen und bereitete sich auf seinen nächsten Versuch vor. Er war schon zweimal durchgefallen, aber er lernte auch bemerkenswert wenig. In seiner Freizeit las er so gut wie nur Bücher, die nichts mit der Aufnahmeprüfung zu tun hatten. Eine Jimi-Hendrix-Biografie, ein Buch über Strategien beim Shogi oder Die Entstehung des Universums und solche Sachen. Er erzählte mir, dass er vom Haus seiner Eltern in Ota pendelte.

"Deine Eltern wohnen in Ota?", fragte ich. "Ich dachte immer, du wärst aus Kansai."

"Ach was, ich bin in Denenchofu geboren und aufgewachsen."

Das zu hören verblüffte mich nicht wenig. "Und warum sprichst du dann Kansai-ben?", fragte ich.

"Hab ich später gelernt. Einfach so."

"Wie - 'später gelernt'?"

"Ich habe eben Kansai-ben gelernt wie ein Wilder. Verben, Substantive, den Akzent, alles. Im Prinzip genau wie man Englisch oder Französisch lernt, ja? Ich bin sogar mehrmals zu Sprachaufenthalten in Kansai gewesen."

Ich war beeindruckt. Ich hörte zum ersten Mal, dass ein Erwachsener den Kansai-Dialekt lernte, wie andere Englisch oder Französisch. Wunder der Großstadt! Ich kam mir vor wie Sanshiro, der Held in Natsume Sosekis Roman, der zum ersten Mal aus seinem verschlafenen Nest nach Tokio kommt.

"Als Kind war ich ein großer Anhänger der Hanshin Tigers, ja? Ich sah mir jedes Spiel an, wenn es in Tokio war, aber obwohl ich mit meinem Streifen-Trikot in der Fankurve saß, wollte niemand etwas mit mir zu tun haben. Weil ich ja Tokio-Dialekt sprach. Ich kam gar nicht rein in die Fangemeinde, ja? Ich muss Kansai-ben lernen, dachte ich. Und ich büffelte, dass mir das Blut aus der Birne spritzte."

"Das war dein einziger Beweggrund?", fragte ich verblüfft.

"Ja, klar. Für mich waren die Hanshin Tigers doch alles. Seitdem spreche ich immer und überall Kansai-ben, auch zu Hause und in der Sc

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