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Vorn ist noch Platz - Band 1 Band 1 von Burchard, Erika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.05.2017
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Vorn ist noch Platz - Band 1

Die alte Issa Halter liegt sterbend in ihrer Turmstube. Und während sich ihr Körper immer weniger dem allmählichen Versagen seiner Organe widersetzen kann, begibt sie selbst sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Geführt wird sie dabei von einer Stimme, die sich als Teil von Issa bezeichnet und einen Dialog mit ihr beginnt. Die Stimme ermuntert und bestärkt Issa. Zuweilen jedoch hat sie eine eher ernüchternde Wirkung auf die Sterbende, die staunend eine neue Welt betritt. So findet sie sich auch wieder in der Zeit, als sie ihr Haus in der Rheinpfalz verkauft - kurzerhand, naiv-entschlossen und in burleskem Stil. Alles Inventar verschenkt sie und zieht in einen Turm in einem italienischen Dorf. Ihr anfängliches Leben dort ist voller grotesker Sprachschwierigkeiten. Von Land und Leuten hat sie wenig Kenntnis. In dieser Lage fällt ihr durch die Bekanntschaft mit Carlo, dem Lebenskünstler, eine wunderbare Starthilfe zu. Er wird für Issa ein ebenso schwer durchschaubarer wie herzlicher und tatkräftiger Freund. Obwohl beide sich zu einander hingezogen fühlen, gibt es eine spürbare Barriere zwischen ihnen, etwas Rätselhaftes, das lange unausgesprochen bleibt. Die sterbende Issa erfährt in Todesnähe das Wunder, sich noch einmal als handelnder Mensch an den verschiedenen Stationen ihres Lebens bewegen zu können, an vielen Orten in Deutschland, Italien, Israel - und in dem Bewusstseinszustand ihres jeweiligen Lebensalters.

Erika Burchard, geboren 1934 in Berlin, verbrachte die wesentlichen Kindheitsjahre da, wo heute Polen ist, ihre Jugend- und Studienjahre in München, London, Frankfurt am Main. Dort heiratete sie. Die Kindheit ihrer drei Söhne verlebte die Familie in einem hessischen Dorf. Ihre berufliche Entwicklung verlief ungefähr in Jahrzehnten: Sie schrieb für Zeitungen und arbeitete als Übersetzerin, wurde Lehrerin an einer Waldorfschule und in einem Seminar, machte nebenberuflich jahrelang Erfahrungen in der Bewährungshilfe, zog schließlich nach Italien und produzierte Olivenöl, gründete im Schwarzwald zusammen mit Freunden eine Hilfsorganisation für afrikanische Frauen und arbeitete in Tansania. Jetzt wohnt sie in einem norddeutschen Dorf und buddelt im Garten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 04.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744857604
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 925kBytes
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Vorn ist noch Platz - Band 1

Präludium
_____________________________________ Schirokko ____
Sturm und Stille

Die Winde toben. Schübe von afrikanischen Wüstensand peitschen sie weit herein in das Küstenland am Tyrrhenischen Meer. Unbewegt steht der Turm in diesem Aufruhr. Er klebt seit dreihundert Jahren an dem Felsen des Steilhanges. Seine Luken starren hinunter in die Macchia und hinüber zu den schwingenden Berglinien von Buriano, wo sich die Wälder widerwillig vor dem Sturm verbeugen. Leer gefegt ist der alte Feigenbaum vor dem Turmeingang. Eben sind seine Blätter noch in hektischem Ringelreihen über die Steinplatten gefegt, jetzt füllen sie zuckend und knarrend zusammen mit dem feinen Wüstensand die Felsenecken auf der Terrasse. Zum Tanz sind sie nicht mehr zu entfesseln.

Drinnen im Turm sitzen zwei Katzen auf der Fensterbank und blicken durch die Luken hinaus. Der Himmel ist leer. Die Vögel sind in den Schutz der Macchia untergetaucht. Außer den beiden Katzen lebt in diesem Turm die weißhaarige Issa. Das heißt: noch lebt sie. Bald wird es aus sein mit ihr. Gestern, als sie noch laufen konnte, hat sie den restlichen Körnervorrat für die Vögel unter das Vordach gekippt. Auch an die Katzen hat sie gedacht: In der Küche liegt jetzt Trockenfutter, auf zwei Tabletts gehäuft. Mehrere Schüsseln hat die Alte mit Trinkwasser gefüllt und auf den Boden gestellt. Mühsam ist das gewesen. Halt suchend an Tisch und Stühlen ist sie viele Male mit dem kleinen Kännchen zwischen Wasserhahn und Schüsseln hin und her gewankt. Jeder, der sie gesehen hätte, wäre besorgt herbei gesprungen. Da war aber niemand außer den Katzen. Sie wird sterben, und das weiß sie auch. Sie hat sich gegen medizinische Hilfe entschieden, als sie von dem erfuhr, was da in ihr ganz unbemerkt herangewachsen war. Das Ding in ihrem Bauch ist bis vor kurzem gnädig gewesen. Warum hätte man es also entfernen sollen? Zu viele Menschen hat sie gekannt, die eine lange und erbitterte Fehde gegen so etwas geführt hatten und schließlich dann doch aufgeben mussten. Bei mir lohnt sich das nicht, hat sie dem Arzt gesagt, ich bin neugierig auf den Tod. Gestern ist nun endlich die große Schwäche über sie gekommen - mitten im stärksten Orkangeheul. Bis zum Ohrensessel hat sie es noch geschafft. Den Abend hat sie dort sitzend unter ihrer Wolldecke verbracht, nicht hellwach aber auch nicht schlafend. Lange ist sie so gesessen, die ganze Nacht über. Das Bewusstsein ist ihr immer wieder entglitten - ein sanfter, schwebender Zustand.

Dann hat sie bemerkt, wie ihr Mund immer enger und trockener geworden ist. Es hat lange gedauert, bis sie diese Enge im schütter gewordenen Geflecht ihrer Körpererfahrungen einordnen konnte: Durst! Der Weg zum Wasserhahn ist inzwischen unüberwindlich weit geworden. Schon wenn sie sich umgewendet hat, um in seine Richtung zu blicken, hat alles um sie herum zu tanzen angefangen. Da hat sie sich vom Sessel hinunter auf den Boden gleiten lassen und ist auf die am nächsten stehende Katzenschüssel zugekrochen. Den Zipfel der Decke hat sie fest in der Hand gehalten, denn sie hat gewusst: zu ihrem Sitzplatz im Sessel würde sie nicht mehr zurückkehren. Das Gesicht über die Schüssel gebeugt, hat sie die Lippen gespitzt und getrunken. Danach ist das Begehren ihres Körpers besänftigt gewesen.

Immer weniger Licht ist durch die Luken eingefallen.

Eine lange Dämmerung.

Eine noch längere Finsternis.

Müde wie nach einer großen Tat hat sie da auf dem Boden gelegen. Die Wanduhr hat laut getickt. Stoßend und zerrend hat sie die Decke über sich ausgebreitet und dabei auf das bekannte Zustechen des Schmerzes gewartet. Der Stich ist auch gekommen. Aber er ist schwach geworden. Alles hat nachgelassen - ihre Kräfte und auch der Schmerz. Sie ist auf dem Boden liegen geblieben. Die beiden Katzen sind herbeigekommen und haben sich in die Beugen und Winkel ihres Körpers geschmiegt. Im Heulen d

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