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Was ich noch weiß Roman von Broeckhoven, Diane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Was ich noch weiß

Warmherzig und fein komponiert erzählt Diane Broeckhoven die Geschichte einer komplizierten Mtter-Sohn-Beziehung. Manon geht in ihrer Rolle als Ehefrau, Hausfrau und Mutter auf, bis ihr Mann sie plötzlich für eine jüngere Frau verlässt. Sie bleibt mit den drei Kindern zurück und muss von nun an allein für die Familie sorgen. Sieben Jahre später entdeckt ihr Sohn Peter durch einen Zufall, dass Manon kurz nach dem Tod ihrer Schwiegermutter eine Affäre mit ihrem Schwiegervater gehabt haben muss. In jugendlicher Empörung und ohne seiner Mutter Gelegenheit zu geben, sich zu erklären, zieht er zu seinem Vater. Die Kinder werden erwachsen und kurz bevor Peter mit seiner frischangetrauten Ehefrau für einige Zeit nach Japan gehen will, erleidet Manon einen Schlaganfall und fällt ins Koma. Trotz ihrer früheren Differenzen legt Peter seine Pläne auf Eis, um für seine Mutter da sein zu können. Als Manon erwacht, muss sie sich ins Leben zurückkämpfen. Sie notiert, was sie noch weiß, und wird liebevoll von ihren Kindern und ihrem früheren Ehemann unterstützt. Ein Neuanfang wird möglich. Diane Broeckhoven versteht es, mit viel Einfühlungsvermögen die großen Lebensfragen in einer leicht zugänglichen Geschichte zu verdichten.

Diane Broeckhoven, 1946 geboren, hat zahlreiche, vielfach ausgezeichnete Kinder- und Jugendbücher geschrieben. Unter ihren Romanen für Erwachsene, etwa "Eine Reise mit Alice" und "Herrn Sylvains verschlungener Weg zum Glück", wurde "Ein Tag mit Herrn Jules" zu einem Bestseller. Das Buch ist inzwischen in sechzehn Ländern erschienen und wurde über 250.000 Mal verkauft. Diane Broeckhoven lebt in Antwerpen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 159
    Erscheinungsdatum: 26.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406696794
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Originaltitel: Wat ik nog weet
    Größe: 2631kBytes
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Was ich noch weiß

PETER

This is my life and I don't give a damn for lost emotions.

Shirley Bassey (aus "This Is My Life")

Ich war zwölf, als ich mich zum ersten Mal verliebte. Die winzigen Bläschen, die mir aus dem Unterleib bis in die Kehle stiegen, der unwiderstehliche Drang, die Fingerspitzen in die kleine Kuhle ihres Halses zu legen, ihr die Schultasche zu tragen, ihren Namen auf Zeitungen oder Wände zu schreiben, meinen Parka über die Pfützen zu werfen, damit ihre Schuhe trocken blieben ... keines dieser edlen Gefühle konnte ich mit den schlüpfrigen Witzen und dem Halbstarkenunsinn, den die Jungs aus meiner Klasse über Mädchen erzählten, in Verbindung bringen.

Rebecca. Sie saß in der Klasse genau vor mir. Ihre dunkelblonden, gerade geschnittenen Haare hatte ich Tag für Tag vor Augen. Ich kannte jede Pore ihres weißen Nackens und vermutete eine ungekannte Sanftheit der Ohrläppchen, die perfekt symmetrisch mit ihrer Kieferlinie endeten. Unter ihrer Bluse zeichneten sich schon kleine Wölbungen ab, die meine Blicke auf sich zogen. Sie trug immer Röcke oder Kleider, selten Jeans, wie die meisten anderen Mädchen. Rebecca war aus lauter geheimnisvollen Kunstwerken zusammengesetzt, an denen ich mich nicht sattsehen konnte. Ich nahm sie zum ersten Mal als ein Ganzes wahr, als die Sonne an einem Freitag im Mai durch die hohen Fenster hereinfiel und eine kupferne Glut ihre Haare aufleuchten ließ. Als sie das Licht, das auf ihren Kopf fiel, flüchtig berührte, sah ich, wie ihre rosigen Fingernägel glänzten, und im Gegenlicht zeichneten sich ein paar rührend kurze Achselhärchen ab. Mich überfiel ein begieriges Verlangen nach etwas, das ich noch nicht kannte. Etwas irgendwo zwischen Geburtstagsglück und Beerdigungstrauer, ein entscheidender Moment, in dem die ganze unbegreifliche Welt zu stimmen schien. Ich behielt meine Erfahrung wohlweislich für mich. Mit unzureichenden Worten darüber zu sprechen, würde mir bei meinen Freunden bloß Hohn und Spott eintragen.

Einen Tag später fragte ich sie, ob sie mit mir gehen wolle. So einfach ging das noch zu der Zeit. "Liebe Rebecca, willst du mit mir gehen? Peter", schrieb ich auf ein liniertes Blatt Papier. Neben meinen Namen malte ich mit Filzstift ein rotes Herzchen, von einem Pfeil durchbohrt. Heimlich gab ich es ihr beim Fahrradschuppen und erhielt noch am selben Tag in der Mittagspause ihre Antwort. Ja. Mit einem orangen Herz - ohne Pfeil.

Ich hatte unsere Verbindung noch ein wenig geheim halten wollen, aber schon im Laufe der nächsten Pause wusste die ganze Klasse Bescheid. Die Etikette der Mädchen verlangte, dass Verlobungen sofort bekannt gegeben wurden.

Wir machten gar nichts Besonderes zusammen, trafen uns nicht öfter als sonst und trauten uns kaum einander anzusprechen. Und dennoch war diese Verliebtheit so heftig und denkwürdig, dass sie von keiner anderen jemals übertroffen wurde. In der Nähe des anderen liefen wir rot an, tauschten einen Radiergummi gegen einen Spitzer, schrieben "I love U 4ever" auf kleine Zettel und uns einmal sogar gegenseitig auf unsere Unterarme, auf die glatte, haarlose Seite. Beim Zusammenstellen der Brennballmannschaften wählten wir einander als Erste. Wenn die Jungen uns triezten und uns zwingen wollten, uns vor aller Augen zu küssen, liefen wir beide erhobenen Hauptes in entgegengesetzte Richtungen.

Wenn ich sie nach der Schule nicht sah, wurde das Verlangen stärker, als wenn sie in Reichweite und berührbar vor mir saß. Nachts, in meinem Jungenbett, rutschte ich bis an die Wand und stellte mir vor, dass Rebecca nackt neben mir läge und ich ihre kleinen Brüste mit meinen Händen bedeckte. Ich spürte, wie ihre Fingerspitzen behutsam die Linie meiner Augenbrauen nachzeichneten, während sie mir zuflüsterte, sie werde immer, immer bei mir bleiben. Ich stellte mir vor, wir lägen Haut an Haut in den Dünen, von glühenden Sandkörnchen paniert. Dass ich ih

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