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Weites Land der Hoffnung von Wynne, Karen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.02.2016
  • Verlag: LYX
eBook (ePUB)
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Weites Land der Hoffnung

New York, Ende des 19. Jahrhunderts: Sarah Mayfield, Tochter eines millionenschweren Unternehmers, soll gegen ihren Willen verheiratet werden. Nachdem ihr Verlobter sie vergewaltigt und ihre Eltern sie aus dem Haus geworfen haben, entdeckt sie zufällig eine Zeitungsanzeige von Joseph Rankin aus Wyoming, der eine Frau zum Heiraten und als Unterstützung auf seiner Ranch sucht. Sarah sieht ihre Chance gekommen, den starren Konventionen der New Yorker Gesellschaft zu entfliehen und reist auf Einladung von Joseph nach Wyoming. Doch das Leben im Westen ist schwieriger und rauer, als Sarah es sich je hätte vorstellen können - Karen Wynne wurde in Frankfurt am Main geboren, verbringt aber die Hälfte des Jahres in den USA und hat den amerikanischen Westen zu ihrer Wahlheimat gemacht. Bis heute ist sie von der Weite des Landes und ihren interessanten Menschen fasziniert. Unter einem Pseudonym hat sie bereits zahlreiche Bestseller geschrieben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 04.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783736300385
    Verlag: LYX
    Größe: 862 kBytes
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Weites Land der Hoffnung

1

Wie jeden Samstagabend trug Sarah eines ihrer schönsten Kleider, als sie die geschwungene Treppe in den Salon hinabstieg und ihre Eltern begrüßte. Das cremefarbene Chiffonkleid mit den aufgestickten Schmetterlingen, das sie erst vor einer Woche bei Lord & Taylor gekauft hatte, betonte ihre schlanke Taille und bot einen angenehmen Kontrast zu den getäfelten Wänden und dem weinroten Teppich im Salon. Ihre schulterlangen blonden Haare hatte sie mit einem Kamm und einigen Nadeln zu einem Knoten hochgesteckt. Ihr Gesicht trug einen Hauch der für sie hergestellten Creme und wirkte im Lichtschein des elektrischen Kronleuchters so alabasterfarben, wie es ihr Vater mochte. Ihre ausdrucksvollen Augen leuchteten, auch ohne dass sie lächelte, ein Erbe ihrer Mutter, die ihre natürliche Ausstrahlung in der Ehe mit ihrem strengen Gatten aber längst verloren hatte und kaum noch lächelte.

"Du kommst spät, Sarah", sagte ihr Vater, ein kräftiger Mann mit dem misstrauischen Blick und den harten Gesichtszügen eines erfolgreichen Geschäftsmannes, der dafür bekannt war, dass er noch um winzige Dollarbeträge feilschte. "Disziplin und Pünktlichkeit, diese beiden Tugenden helfen auch einer jungen Frau wie dir, sich im Leben zurechtzufinden." Er strich einen Fussel vom Revers seines Gehrocks, zog seine Taschenuhr hervor und warf einen Blick darauf. "Und vergiss bitte nicht, dass ich heute noch mit dir reden will. Nach dem Dinner."

An der Art, wie sich ihre Mutter plötzlich abwandte und verschämt zu Boden sah, erkannte sie, dass es sich um etwas Ernstes handeln musste. Wahrscheinlich ihre Zukunft - wieder einmal. Sie war von einem Privatlehrer unterrichtet worden, hatte Tanzen, Reiten und sogar Tennisspielen gelernt, spielte leidlich Klavier, doch ihren innigsten Wunsch, auf ein College zu gehen und zu studieren, hatte ihr Vater ihr nie erfüllt. "Für eine Frau deines Standes ziemt es sich nicht, einen Beruf auszuüben", hatte er geantwortet, "du solltest heiraten, Kinder bekommen und dich in der Gesellschaft engagieren wie deine Mutter."

Aber beim Dinner, so verlangte es die Etikette, wurde nicht über Probleme gesprochen. Man unterhielt sich über belanglose Themen wie das Wetter, das in New York meist zu wünschen übrig ließ, auch wenn der Frühling diesmal früher als gewöhnlich begonnen hatte und im Central Park die ersten Blumen blühten. Ihr Vater legte großen Wert auf höfliche und von der europäischen Aristokratie überlieferte Umgangsformen, besonders beim samstäglichen Abendessen, das beinahe genauso formell ablief wie eine feierliche Dinnerparty mit angesehenen Gästen. Er blickte sie schon vorwurfsvoll an, wenn sie das Gemüse mit dem Messer statt mit der Gabel zerteilte, oder die Gabel mit den Zinken nach oben zum Mund führte. Und wenn sie das Wort erhob, ohne ihn vorher mit einem fragenden Blick um Erlaubnis zu bitten, wies er sie zurecht. Der sich lautlos über den dicken Teppich bewegende Diener nannte jede Speise beim Namen, während er sie servierte, und wusste auch den passenden Wein zu bestimmen. Sarah beließ es bei kühlem Quellwasser und nahm nur zum Nachtisch ein Gläschen Malagawein.

An diese Rituale hatte sie sich längst gewöhnt, empfand einige sogar als angenehm, weil sie einem halfen, die Anforderungen der besseren Gesellschaft zu erfüllen, und sie es liebte, sich zu formellen Anlässen in hübschen Kleidern zu zeigen. Auch hatte sie nichts gegen eine Ehe und Kinder und nahm gern ihre gesellschaftlichen Verpflichtungen wahr, doch in stillen Stunden, wenn sie allein in ihrem Bett lag, träumte sie manchmal von den ungeahnten Möglichkeiten, die ihr als gebildeter Frau offenstehen würden, wenn es ihr möglich wäre, das enge Korsett abzustreifen.

Nach dem Dinner kehrten sie in den Salon zurück. Ihr Vater bat sie, auf einem der mit weinrotem Samt bezogenen Sessel Platz zu nehmen. Als ihre Mutter den Raum verlassen wollte, hielt er sie zurück. "Ich will, dass du dabe

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