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Welt aus Glas von Händler, Ernst-Wilhelm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.08.2009
  • Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
eBook (PDF)
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Welt aus Glas

Jillian und Jacob Armacost betreiben die größte Galerie für Glaskunst New Yorks. Dabei sind sie ein denkbar ungleiches Paar: Während Jillian seit einem Kindheitserlebnis eine Passion für die Blütenlampen von Tiffany hat und mit Mitte Zwanzig bereits eine führende Expertin für Glas ist, treibt der fast dreißig Jahre ältere Frauenheld Jacob die Galerie mit einem absurden Kauf um ein Haar in den Ruin. Jillian trifft eine Entscheidung: Sie wird sich von Jacob trennen. Zuvor aber muss sie die Zukunft der Galerie sichern. Eine äußerst wertvolle Sammlung von Glasvasen in Italien erscheint als die letzte Rettung; ohne einen Moment zu zögern, reist sie nach Europa. Jacob, der nichts von ihren Plänen ahnt, ist unterdessen mit einer Kundin aus den besten Kreisen New Yorks an der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze unterwegs, um auf seine Weise wieder an Geld zu kommen. Zur gleichen Zeit, als Jillian in Mailand und Venedig ihren größten Coup landet, wird Jacob in Mexiko entführt. Jillian und Jacob haben ihre Schicksale dem Glas anvertraut. Jillian spekuliert auf die Ewigkeit, Jacob auf ein intensives Jetzt. Durchsichtig und doch unnahbar, lebendig und doch unbewegt ist die Welt aus Glas. Sie bedeutet viel Geld für den, der erkennt, was er sieht. Doch besitzt der einzelne Mensch in einer Welt aus Glas noch eine Seele? Wilde Verfolgungsjagden durch die Straßen von Tijuana und erotische Eskapaden in San Diego und Venedig treiben die Handlung voran. Im neuen großen Roman von Ernst-Wilhelm Händler ergänzen sich 'action' und 'reflection' auf außerordentliche und spannende Weise. 'Ernst-Wilhelm Händler vollzieht in seinem raffinierten Roman nichts Geringeres als die feindliche Übernahme der deutschen Gegenwartsliteratur... Und Händler führt mit fast beängstigender Virtuosität vor, dass neben dem Geld noch ein weiteres, unbegrenzt vielseitiges Universalmedium existiert: die Sprache.' Frankfurter Allgemeine Zeitung über 'Wenn wir sterben'Stadt mit Häusern', sowie die Romane 'Kongreß', 'Fall', und 'Sturm', den die Kritik als 'wirklichkeitshaltigsten Roman der deutschen Gegenwartsliteratur dieses Jahrzehnts' bezeichnete. Dessen Nachfolger 'Wenn wir sterben' wurde von der Jury der SWR-Bestenliste zum besten Buch des Jahres 2003 gewählt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 608
    Erscheinungsdatum: 24.08.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783627010270
    Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
    Größe: 1575 kBytes
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Welt aus Glas

Eine Flora im Dunkeln

Jillian Armacost war sich sicher gewesen: Der Anruf der Unbekannten, die ihr eine große Sammlung von Martinuzzi-Gläsern in Mailand anbot, bedeutete die Rettung. Sofort hatte sie sich ins Flugzeug gesetzt.

Vasen in Amphorenform säumten den Eingang zu der Höhle: zuerst die Anfora pulegosa Vittoriale in Grün und Braun, eine ausladende Vase mit fünf rippenförmigen Henkeln übereinander auf jeder Seite. Dann eine fast zwanzig Zoll hohe schmale grüne Amphore mit weit vom Hals weggezogenen Henkeln, die am Korpus schlangenförmig ausliefen, eine eiförmige Amphore mit kurzen runden Henkeln am Hals und eine Vase, deren Korpus mit dem der Vittoriale identisch war und die zwei kleine rippenförmige Henkel sowie quadratische Applikationen hatte. Jillian wußte, die Vittoriale wurde so genannt, weil sich in der Stanza della Zambracca im Vittoriale, der Villa des Dichters Gabriele d'Annunzio am Gardasee, ein gleichartiges Exemplar befand. Napoleone Martinuzzi hatte diese Vasen Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre für Venini entworfen. Sie bestanden aus Vetro pulegoso, einer schaumartigen Glaspaste mit zahlreichen unregelmäßigen kleinen Luftbläschen. An den Mündungen der Amphoren, an den Henkeln und am Sockel waren im Glas hauchdünne Goldfolien aufgelöst, die Oberfläche irisierte.

Die Besitzerin der Sammlung ging voran, Jillian folgte ihr mit vorsichtigen Schritten.

Cindi Prescott gab an einer High school in Brooklyn Computerkurse. Ihre Großmutter war Italienerin gewesen. Von der Schwester der Großmutter hatte sie eine große Wohnung in dem Ende der zwanziger Jahre erbauten Eckhaus am Corso Buenos Aires im Zentrum Mailands geerbt. Die kinderlose Großtante stammte aus Mailand, hatte nach Turin geheiratet und war nach dem Tod ihres Mannes wieder nach Mailand gezogen.

Die Wohnung und sämtliche Einrichtungsgegenstände der Tante waren bereits verkauft. Bis vor wenigen Tagen hatte Cindi Prescott keine Kenntnis von der Existenz der Glassammlung gehabt. Erst der Pächter des Ladenlokals im Haus, er war im Alter der Tante, machte sie darauf aufmerksam, daß zu der Wohnung der Tante auch ein Raum gehörte, der unter dem eigentlichen Keller lag. Die Erbin hatte die Tante nicht öfter als drei- oder viermal gesehen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Wohnung und des Glasschatzes konnte die Lehrerin ihr Lehrerinnendasein beenden.

In der Mitte eines am Boden und an den Wänden mit einem beigefarbenen Mosaik verkleideten Kellerraums führte eine schmale steile Treppe zu dem Raum darunter. Als Jillian in den Rahmen aus sehr alten grünen Kacheln gestiegen war, der die Bodenöffnung mit der Treppe umgab, hatte sie das Gefühl gehabt, in eine andere Zeit einzutauchen.

Die Höhle schien aus Stein herausgehauen, man lief auf Felsboden. Am Eingang standen Wachskerzen in Wandvertiefungen, der Hauptraum wurde durch mannshohe Kerzenleuchter erhellt. Wenn die Höhle eine Dekoration war, dann eine sehr gelungene.

Vor einer auf dem Boden liegenden Kirchenkanzel sah sie weitere Pulegosi in Dunkelgrün und Schwarz mit schlangenförmigen Griffen, blaue Pulegosi mit runden und glatten Henkeln und eine prächtige hohe Vase in Pokalform mit abwechselnd gestreckten und sich ringelnden goldgesprenkelten Schlangen. Um einen mit rotem Samt überzogenen geschnitzten Sessel standen zahlreiche Vasen aus Vetro velato, das war mattes Glas, mit einer dünnen Schicht durchsichtigen glänzenden Glases überfangen, und aus Pasta vitrea, das war mattes, nicht überfangenes Glas. Das flackernde Kerzenlicht fiel auf rote Vasen, auf schwarze Vasen mit rotgeränderten Mündungen und Sockeln sowie roten Henkeln und auf Vasen in Grau- und Blautönen mit Blättern als Applikationen. Noch nie zuvor hatte Jillian Armacost eine größere und schönere Sammlung von Martinuzzi-Gläsern gesehen.

"Wie war Ihr Flug?"

Angesichts der überwältigenden Sammlung war Jillian nicht nach Konversation.

"Nopgrade. Aber ich

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