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Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen von Bayer, Xaver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2013
  • Verlag: Jung und Jung Verlag
eBook (ePUB)
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Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen

Eine Reise von da nach dort, ins Ich und die Welt. Ein Abenteuer von lakonischer Schönheit. Schauen und Denken, das ist der Anfang aller Literatur. Warum also nicht noch einmal zurückkehren zu diesem Anfang? In aller Ursprünglichkeit noch einmal schauen, denken, sich erinnern? Am Flughafen von Brüssel beginnt Xaver Bayers Reise in den Kontinent namens Ich. Von anderen Weltgegenden ist bald die Rede, von einer seltsamen Nähe des Fremden und einer ungemütlichen Fremdheit des Nahen. 'Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen' handelt von Physik und Metaphysik. Aus einem Fleck am Tresen des Flughafenrestaurants wachsen Assoziationen, aus chinesischen Feuerwerken oder dem Klang einer mechanischen Nachtigall des 19. Jahrhunderts. Weit verästelt ist der Strom des Bewusstseins, den Xaver Bayer scheinbar absichtslos in den Lauf seiner genauen Sprache bringt. Einen Punkt gibt es erst am Ende dieser magischen Prosa. Es zeigt sich, was der mit dem Hermann-Lenz-Preis ausgezeichnete österreichische Schriftsteller kann: Die Welt in einem Satz durchqueren.

Xaver Bayer geboren 1977 in Wien, wo er auch lebt. Studium der Philosophie und Germanistik. 2002 Hermann-Lenz- Stipendium 2004 Reinhard-Priessnitz-Preis 2005 Förderungspreis für Literatur 2008 Hermann-Lenz- Preis 2011 Förderpreis Literatur Stadt Wien

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 120
    Erscheinungsdatum: 17.06.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990271124
    Verlag: Jung und Jung Verlag
    Größe: 1171 kBytes
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Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen

Moment höre ich von irgendwo hinter mir die Begrüßungssignation des Windows-Programms, und das ruft mir Brian Eno ins Gedächtnis und weiter David Bowie und weiter die Konzertszene aus dem Christiane F.-Film und Berlin, und ich strecke meinen Rücken durch, weil ich mich verspannt fühle, und dabei drehe ich mich halb um, sehe einen typischen Business-Menschen sich in sein Netbook vertiefen, entdecke zwei Tische von mir entfernt eine attraktive junge Frau, denke wie automatisch Die schöne Unbekannte , die jedoch schlagartig ihren Reiz verliert, als sie zuerst ihr Handy hervorholt und auf den Tasten herumdrückt und sich dann ihre I-Pod-Stöpsel in die Ohren steckt, und gleich darauf merke ich, dass das Bier mich durstig gemacht hat, also hebe ich die Hand zum Kellner, und er sieht mich sofort und kommt an meinen Tisch, ich bestelle ein Mineralwasser, und während ich bestelle, passiert es, dass ich mir selbst dabei zuhöre und in meinen Ohren wie ein schlechter Schauspieler aus einer Seifenoper klinge, und das, was der Kellner antwortet, kommt mir wie aus einem einfallslosen Drehbuch vor, und nachdem er sich entfernt hat, denke ich darüber nach, dass ich mir oft, während jemand mit mir spricht, das Gesprochene zeitgleich als Geschriebenes vorstelle, und ebenso das, was ich sage, bevor ich es ausspreche, als abzulesende Lettern und Worte imaginiere, und wenn ich mich mit jemandem in meiner Muttersprache unterhalte, passiert es mir auch oft, dass ich mich fühle, als würde ich in einer Fremdsprache sprechen, in der ich mir die Wörter vor der Verlautbarung erst in meinem Kopf übersetzen und mir die Vokabel stockend zusammenklauben muss, und ich frage mich, ob daher meine Langsamkeit und Begriffsstutzigkeit rühren, und meine oftmaligen Schwierigkeiten, die simpelsten Redewendungen zu finden, und ich denke darüber nach, dass ich seit jeher das ängstliche Gefühl habe, einer zu sein, dem, sobald er zu sprechen anhebt, nicht zugehört wird, und ich erinnere mich, dass ich als Jugendlicher als erste Reaktion auf diese Angst versuchte, schneller zu sprechen, wie um meine Umgebung durch die Geschwindigkeit des Gesagten von seiner Wichtigkeit zu überzeugen, aber auch das brachte keinen Erfolg, denn meine Geschichten hatten selten eine Pointe, wenn also alle ungeduldig werden, da ich nur den Mund aufmache, so dachte ich mir, dann stimmt ja wohl tatsächlich etwas nicht mit mir und mit dem, was ich von mir gebe, und in diesem Moment serviert mir der Kellner das Bestellte, und von hinten höre ich das tockende Signal nach dem Empfang einer Textnachricht, vielleicht vom Handy der unbekannten Schönen, und es rührt mich ein wenig, wenn ich mir vorstelle, wie sie genau diesen Signalton aus der Liste der werkseigenen Audiooptionen ihres Handys ausgesucht hat, mich rührt daran der von mir ausgemalte Augenblick, in dem sie sich dazu entschloss, diesen und keinen anderen Ton zu nehmen, weil er ihr gefiel, aber vielleicht hat sie auch nie etwas an ihren Einstellungen geändert und der Signalton war von Anfang an da, ein anderes Telefon läutet in der Nähe, als Klingelton ist der Tarzanschrei zu hören und es steigen mir plötzlich fast Tränen in die Augen, und ich frage mich warum, ob das nur eine bierselige Sentimentalität ist oder ob etwas anderes dahintersteckt, das mir unklar bleibt, und ich lenke meinen Blick auf den Duty-free-Shop in der am weitesten entfernten Ecke der Halle und schaue mir die Hinein- und Hinausgehenden an, aber wieder kommt mir auf einmal vor, als würde ich nicht recht sehen, als wäre mein Schauen kein Schauen, sondern bloß eine neutrale Schicht des Nichterkennens zwischen mir und dem zu Erkennenden, nein, als wären dieses Neutrale in mir und die Begriffsunfähigkeit die Folge davon, und ich frage mich, woher das stammt,

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