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Wenn ich bei dir bin Roman von Ullmann, Linn (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.06.2014
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Wenn ich bei dir bin

In Oslo, in einer warmen Sommernacht tanzen Martin und Stella auf dem Dach eines neunstöckigen Hauses, fordern sich gegenseitig heraus, balancieren auf der Kante. Kurz liegen sie sich in den Armen, dann fällt Stella - hat ihr Mann versucht, sie zu halten, oder hat er sie gestoßen? Aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt Linn Ullmann die Geschichte der rätselhaften Stella, lässt Augenzeugen, Stellas Töchter, einen alten Freund und die ermittelnde Polizistin zu Wort kommen und flicht Träume, Erinnerungen und Legenden mit ein in diesen magischen Roman über die Liebe und das Leben.

Linn Ullmann wurde 1966 in Oslo geboren. Sie studierte Englische Literatur an der New York University und kehrte nach zehn Jahren 1990 nach Oslo zurück, wo sie sich als Literaturkritikerin und Kolumnistin bei den norwegischen Zeitungen 'Dagbladet' und 'Aftenposten' einen Namen machte. Seit 1998 veröffentlichte Linn Ullmann mehrere Romane, die sowohl von den Kritikern als auch den Lesern gefeiert wurden und in 30 Sprachen übersetzt wurden. Linn Ullmann lebt mit Mann und Kindern in Oslo.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 09.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641131678
    Verlag: btb
    Originaltitel: Når jeg er hos deg
    Größe: 450kBytes
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Wenn ich bei dir bin

CORINNE

Neulich nachts in der Straßenbahn fiel mein Blick plötzlich auf einen Mann, den ich zu kennen glaubte. Er saß ganz still ein paar Sitze vor mir und sah aus dem Fenster. Draußen gab es nicht viel zu sehen, die Straßen waren menschenleer, es war dunkel und nasskalt, nur gelegentlich rauschte ein Auto vorbei. Keine Fußgänger. Nur abwechselnd Schnee und Regen und das weiße, feuchte Licht der Straßenlaternen.

Zuerst sah ich ihn von hinten: Er trug eine braune Lederjacke, seine Haare waren dicht und schwarz, ein schöner Mann, dachte ich, einer, der aufrecht geht, ohne zu straucheln. Einen Augenblick lang glaubte ich, auf dem Sitz neben ihm säße ein kleines, rot gekleidetes Mädchen, aber dann schüttelte ich den Kopf über mich selbst. Hier war kein Kind. Das fehlte noch, bei diesem Wetter und zu dieser Tageszeit. In der Straßenbahn waren nur er und ich, und der Fahrer natürlich. Der Mann stand auf und ging zur vorderen Tür. Wir näherten uns einer Haltestelle.

"Martin Vold", rief ich leise. "Sind Sie es?"

Der Mann drehte sich um. Es war ein fremdes Gesicht. Ich sah zwei kleine, grüne Augen und eine Narbe auf dem Kinn.

"Sie irren sich", sagte er, als die Türen aufgingen. "Ich bin es nicht."

"Nein", sagte ich, "Sie sind es nicht. Trotzdem gute Nacht, und rutschen Sie auf dem Bürgersteig nicht aus. Es ist glatt draußen."

"Danke gleichfalls", sagte der Mann, "und auch Ihnen gute Nacht."

Es ist noch kein halbes Jahr her, dass ich mit ihm zu tun hatte. Es war Anfang September letzten Jahres. Am Abend vor Stellas Beerdigung besuchte ich ihn in seinem Haus im Hamborgveien im Stadtteil Damefallene, setzte mich an den großen dunkelbraunen Esstisch im Wohnzimmer und verbrachte dort die Nacht mit ihm. Er bat mich, leise zu sprechen, damit wir die Kinder nicht weckten. Und dann saßen wir da. Er redete die meiste Zeit, und ich stellte Fragen. Das kann ich gut: Fragen stellen. Während wir da saßen, kam es mir so vor, als würden wir zusammen eine Geschichte schreiben, er und ich, und dass mir die eigentliche Geschichte, das, was wirklich vorgefallen war, darüber regelrecht entglitt. Dergleichen bin ich in meinem Beruf gewöhnt – dass Geschichten entgleiten, meine ich –, dennoch ist und bleibt es eine Niederlage. Ich sehe, ich lausche, ich spüre, ich weiß. Aber ich habe keine Macht über das, was passiert. Ich verhindere keine Tragödien.

Wo soll ich anfangen? Jener Mord, wenn es denn ein Mord war, ereignete sich am 27. August des Jahres 2000. Aber ich fange mit der Fußnote an, dem historischen Hintergrund, wenn Sie so wollen:

Am 23. Februar 1934 trifft einen zweiunddreißig Jahre alten Mann der Tod, als er vom Dach eines Häuserblocks am Frogner Platz in Oslo fällt. Er ist ein beliebter, schöner und begabter Schauspieler, der das Leben noch vor sich hat, der es liebt, im ersten Obergeschoss des Continentals zur Melodie des Reitermarsches Die Reise nach Jerusalem zu spielen, und der beschließt, sein Leben auf diese Weise zu beenden. Vier Tage später schreibt Johan Peter Bull, Dramaturg am Nationaltheater und Theatersekretär, in sein Tagebuch, er befürchte Unruhen bei der Abendvorstellung von Wenn wir Toten erwachen. Es kursieren Gerüchte über ein geplantes Pfeifkonzert, eine Demonstration gegen eine der unwiderstehlichen Schauspielerinnen des Nationaltheaters, die zur Zeit großen Erfolg in der Rolle der Irene hat. Manche sind der Meinung, dass die Schauspielerin ein Teil der Schuld am Tod ihres jungen Kollegen trifft, da die be

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