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Wenn nicht, dann jetzt Roman von Rai, Edgar (eBook)

  • Verlag: Aufbau Verlag
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Wenn nicht, dann jetzt

Das ist kein normaler Urlaub. Das ist eine letzte Chance! Jan Bechstein ist in der Midlife-Crisis. Als Vater einer sechzehnjährigen Tochter ist er ein Versager und als Ehemann eine Vollniete. Das liegt weder an seiner Intelligenz noch an seinem Charme, das liegt einzig und allein daran, dass er die Frau, die er bis heute liebt, vor fünfzehn Jahren hat sitzen lassen: Sergeja. Musikerin (zweites Waldhorn) und Mutter der gemeinsamen Tochter Mia. So richtig hat Jan nie begriffen, was ihn damals geritten hat, und jetzt will Sergeja wieder heiraten. Einen anderen. Und zwar in dem kleinen slowenischen Dorf, in dem damals auch sie sich das Jawort gegeben haben. Ist es zu spät? Auf nach Süden! Dorthin, wo alles begann. Ein liebevoll chaotischer Beziehungsroman mit viel Witz, Herz und Himmelsbläue - ideale Urlaubslektüre! Edgar Rai, 1967 geboren, hat Musikwissenschaften und Anglistik studiert. Nach und neben diversen Jobs seit 2000 freier Schriftsteller. Seit 2012 ist er Mitinhaber der Buchhandlung Uslar & Rai in Berlin.Von ihm sind als Aufbau Taschenbücher lieferbar: "Nächsten Sommer", "Sonnenwende", "Wenn nicht, dann jetzt" sowie "Homer für Eilige". Mehr Informationen zum Autor unter www.edgarrai.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 240
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841203946
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 3121 kBytes
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Wenn nicht, dann jetzt

1

Mit geschlossenen Augen wartete Jan, bis der letzte Akkord verklungen war. Was erstaunlich lange dauerte. Wann immer er glaubte, die Stimmen der Instrumente hätten sich verflüchtigt, kreisten doch jedesmal noch Reste von ihnen um die Kronleuchter. Er versuchte, Sergeja herauszuhören - Waldhorn -, doch darin war er nie besonders gut gewesen.

Stille. Wie in einem Sarg.

Dann klickte der Taktstock auf die Oberkante des Notenpults. Der Zauber war verflogen. Jan öffnete die Augen. Außer ihm und den beiden Technikern vorn im Parkett saß niemand im Zuschauerraum.

"Ladies and Gentlemen", hörte er ein heiseres Krächzen, "I think we will have a short intermission."

Jan hatte sich in die vorletzte Reihe gesetzt, dritter Platz von links. Das hatte den unbestreitbaren Vorteil, dass Sergeja den gesamten Mittelgang entlangschweben musste, um zu ihm zu gelangen. Ein großartiges Schauspiel. Wie damals. Dieses Schwebeding hatte sie echt drauf. Unter Tausenden hätte Jan diesen Gang erkannt. Die Bühnenbeleuchtung malte einen Strahlenkranz um ihren Kopf wie ihn Bernini nicht besser hinbekommen hätte, und ihre Bluse hing nicht an ihr, sie umgab Sergeja. An Jan schwebte schon lange nichts mehr. Falls ihn etwas umgab, dann war es Wehmut. Und die zog nach unten, ordentlich.

Sergeja setzte sich neben ihn, vielmehr faltete sie elegant ihr linkes Bein und ließ sich darauf nieder, bettete ihre Handtasche in den Schoß, stützte den Ellenbogen auf die Rücklehne und drehte Jan ihren Oberkörper zu. Bis zu diesem Moment hatte er noch geglaubt, Herr der Situation zu sein. Doch dann streifte ihn Sergejas Duft und katapultierte ihn fünf Monate in die Vergangenheit zurück. An diesem Tag, dem 14. Februar, hatte sie mit ihrem Orchester in Frankfurt gastiert. Anschließend waren Jan und sie essen gegangen. Und bei dieser Gelegenheit hatte Jan sich unsterblich in die Frau verliebt, die er fünfzehn Jahre zuvor hatte sitzenlassen.

"Ich dachte, wir hätten uns drüben im Café verabredet?", sagte sie jetzt.

"Ich wollte dich spielen hören."

"Seit wann magst du Mozart?"

Mozart. Hätte er sich denken können. Wann immer Jan etwas nicht kannte, aber sicher war, es schon tausendmal gehört zu haben, war es Mozart. "Mozart nervt", sagte er. "Um auf den zu stehen, muss man zumindest in Österreich geboren sein. Und selbst das ist keine Garantie."

Sergeja schenkte ihm ein Lächeln: " Ich mag Mozart, und ich bin in Slowenien geboren."

"Hat ja auch lange genug zu Österreich gehört."

"Bis 1918", erwiderte sie.

Sie wollte recht haben. Jan hätte vor Glück am liebsten irgendetwas Blödes gemacht. Er liebte es, wenn sie rechthaberisch war. Es fühlte sich an, als wären sie seit hundert Jahren ein Paar und hätten sich noch immer etwas zu sagen. "Einmal k. u. k., immer k. u. k.", entgegnete er.

Sie blickte ihn an und bereitete den Todestoß vor. "Und trotzdem wolltest du mich spielen hören."

Er antwortete nicht. Sergeja wusste es sowieso, alles. Dass er hier saß war bereits eine Kapitulationserklärung.

Sie war barmherzig genug, das Thema zu wechseln: "Sind die etwa für mich?"

Der Blumenstrauß, der den Stuhl neben Jan einnahm, war so groß, dass es eigentlich keine Erklärung dafür gab, weshalb Sergeja ihn erst jetzt bemerkte.

Umständlich entfernte Jan die Folie. Das Geknister war bis auf den zweiten Rang zu hören. Auf der Bühne drehten sich ihnen Köpfe zu. "Ich dachte, du magst weiße Rosen ..."

"Du weißt genau, dass weiße Rosen meine Lieblingsblumen sind."

Sergeja warf einen schnellen Blick zur Bühne und legte eilig den Strauß auf den benachbarten Stuhl. Die Blüten ragten über die Sitzfläche und ließen ermattet die Köpfe hängen. "Du solltest mir keine Blumen schenken", erklärte sie.

"Nicht der Rede wert", wehrte Jan ab.

"Wirklich", ihre Stimme spannte sich wie eine Violinsaite, "du solltest mir keine Blumen schenken."

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