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Westdämmerung Die Geschichte eines Untergangs von Schultze, Christian Friedrich (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
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Westdämmerung

Im dritten Band der Generationentrilogie schildert der Autors das Leben seines Protagonisten Martin Wauer von der Wiedervereinigung Deutschlands an bis zu dessen Tod im Jahr 2017. Schultzes Held erlebt nach dem Wiederaufbau der maroden ostdeutschen Bundesländer und den Anschlägen des 9/11 von New York nun die 'Dämmerung' der 'westlichen Wertegemeinschaft' mit Korruption, Terror, Krieg, Finanz- und Migrationskrise. So wie der Westen durch den Krebs des 'Mammonismus', stirbt auch Wauer an dieser todbringenden Krankheit. Wie Oscar Spengler glaubt Schultze an den unausweichlichen 'Untergang des Abendlandes'. Dieses Buch ist ein 'Muss' für alle, die an den Hintergründen der aktuellen Menschheitsgeschichte interessiert sind. Christian F. Schultze wurde am 1944 als Sohn eines Pfarrers in Sachsen geboren. Nach einer Tischlerlehre qualifizierte er sich zum Ingenieur und zum Juristen. Im Herbst 1989 war er an der friedlichen Revolution beteiligt und gehörte für kurze Zeit der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR und dem Deutschen Bundestag an. Nach dem Beitritt der DDR zur BRD zog sich Schultze wieder aus der Politik zurück und arbeitete als Rechtsanwalt in Ebersbach/Sa. und Zittau, zuletzt in Dresden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 352
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783742795939
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 767 kBytes
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Westdämmerung

Freiheiten

1.

Wauer versuchte die Freiheiten, die nun durch die ostdeutschen Lande rauschten, so weit wie möglich in die Tat umzusetzen.

Da war die Redefreiheit, die er schon in der kurzen Zeit, in der er in der Volkskammer und im Bundestag tätig gewesen war, allerdings in sehr modifizierter Form, genossen hatte. Und die Koalitionsfreiheit, die sie sich bei der Gründung der Ost-SDP im Oktober 1989 einfach genommen hatten, ebenso, wie die Versammlungsfreiheit. Selbstverständlichkeiten für die Westdeutschen Brüder und Schwestern; welche in der Verfassung der DDR übrigens ebenso garantiert gewesen waren, wie im westdeutschen Grundgesetz. Nur hatte in den vierzig Jahren der sowjetischen Besatzungszeit niemand ausprobiert, ob man sie auch verwirklichen konnte. Erst als Gorbatschow Glasnost und Perestrojka verkündet und damit klar gemacht hatte, dass die Sowjetunion das Honecker-Regime nicht mehr stützen würde, war im Herbst 1989 die Probe aufs Exempel möglich geworden. Und deshalb spürte er die Wirklichkeit dieser Freiheiten jetzt beinahe körperlich.

Wenn er es aber recht bedachte, war seine Rede- und Koalitionsfreiheit bereits im Bonner Wasserwerk erneut begrenzt worden. Weder in den Fraktionssitzungen, noch in den zwei einzigen Reden, die er dort vor dem höchsten deutschen Plenum halten musste, hatte er wirklich öffentlich sagen können, was seine tatsächliche Überzeugung zum Thema gewesen war. Es waren Rücksichten zu nehmen und Taktiken zu beachten! Und auch im freien Westen war "political correctness" einzuhalten!

Wenn er etwas richtig fand, was die Christdemokraten oder die PDS-Linken einbrachten, durfte er das nicht verteidigen, geschweige denn, mit ihnen gemeinsam abstimmen. Da war Fraktionseinheit geboten! Das konnte man vielleicht nicht direkt Fraktionszwang nennen, doch Wauer spürte den Gruppendruck deutlich und musste sogar einsehen, dass es anders auch schwierig würde. Dennoch störte ihn diese Art der freiwilligen Selbstzensur, die er auf noch wesentlich unangenehmere Weise aus der DDR-Zeit kannte, wo jedermann das Orwellsche "Zwiesprech" gut beherrschen gelernt hatte.

Das Gleiche setzte sich im Kreistag fort. Hier war es insofern schlimmer, als die Kreisräte formalrechtlich gar keine echte Legislative bildeten, sondern Mitglieder der Kreisverwaltung darstellten. Zwar war es hier einfacher, einen freien Redebeitrag zu einem der vorwiegend lokalpolitischen Probleme abzugeben, aber die Macht, die Verwaltung zur offenen Darlegung ihrer Vorhaben oder zur Öffnung ihrer Verträge und Protokolle zu zwingen, war in dieser Körperschaft noch eingeschränkter, als er das im Bundestag erlebt hatte. Daraus ergaben sich andauernde Auseinandersetzungen mit dem Landrat und seiner Verwaltung, bis hin zur Bemühung der Verwaltungsgerichtsbarkeit, die es inzwischen immerhin bereits gab.

So versuchte Wauer jetzt vor allem, seine Gewerbefreiheit zu genießen. Seine "Sachsenprojekt GmbH" entwickelte sich hervorragend. Bald musste er einen Bauleiter einstellen, welcher ihm die Arbeiten des Baucontrolling vor Ort abnehmen konnte. Das wiederum erforderte mehr Abstimmungsarbeit. Die Gewerbefreiheit erwies sich bald als eine ziemlich stressige Angelegenheit und irgendwie lief jetzt eben alles gänzlich anders, als in den volkseigenen Betrieben!

Aber die Reisefreiheit! Mit seinem neuen Pass und dem neuen Geld hätte Wauer sogar nach Nordkorea reisen können. So weit wollte er aber gar nicht. Und vor allem reichte seine Zeit dafür nicht aus. Länger als eine Woche konnte er sein Planungsbüro überhaupt nie alleine lassen. Dennoch hoffte er, die großen Träume seiner Jugend, die Besteigung des Matterhorns, einen Besuch der Insel Helgoland, auf der Hoffmann von Fallersleben das Deutschlandlied gedichtet hatte, und einen Besuch Roms, der ewigen Hauptstadt des Abendlandes, alsbald in die Tat umsetzen zu können.

Zunächst war, wie verabredet, ein Besuch seines Cousins und dessen Fam

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