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Wie ich in die Welt kam Erinnerungen eines Älteren von Olszewski, Frank von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.04.2015
  • Verlag: Verlag Neue Literatur
eBook (ePUB)
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Wie ich in die Welt kam

Leben ist ohne Wurzeln nicht denkbar. Wurzeln halten fest. Wurzeln zu erkunden, ist unerlässlich. Doch was, wenn die eigene Geschichte im Dunkeln liegt und kaum mehr erhellt werden kann? Frank von Olszewski weiß um ebenjene Bürde, wenn Herkunftsfragen unbeantwortet bleiben müssen und Erinnerungen immer mehr verblassen. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, galt er doch bereits zu seiner Geburt im Jahre 1945 als verschollen. Angetrieben von dieser Geschichte hat er sich nun zur Aufgabe gemacht, ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen, offenen Fragen seiner Kinder und Enkelkinder vorzubeugen und für sie wie auch für die vielen "Enkel" im Sinne von Menschen, die ebenso an der Vergangenheit interessiert sind, festzuhalten, was ihn und sein bisheriges Leben geprägt hat. "Wie ich in die Welt kam" schickt den Leser im ersten Teil auf eine Reise in die Zeit von 1945 bis 1970, von Olszewskis geliebter Heimatstadt Altenburg nach Eisenach, von der Brüderkirche auf die Wartburg. Diesen "Erinnerungen eines Älteren" lauscht man nur zu gern. Begleiten Sie ihn bei seinen ersten Schritten in die Welt der Nachkriegsjahre, folgen Sie ihm in seine Schulzeit vor dem prägenden politischen Hintergrund der damaligen DDR, werden Sie zum Besucher einer seiner Schlossführungen und seien Sie gespannt darauf, wie er sich von der Museologie über die Theologie schlussendlich zum Gesundheitswesen hinwendet. Frank von Olszewski wurde am 23. August 1945 in Altenburg geboren. Nach dem Besuch der Polytechnischen Oberstufe absolvierte er ein Studium an der Fachschule für Heimatmuseen der DDR in Weißenfels und auf Schloss Siebeneichen bei Meißen. Anschließend war von Olszewski als wissenschaftlicher Assistent auf Schloss Burgk tätig sowie als Führungsassistent bei der Eisenacher Wartburg-Stiftung angestellt, bevor er 1970 ins Gesundheitswesen wechselte. Vom Hilfskrankenpfleger des Eisenacher Kreiskrankenhauses entwickelte sich der Autor nun zum Ausbildungsdirektor des ehemaligen Rettungsamtes Berlin. Ab 1992 bekleidete er das Amt des Bezirksstadtrates für Gesundheit und Umwelt sowie des stellvertretenden Bezirksbürgermeisters des Berliner Bezirks Prenzlauer Berg, bis er 1999 gesundheitsbedingt ausscheiden musste. Nur ein Jahr später trat er in die Berliner Domgemeinde ein, absolvierte ein Theologiestudium und wurde Prädikant. Heute lebt er mit seiner Frau in Rostock.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 30.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945408278
    Verlag: Verlag Neue Literatur
    Größe: 509 kBytes
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Wie ich in die Welt kam

Die großen Feste

Das Weihnachtsfest und Ostern waren die großen Jahresfeste, die ich in diesen Wohnungen erleben durfte. Dank der Güte der Großeltern und wohl auch ihrem finanziellen Geschick verhielt es sich immer so, dass von allem reichhaltig da war - egal ob Essen, Festschmuck oder Geschenke. Besonders aber pflegten sie die innerliche Freude auf das Kommende, die sie wunderbar aufbauen und entwickeln konnten.

Den Großeltern hat es viel bedeutet, die weltlichen baltischen mit den kirchlichen Bräuche zu einem großen Festerlebnis zusammenzuführen. Schon die Adventszeit war angefüllt mit Gesang und Licht. So viel Dekoration wie heute gab es und hatte man nicht. Selbst gefertigte bunte Sterne verzierten so die meisten Fenster. Es gab sehr schöne bunte Vorstellbilder, Sterne, Krippen, Hirten, in Klapprahmen, hinter die man ein Licht platzierte, damit sie aufleuchteten. Das wichtigste war der Adventskranz. Ein Reifen aus Tannenzweigen wurde an einem Ständer befestigt, rotes Band hielt dann den Kranz mit den vier Kerzen. Gegen Ende der Adventszeit zeigte sich der Tannenreifen aber sehr trocken, daher war höchste Vorsicht geboten. Der Nikolaustag bescherte einen dick und schwer gefüllten Strumpf. Alles, was die Geschenke anbetraf, wurde in größter Heimlichkeit getan und die Gespräche der Erwachsenen, eben, wenn es um Geschenke ging, verfielen ins Lettische. Das konnte ich wahrhaftig nicht verstehen. Am 24. Dezember hatten die wochenlangen Vorbereitungen ihren Höhepunkt erreicht. Nach gründlichster Reinigung der Zimmer, nach dem Ende aller Plätzchenvorbereitungen, der Zurüstung des Abendessens, wurde es ab Mittag sehr ruhig. Großmutter pflegte dann noch einmal alles zu besehen, Großvater und ich gingen ein wenig in die Stadt. Zum Essen gab es eine sogenannte Kiddingsuppe. Wenn ich mich noch richtig entsinne, bestand die Suppe aus Gänseklein mit Herzen, Mägen, Flügeln und Hals, verfeinert mit Stücken von Boskoop-Äpfeln und kleinen Mehlklößchen. Durch die Äpfel erhielt diese Suppe einen kräftigen und leicht säuerlichen Geschmack. Danach wartete man bei der einbrechenden frühen Dämmerung auf den Beginn des weihnachtlichen Gottesdienstes. Dazu gingen wir eigentlich immer in die Brüderkirche. Am Eingang gab es anstelle der üblichen Gesangbücher nun das Programm der Christvesper. Vier Seiten lang - welch harte Prüfung für ein wartendes Kind. Die Kirche war brechend voll, selbst auf den Emporen drängte man sich. Der riesige Weihnachtsbaum schmückte wie jedes Jahr den Altarraum, der Küster stieg auf eine hohe Leiter, um alle Kerzen zu entzünden. Es war noch nicht üblich, elektrische Baumbeleuchtungen zu verwenden. Die Predigt zur Weihnacht hieß, laut Zettel, immer Ansprache. Wir lauschten dann unseren Pfarrern, Kuhlendahl, Roth, Walbrecht oder Neumann. Manchmal wurde die Ansprache auch zu kleinen politischen Bemerkungen verwendet. Gerade von Pfarrer Neumann ist mir die Bemerkung im Gedächtnis geblieben, dass Kind in der Krippe sei für alle wichtiger als der Mann auf der Briefmarke. Da wusste jeder, dass Ulbricht - damals Staatsratsvorsitzender, gemeint war. Wenn die Hymne der Weihnacht erklang, blieben nur die Kerzen am Baum an, alle anderen elektrischen Lichter wurden gelöscht und das große Kreuz am Gewölbe strahlte dann. Danach setzte Erleichterung bei allen Kindern ein, man hatte die letzte Seite des Kirchenzettels erreicht. Der stehend gesungene Kantus "O du fröhliche" bildete dann den Abschluss und nach Orgelmusik und Glockengeläut traten wir schließlich den kurzen Weg durch die Brüdergasse und die Humboldtstraße nach Hause an. Die Aufregung wuchs, jedoch gab es erst frischen Kringel und Kaffee oder Kakao. Danach kochte Großmutter Schmantbonbons, die anschließend herrlich weich und duftend auf dem Balkon auskühlten. Erst dann zogen sich die Großen in das Weihnachtszimmer - den Saal - zurück. Unter Aufsicht von Großvater verblieb ich in der recht leeren und dunklen Küch

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