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Wille gegen Wille Indianerroman von Harders, Gustav (eBook)

  • Verlag: Abenteuerverlag Pockau
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Wille gegen Wille

Eine Herzensgeschichte aus den Indianerhütten Arizonas. Gustav Harders wurde 1863 in Kiel geboren. 1889 wanderte er nach Amerika aus und heiratete dort. Er war Pastor und Rektor der lutherischen Kirche und Schule in Milwaukee und diente anschließend bis zu seinem Tod im Jahr 1917 in Indianerreservationen in Arizona als christlicher Missionar.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 221
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783746043821
    Verlag: Abenteuerverlag Pockau
    Größe: 646kBytes
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Wille gegen Wille

Der Indianer Dohaschtida

Ich saß bei weit geöffneten Fenstern und Türen in meinem geräumigen Wohnzimmer. Es war an einem Sonntagnachmittag. Die Haupttür des Zimmers führte über eine breite Veranda direkt ins Freie hinaus. Draußen brannte Arizonas Julisonne. Es war drückend heiß auch zwischen den dicken Steinwänden des Hauses, aber doch erträglicher als draußen in der Sonnenglut und etwas kühler als unter den schattenspendenden hohen Bäumen, deren sich eine große Anzahl auf dem ausgedehnten Eigentum der Regierungsschule der Indianerreservation befanden.

Blickte ich zur Tür hinaus, konnte ich sehen, wie die Hitze aus dem weichen, weißen Sand aufstieg, den die Sonne schon viele Wochen Tag für Tag mit ihren Strahlen durchglüht hatte.

Es war so recht eine Stunde zum Träumen und Nichtstun. Ich lehnte mich in meinem bequemen Schaukelstuhl zurück, schloss die Augen und sah den Mann ganz deutlich vor mir, mit dem sich seit Schluss der heutigen Morgenandacht meine Gedanken beständig beschäftigt hatten.

Das war eine auffallende Erscheinung. Er war einer von der alten Art, wie man ihrer heute nur noch Wenige zu sehen bekommt. Er war der Erste, der mir seit meiner Ankunft in Arizona begegnet war. In seiner hohen, kraftstrotzenden, geschmeidigen Gestalt entsprach er so ungefähr dem Bild, das ich aus meinen Knabenjahren her von einem Indianer hatte. Freilich trug er elegante Schuhe, sorgfältig gebügelte Hosen, ein Faltenhemd, Stehkragen, Krawatte und tadellos geschnittenen Rock; aber das alles saß und hing ihm am Leib in einer Weise, die den Eindruck machte, dass es dem Träger dieser Kleidungsstücke im höchsten Grad gleichgültig sei, ob er die dieselben am Leib habe oder nicht. Er würde ebenso gern ohne sie gehen und doch genau denselben imponierenden Eindruck machen wie mit ihnen.

Wer mochte er sein? Wo kam er her? Er hatte den Saal vor Schluss der Andachtsübungen verlassen, wie er erst nach dem Beginn der derselben gekommen war, und hatte mir so keine Gelegenheit gegeben, mit ihm zu reden.

Wie er eingetreten war, sich nach einem ihm zusagenden Sitz umgeschaut und sich niedergesetzt hatte! Nicht wie einer, dem das ganze Versammlungslokal. nein, wie einer, dem die ganze Welt gehörte.

Dazu war es ganz gegen die Schulregeln dieser Regierungsschule, dass außer den Angestellten und den 300 Kindern jemand ungeladen an den Sonntagsandachten teilnahm.

Ohne Zweifel kannte der Mann diese Regeln, er kümmerte sich aber nicht um sie, für seine Person existierten sie nicht.

Nicht einmal die Eltern der Kinder durften das Schuleigentum betreten. Besuchten sie ihre Kinder, so setzten sie sich jenseits des hohen Drahtgitters. Da machten sie ein Feuer an, kochten und brieten und reichten ihren Lieblingen durch die weiten Maschen des Drahtgeflechts, was sie für sie bereitet und ihnen mitgebracht hatten.

Mir gab es jedes Mal einen Stich durchs Herz, wenn ich das sah. Mein Freund, der Superintendent dieser Schule, bei dem ich als Gast verweilte, meinte aber, es könne nicht anders sein, es müsse so gehalten werden; die Alten wären zu unsauber, sie hätten zu viele Läuse. Ließe man die Kinder in die Hände ihrer Eltern kommen, so hätte man einen beständigen, nie endenden Kampf mit dem Ungeziefer.

Er mochte von seinem Gesichtspunkt aus recht haben. Er sollte die Kinder sauber und rein halten, er sollte zivilisierte Menschen aus ihnen machen. Die Herren Inspektoren, die auf ihren Rundreisen jeden Tag und jede Stunde sich einstellen konnten und immer unangemeldet eintrafen, wollten alles in bester Ordnung vorfinden. Sonst gab es Berichte nach Washington und unangenehme Rüffel von dorther.

Und doch, die Sache hatte noch eine andere Seite. Die Kinder sollten erzogen werden. Ihr Vertrauen, wie das ihrer Eltern, musste zu solcher

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