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Winter in Madrid Roman von Sansom, Christopher J. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)

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Winter in Madrid

1940: Nach dem Bürgerkrieg liegt Madrid in Ruinen. In diesen unsicheren Zeiten erhält der britische Kriegsveteran Harry Brett einen schwierigen Auftrag: Er soll in Madrid Kontakt mit seinem Jugendfreund Sandy aufnehmen, der angeblich den Diktator Franco unterstützt. Harry findet in Madrid nicht nur eine Welt des Kampfes um Menschlichkeit vor, sondern gerät in den Bann einer großen, tragischen Liebe ...

C. J. Sansom, geboren 1952 in Edinburgh, zählt in England zu den erfolgreichsten historischen Romanciers. Sansom studierte an der University of Birmingham und arbeitete unter anderem als Rechtsanwalt für Benachteiligte, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. Bekannt wurde er mit der international erfolgreichen "Shardlake"-Serie. "Winter in Madrid" wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen als Meisterwerk klassischer Erzählkunst gefeiert. Sansom lebt in Sussex.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 736
    Erscheinungsdatum: 12.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641226503
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Bücher .43943
    Originaltitel: Winter in Madrid
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Winter in Madrid

Prolog

Das Jarama-Tal, Spanien, Februar 1937

Bernie hatte stundenlang halb bewusstlos am Fuße der Anhöhe gelegen. Das britische Bataillon war zwei Tage zuvor an die Front geschickt worden. Nachdem eine altersschwache Lokomotive sie über die kastilische Ebene transportiert hatte, waren sie bei Nacht bis zur Frontlinie marschiert. Unter ihnen befanden sich ein paar ältere Männer, Veteranen aus dem Weltkrieg, aber die meisten Soldaten waren Jungen aus der Arbeiterklasse, denen selbst die wenigen Kenntnisse fehlten, die Bernie und einige weitere ehemalige Internatsschüler durch ihre Ausbildung im Offizierskorps mitbekommen hatten. Sogar hier, in ihrem ureigenen Krieg, war die Arbeiterklasse im Nachteil.

Die republikanischen Truppen hatten günstige Stellungen eingenommen, ganz oben auf einer Anhöhe, die steil ins Flusstal des Jarama abfiel. Ein welliger Abhang, vollständig mit Olivenbäumen bepflanzt. In der Ferne konnte man als grauen Streifen Madrid ausmachen, die Stadt, die seit dem Putsch der Generäle im letzten Sommer den Faschisten widerstanden hatte. Madrid, wo Barbara war.

Francos Armee hatte den Fluss bereits überquert. Diese marokkanischen Kolonialtruppen dort unten waren Experten, die jede Unebenheit im Gelände als Deckung zu nutzen wussten. Das britische Bataillon war hierhergebracht worden, um die Anhöhe zu verteidigen. Die Munition war knapp, die Gewehre alt, und viele schossen nicht mehr zuverlässig. Man hatte ihnen französische Stahlhelme aus dem Weltkrieg gegeben, von denen die älteren Soldaten behaupteten, sie seien gar nicht kugelsicher.

Trotz des stümperhaften Feuers des Bataillons waren die Marokkaner bis zum Morgengrauen unaufhaltsam den Abhang heraufgekommen, Hunderte von lautlosen, tödlichen Gestalten in grauen Ponchos, die zwischen den Olivenbäumen auftauchten und wieder verschwanden, aber immer näher kamen. Granatfeuer von den faschistischen Stellungen setzte ein, in großen Fontänen ließ es die gelbe Erde um die Stellungen des Bataillons explodieren, zum Schrecken der unerfahrenen Soldaten. Am Nachmittag endlich kam der Befehl zum Rückzug, worauf blankes Chaos ausbrach. Im Rennen sah Bernie, dass das Gelände mit Büchern übersät war, die die Soldaten weggeworfen hatten, um etwas leichtere Rucksäcke zu haben - Gedichtbände, Einführungen in die marxistische Lehre, Pornografie von den Marktständen in Madrid.

In jener Nacht kauerten die Überlebenden des Bataillons erschöpft in einer alten, eingesunkenen Straße der meseta . Es gab keine Nachricht über den Verlauf der Schlacht an anderen Stellen der Frontlinie. Bernie war aus purer Erschöpfung eingeschlafen.

Am Morgen gab der russische Stabskommandant dem Rest des Bataillons den Befehl, wieder vorzurücken. Bernie sah, wie Captain Wintringham mit ihm diskutierte, ihre Köpfe als Silhouetten vor dem kalten Himmel, der sich beim Sonnenaufgang von Rosa-Violett langsam nach Blau verfärbte. Das Bataillon war erschöpft und zahlenmäßig unterlegen; die Marokkaner hatten sich eingegraben und auch Maschinengewehre hergebracht. Aber der Russe blieb unnachgiebig, sein Gesicht ausdruckslos.

Die Männer erhielten den Befehl, sich am Rande der eingesunkenen Straße in einer Reihe aufzustellen. Im Morgengrauen hatten die Faschisten wieder angefangen zu schießen, und der Lärm war ohrenbetäubend, knallende Gewehrschüsse und das Stakkato der Maschinengewehre. Bernie stand da und wartete auf den Befehl vorzurücken. Er war zu müde, um zu denken. Der Satz "Alles im Arsch, alles im Arsch" ging ihm im Kopf herum wie ein Metronom. Viele der Männer waren dermaßen erschöpft, dass sie nur noch wie blind vor sich hinstarrten; manche zitterten vor Angst.

Wintringham führte den Angriff selbst an, und fast augenblicklich bekam er einen Schuss ins Bein und fiel. Bernie zuckte zusammen, als ringsum Geschosse explodierten. Er sah, wie die Männer, mit denen er ausgebildet worden war, getroffen wurden und mit einem

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