text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Winterwind von Durst-Benning, Petra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.10.2014
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Winterwind

Aufbruch und Neubeginn - darum geht es in den sechs stimmungsvollen neuen Geschichten von Petra Durst-Benning. In der Winter- und Weihnachtszeit erfahren ihre beliebtesten Heldinnen und Helden, was es bedeutet, Altes hinter sich zu lassen und Neues zu wagen. Ob die Silhouettenschneiderin Margarete am Stuttgarter Hof oder die Erben der Glasbläserin in Thüringen: Sie alle erleben jetzt besondere Momente voller Spannung, Fröhlichkeit und starker Gefühle. Die kurzen Erzählungen öffnen eine Tür zur Welt von Petra Durst-Benning. In winterlichen Lesestunden laden sie zum Versinken ein.

Petra Durst-Benning ist eine internationale Bestsellerautorin. Seit ihrem Debütroman begeistern ihre mutigen Frauenfiguren die Leserinnen und laden sie zu großen Abenteuern ein. Viele ihrer Romane werden verfilmt. Petra Durst-Benning lebt mit ihrem Mann bei Stuttgart.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 10.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843709293
    Verlag: Ullstein
    Größe: 1730kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Winterwind

ie Silhouettenschneiderin

Am Stuttgarter Hof, 6. Dezember 1865

Hinter vorgehaltener Hand unterdrückte Franz Xaver Winterhalter ein Gähnen. Er blinzelte in die tranigen Ölfunzeln, die den Salon mehr schlecht als recht erhellten. Wenn er so weitermachte, war er auf dem besten Weg, sein Augenlicht vollends zu ruinieren. Ein Por-traitmaler, der schlecht sah! Um seinen Blick ein wenig zu klären, richtete er ihn aus dem Fenster hinaus in den verschneiten Stuttgarter Schlossgarten, der aussah wie eine Märchenlandschaft. Wie schön musste es da erst im Schwarzwald aussehen? In dem kleinen Ort Menzenschwand, wo er geboren worden war ... Seltsam, je älter er wurde, desto öfter musste er an seine Heimat denken. Oder lag dies gar nicht am Alter, sondern daran, dass er ständig unterwegs war? Dass er zum rastlosen Wanderer geworden war, der sich nach nichts mehr sehnte als nach einem Ruhepol in seinem Leben? Seine Farben, Staffeln und Pinsel für eine Weile nicht anfassen müssen. Den Herrgott einen braven Mann sein lassen. Wie schön wäre das.

Aufseufzend widmete er sich wieder seiner Arbeit.

Erst vor ein paar Tagen war er aus Wien angereist, wo er die letzten Wochen damit verbracht hatte, ein Portrait der österreichischen Kaiserin in Hofgala anzufertigen. Ein großer und ehrenvoller Auftrag. Ein Auftrag, den man nicht absagte. Niemals und unter keinen Umständen.

Kaiserin Elisabeth hatte sich für ein weißes Kleid mit opulentem Faltenwurf entschieden, welches über und über mit Diamanten verziert war. Um die Schultern hatte sie einen Schleier getragen, so zart und durchscheinend wie der Flaum eines neugeborenen Kükens. Diamantene Sterne, sechzehn Stück an der Zahl, hatten ihr prachtvolles Haar geziert. So überirdisch schön ihr Anblick gewesen war – für ihn als Portraitmaler war er nicht weniger als ein Alptraum gewesen. Allein für das Kleid hatte er drei Wochen gebraucht, dazu weitere zwei für ihre aufwendige Frisur ... Doch nachdem er sein Werk beendet hatte, hatte er sich selbst dafür loben müssen. Vielleicht war das Gemälde sogar sein bisher bestes.

"Sie lächeln so zufrieden, lieber Herr Winterhalter, weihen Sie mich in Ihr kleines Geheimnis ein?"

Franz Xaver, der gerade mehrere Blautöne auf -sei--ner Palette mischte, hielt inne, um sein Modell -an-zuschauen. Die württembergische Königin Olga, Toch-ter des Zaren Nikolaus, war eine seiner liebsten Kun-dinnen. Nur ihr zuliebe war er nach Stuttgart ge--reist und hatte diesen neuen Auftrag angenommen. Jede andere Anfrage hätte er abgelehnt zugunsten -ei-nes dringend benötigten Erholungsurlaubs in seiner -Heimat.

"Ich denke an Weihnachten und die himmlische Ruhe, die ich hoffentlich über die Feiertage genießen werde", zwang er sich zu einer kleinen Notlüge. Er war nicht zum beliebtesten Portraitmaler ganz Europas geworden, weil er seinen Kunden von der Schönheit der vorherigen Modelle vorschwärmte.

Auch Königin Olga wollte in Hofgala gemalt werden. Das Kleid, für das sie sich entschieden hatte, wies täuschende Ähnlichkeiten mit dem der österreichischen Kaiserin auf, auch wenn es im Rücken eine blaue samtene Schleppe hatte. Dieselbe Schneiderwerkstatt? Oder nur die neueste Mode unter den gekrönten Häuptern Europas? Doch wenn die Opulenz bei "Sissi", wie die Österreicherin im engen Fami-lien-kreis genannt wurde, lieblich und gefällig wirkte, hob sie bei der großgewachsenen Statur Olgas sämtliche Ecken und Kanten hervor. Ein zu schmales Gesicht, müde Augen, dazu die hängenden Schultern – die letzten zwanzi

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen