text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Wir, die wir jung sind Roman von Taneja, Preti (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.02.2019
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
19,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Wir, die wir jung sind

Eine dramatische Familiengeschichte, die zugleich die Geschichte eines Firmenimperiums und eines Landes, die brutale, letztlich scheiternde Machtübergabe von den Alten zu den Jungen darstellt, von den Männern zu den Frauen - das erzählt Preti Taneja in ihrem preisgekrönten, spannenden und gewaltigen Debütroman. Der alte Devraj, ehemaliger Maharadscha und Chef eines mächtigen indischen Mischkonzerns, der nur ehrfürchtig "The Company" genannt wird, ist alt geworden und will sein Erbe verteilen. Er hat drei Töchter, Ranjit Singh, sein Berater, Teilhaber und Wegbegleiter, hat zwei Söhne, die ebenfalls mit bedacht werden sollen.Wer wird sich durchsetzen in diesem umfassenden Machtkampf, der auch ein Geschlechterkampf ist? Mit hoher Präzision und Intensität, nah an den Figuren entlang, erzählt Preti Taneja in diesem unerschrockenen, ergreifenden, aber auch sarkastischen Familienepos, dicht angelehnt an Shakespeares "King Lear", eine brisante und düstere, universelle Geschichte von Macht, Verrat, Untergang und Überleben. Preti Taneja, aus einer indischen Familie stammend und in Großbritannien geboren und aufgewachsen, hat als Menschenrechtsaktivistin und Journalistin aus Krisengebieten berichtet, unterrichtet an der Warwick University, ist Mitbegründerin von ERA Films und Herausgeberin von VISUAL VERSE. Für ihre Novelle 'Kumkum Malhotra' erhielt sie den Gatehouse Press New Fictions Prize 2014, für 'We that are young' den wichtigen britischen Desmond Elliot Prize für das beste Romandebüt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 629
    Erscheinungsdatum: 14.02.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406734489
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Originaltitel: We that are Young
Weiterlesen weniger lesen

Wir, die wir jung sind

I
Jivan

Eins

Es geht nicht um Land, es geht um Geld. Während die Welt ringsumher in Pendelschwüngen wegsackt, flüstert er sein Mantra. Das glitzernde Band der Themse, die offiziellen Stempel der königlichen Parks, eine kahle, weiße Kuppel mit gelber Kronenähre, verschluckt das tiefe Dämmerlicht des Sommers. Das Flugzeug hebt sich über die wattige Wolkendecke, unter der England behaglich eingepackt von besseren Zeiten träumen kann. Auf seiner Uhr ist es immer noch gestern. Er stellt die Uhr vor: Jetzt ist es morgen, nur noch acht Stunden Flug.

Er hat den Fensterplatz mit dem kaputten Touchscreen bekommen: Bordansagen oder Slumdog Millionaire , der letzte Film, den er mit Ma im Kino gesehen hat - an dem Wochenende, als Filmpremiere war. Die Leute, die Schlange standen, waren allesamt braun, daher duckte sich Ma ausnahmsweise nicht in seinem Schatten, so als könnten seine Jeans und sein Kamelhaarmantel sie beschützen und erklären. Stattdessen stritten sie wieder einmal über Iris, und als er Karamellpopcorn besorgen ging, fing sie an zu schniefen: Sie sagte, eine Erkältung sei im Anmarsch. Als der Abspann über die gesamte Besetzung lief, die in dichten Reihen auf einem indischen Bahnhof tanzte, schniefte sie immer noch. Als sie aus dem Kino kamen, dachte er, sie hätte geweint - er legte den Arm um sie: Ihr Kopf war für ihn die perfekte Kinnstütze. Auf seine Frage, ob ihr der Film gefallen habe, sagte sie, nein, kein bisschen. Abgesehen von den Songs sei das nicht das echte Indien gewesen.

Der Flug vom JFK bis zur Zwischenlandung in LHR hatte sich in die Länge gezogen. Er ist wohlig beschwipst vom Johnnie Walker, den er schätzt, auch wenn er weiß, dass es bessere Marken gibt. Er hat das Gefühl, dieser Whisky sei genau auf ihn zugeschnitten, so als hätte ein Kind in einem Geschenkartikelshop einen Becher mit seinem eigenen Namen gefunden. In Amerika hatte kein solcher Shop einen JIVAN -Becher, deshalb borgte er sich JON und war dabei geblieben, seit er dieselbe Reise in umgekehrter Richtung angetreten hatte. Als Dreizehnjähriger. Begeistert, aus Indien fortzugehen, weil man ihm den ersten Flug seines Lebens versprochen hatte.

Vorwärts, vorwärts, befiehlt er dem Flugzeug und trommelt dabei auf seinen Klapptisch, was ihm einen kurzen Seitenblick von seiner Nachbarin beschert, die neben ihm eingekeilt sitzt. Sie fotografiert die Rückseite des Bordmagazins mit ihrem iPhone (4): Ambika Gupta offeriert Ihnen das Wunder höherer Numerologie: eine Ziffer für Ihre Zukunft. Sie stößt den Mann an, der rechts neben ihr sitzt: ein Sardarji mit blauem Turban und farblich passendem Trikotpullover, der über seinem Bauch spannt und auf den in Weiß die Zahl 5 gestickt ist. Der Typ sieht aus, als erwarte er Fünflinge. Sie lächelt ihn an und lehnt sich wieder zurück. Ihre Hände sind über und über mit dünnen roten Linien in verblassendem Hochzeitshenna verziert, so als hätte man sie nach links gedreht: ein einziges Paisleymuster, von qualvoller Schönheit. Sie trägt einen Platinring mit einem viereckigen, weißen Brillanten und hat eine Handtasche von Longchamp wie alle wunderhübschen Mädchen; wasserfestes Marineblau mit Lederbesatz, aber klein, das billigste Modell. Weißt du denn nicht, hübsches Kind, dass keine Tasche besser ist als alles allzu Bemühte? Sie blättert das Magazin durch: Reklame für Marc Jacobs und Charlize Theron, blättert zu den technischen Schnickschnacks, den Filmen, klimper-klingeling machen die roten Glasreifen an ihren Handgelenken.

Es klingt wie das Vorspiel von Mas Übungsmusik. Wenn sie mit Akkuratesse Kathak tanzte und Jivan den Takt schlug. Erst auf seinem Handteller, Dha-din-din-dha . Seine Erinnerungen haben die Farbe ihrer letzten Monate: Ma, deren Braun zu Gelb verblasst

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen