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Wirf dein Herz voraus und spring hinterher Roman von Paulsen, Anna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2018
  • Verlag: Penguin Verlag
eBook (ePUB)
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Wirf dein Herz voraus und spring hinterher

Das Leben ist zu kurz für Bleistiftröcke, Hochsteckfrisuren und verpasste Chancen!
Liane ist Ende dreißig und führt ein unspektakuläres Leben - aus Angst, dass ihr etwas Schlimmes passieren könnte. 'Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste', pflegt sie zu sagen. Flugreisen, Extremsportarten und Spaziergänge im Dunkeln vermeidet sie deshalb am liebsten. Doch als Liane eine Diagnose bekommt, die alles verändert, gibt es plötzlich keinen Grund mehr für sie, vorsichtig zu sein. Etwa das Survivaltraining im Gebirge abzusagen, das ihr Chef organisiert hat. Oder den jahrealten Brief ihrer Adoptivmutter nicht zu öffnen. Liane entdeckt, dass das Leben gefährlich schön sein kann und man manchmal springen muss, um das Glück zu ergreifen ...

Anna Paulsen liebt lange Strandspaziergänge, kurze Nächte und alte Häuser. Bücher gehören zu ihrem Leben wie die Luft zum Atmen, und mit ihren Geschichten will sie vor allem eines: ihre Leser berühren. Jemanden zum Lächeln oder zum Träumen gebracht zu haben, ist für sie das schönste Kompliment. Anna Paulsen lebt mit ihrer Familie in Südwestdeutschland und Nordholland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 12.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641211103
    Verlag: Penguin Verlag
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Wirf dein Herz voraus und spring hinterher

Kapitel 1
Sicher ist sicher

Der Dienstag, an dem Lianes Albtraum zur schrecklichen Gewissheit wurde, begann unspektakulär. Wie an jedem Werktag klingelte ihr Wecker pünktlich um halb sechs, und sie gestand sich maximal drei Minuten zu, bevor sie energisch das Federbett zurückklappte, ihre ungebräunten Beine über die Bettkante schwang und sich streckte. Liane hielt nicht viel davon, sich träge im Bett hin und her zu wälzen und das Aufstehen unnötig lang hinauszuzögern. Sie hielt generell nicht viel von Disziplinlosigkeit. Ohne Disziplin säße die Menschheit noch auf Bäumen, davon war sie felsenfest überzeugt. Wo käme man denn hin, hätten alle nur noch ihr Vergnügen im Sinn? Liane wollte sich lieber nicht ausmalen, was dann geschähe.

Manchmal fühlte sie sich wie das letzte Exemplar einer aussterbenden Art. Zum Beispiel, wenn sie, wie jetzt gerade, bei geöffnetem Fenster ihre Morgengymnastik absolvierte. Dabei hatte sie nicht die geringste Freude an Kniebeugen, Liegestützen und Sit-ups, und auch den wunderbaren Blick auf den Stadtpark genoss sie kein bisschen. Aber sie wusste, dass ein langes, gesundes Leben ohne körperliche Ertüchtigung bei frischer Luft kaum möglich war, und so biss sie eben regelmäßig in diesen sauren Apfel.

Während Liane ihr Trainingsprogramm abspulte, dachte sie an ihre Kollegen, die alle zwischen Mitte und Ende zwanzig waren. Ungefähr so alt wie sie damals, als sie bei "Trend + Fun" angefangen hatte. Sie konnte nicht glauben, dass sie jemals so sorglos gewesen war wie Fabian, Sina, Alex, Niklas und Jenny, die vermutlich eher Bungee-Jumping machten als solide Morgengymnastik. Noch törichter waren nur noch die Kunden der Eventagentur, in der sie seit nunmehr zwölf Jahren arbeitete. Es war ihr nach wie vor ein Rätsel, was das für Menschen waren, die freiwillig einen Haufen Geld dafür ausgaben, Leib und Leben zu riskieren. Die sich in rasanten Schlauchbooten irrwitzig steile Abfahrtpisten hinabstürzten und es Snowrafting nannten. Oder mit pfeilschnellen Automobilen über unbefestigte Pisten brausten und es Rallyefahren nannten. Und sich in lächerlich enge Anzüge zwängten, aus einem Helikopter hüpften und es Fallschirmspringen nannten.

Liane nannte es unverantwortlich. Eher würde sie jeden Tag um halb fünf aufstehen und ihr Sportprogramm verdoppeln, als auch nur eines der Angebote ihres Arbeitgebers Trend + Fun auszuprobieren. Was für andere Spaß pur bedeutete, verursachte ihr Herzrasen und Panikattacken, wenn sie nur daran dachte.

Auch jetzt geriet sie unverhältnismäßig schnell außer Atem, und das lag bestimmt nicht an den fünfzig Kniebeugen, die sie schließlich gewohnt war, sondern an ihrer Grübelei. Sie zwang sich, an etwas Erfreulicheres zu denken. Oder wenigstens an etwas weniger Beunruhigendes. Zum Beispiel den bevorstehenden ärztlichen Check-up-Termin heute Nachmittag. Liane versäumte niemals eine Untersuchung, und weil ihr der von der Krankenkasse vorgesehene zweijährliche Rhythmus bei Weitem nicht ausreichend erschien, hatte sie die Häufigkeit ihrer prophylaktischen Arztbesuche eigenmächtig auf alle zwei Monate festgelegt. Solange sie Beschwerden hatte, konnte ihr Hausarzt seine Untersuchungen auch problemlos abrechnen, und daran mangelte es Liane nie. Wenn sie nur tief genug in sich hineinhorchte, wurde sie beunruhigender Symptome gewahr, die einer dringenden Abklärung bedurften. Vielleicht sollte sie heute diese ungewöhnliche Kurzatmigkeit erwähnen? Ja, Liane freute sich auf den Arzttermin. Es hatte so etwas wunderbar Beruhigendes, aus kompetentem Munde zu hören, dass kein unmittelbarer Grund zur Sorge bestand ...

Nach dem Frühsport stellte Liane das Teewasser auf und nahm eine schnelle Dusche. Mehr als fünf Minuten unter der Brause hielt sie für Verschwendung. Zum Abschluss duschte sie ihren gesamten Körper eiskalt ab, wozu sie all ihre Selbstbeherrschung aufbieten musste, denn Liane fror nun wirklich nicht ge

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