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Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich Storys von Saroyan, William (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.09.2017
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich

Die Wiederentdeckung eines großen amerikanischen Storytellers Wir alle kennen jene raren Momente der Freiheit, die nur uns ganz allein gehören. Man setzt sein gesamtes Erspartes auf den Außenseiter und verliert - und ist aber dennoch vollkommen glücklich, weil man weiß: Man hat das einzig Richtige getan. William Saroyan spürt diesen Momenten zielstrebig nach. Er findet sie nicht etwa an den Orten der großen Versprechen, sondern mitten im Dreck des amerikanischen Alltags. Denn auch das ist Amerika: Die Armenier, Assyrer, Filipinos, Mexikaner in seinen Storys bringen trotz Armut und Diskriminierung die Welt zum Leuchten. Mit sperrangelweit geöffneten Herzen folgen sie ihrer ganz eigenen Logik, die uns so wunderbar den wohlstandsverwahrlosten Kopf verdreht, ehe er an der genau richtigen Stelle einrastet. Mit William Saroyan ist einfach nichts hoffnungslos! William Saroyan, 1908 als Sohn armenischer Einwanderer in Fresno, Kalifornien geboren, begann seine Karriere mit Storys, aufgrund derer Columbia Pictures ihn als Drehbuchautor anheuerte. Für das Theaterstück ?The Time of Your Life? erhielt er den Pulitzer Preis, den er jedoch ablehnte; für das Drehbuch zu seinem Roman ?The Human Comedy? wurde er mit einem Oscar ausgezeichnet. Er war zweimal mit der Schauspielerin Carol Grace verheiratet, aus der Ehe gingen zwei gemeinsame Kinder hervor. "Jeder muss einmal sterben", lautete Saroyans letztes Pressestatement, "aber ich habe immer geglaubt, dass in meinem Fall eine Ausnahme gemacht würde." Er starb 1981 in seinem Geburtsort.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 08.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423433051
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 1058 kBytes
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Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich

Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich

Siebzigtausend Assyrer

Ich hatte mir seit vierzig Tagen und vierzig Nächten nicht mehr die Haare schneiden lassen, und allmählich sah ich aus wie etliche arbeitslose Geiger. Sie kennen den Habitus: verlottertes Genie und bereit, der Kommunistischen Partei beizutreten. Wir Barbaren aus Kleinasien sind haarige Menschen: Wenn wir einen Haarschnitt brauchen, dann brauchen wir einen Haarschnitt. Es war so schlimm, dass ich aus meinem einzigen Hut herausgewachsen war. (Ich schreibe hier eine ernsthafte Story, vielleicht eine der ernsthaftesten, die ich je schreiben werde. Deswegen bin ich auch flapsig. Leser von Sherwood Anderson werden nach einer Weile ansatzweise verstehen, was ich meine; sie werden wissen, dass mein Lachen eher traurig ist.) Ich war ein junger Mann, der einen Haarschnitt brauchte, also ging ich in die Third Street (San Francisco), zum Barber College, um mir für fünfzehn Cent die Haare schneiden zu lassen.

Unterhalb der Howard Street ist die Third Street ein eigenständiges Viertel; stellen Sie sich die Bowery in New York vor oder die Main Street in Los Angeles; stellen Sie sich alte und junge Männer vor, die arbeitslos sind, herumlungern, Bull Durham rauchen, über die Regierung reden und darauf warten, dass sich etwas tut, die einfach nur warten. Es war ein Montagmorgen im August, und eine ganze Menge von diesen Herumtreibern war in den Laden gekommen, um sich ein bisschen aufzuheitern. Der junge Japaner, der den freien Platz für den nächsten Kunden bereitmachte, hatte eine Warteliste von elf Leuten; alle anderen Plätze waren besetzt. Ich setzte mich und begann zu warten. Draußen, wie Hemingway ( Fiesta; In einem anderen Land; Tod am Nachmittag; Der Sieger geht leer aus ) sagen würde, kostete ein Haarschnitt einen halben Dollar. Ich hatte zwanzig Cent und ein halbes Päckchen Bull Durham. Ich drehte mir eine Zigarette, reichte das Päckchen einem meiner Zeitgenossen, der aussah, als bräuchte er Nikotin, inhalierte den trockenen Rauch und dachte dabei an Amerika und daran, was politisch, ökonomisch und geistig so vor sich ging. Mein Zeitgenosse war ein sechzehnjähriger Junge. Er sah nach Iowa aus; potentiell großartig, ein solider Amerikaner, der jedoch sehr den Kopf hängen ließ. Wenig Schlaf, seit mehreren Tagen nicht die Klamotten gewechselt, ein bisschen Angst etc. Ich wollte unbedingt seinen Namen wissen. Ein Schriftsteller will immer die Wirklichkeit von Gesichtern und Persönlichkeiten erfassen. Iowa sagte: "Ich bin gerade aus Salinas gekommen. Keine Arbeit bei der Salaternte. Jetzt gehe ich nach Norden, nach Portland; ich hau ab." Ich wollte ihm erzählen, wie es bei mir war: eine Story von Scribner's abgelehnt, ein Essay abgelehnt von der Yale Review , kein Geld für anständige Zigaretten, abgelatschte Schuhe, alte Hemden, aber ich traute mich nicht, so viel Wind um meine Probleme zu machen. Die Probleme eines Schriftstellers sind immer langweilig, ein bisschen unwirklich. Die Leute denken leicht: Hat dich denn jemand dazu gezwungen zu schreiben? Man muss so tun, als wäre man kein Schriftsteller. Ich sagte: "Viel Glück im Norden." Iowa schüttelte den Kopf. "Das wird eh nichts. Aber ich will's wenigstens versuchen. Hab ja nichts zu verlieren." Braver Junge, hoffentlich ist er nicht tot, hoffentlich ist er nicht erfroren, mächtig kalt zur Zeit (Dezember 1933 ), hoffentlich ist er nicht vor die Hunde gegangen; er hat es verdient zu überleben. Iowa, ich hoffe, du hast in Portland Arbeit gefunden; ich hoffe, du verdienst Geld; ich hoffe, du hast dir ein sauberes Zimmer gemietet, mit einem warmen Bett; ich hoffe, du schläfst nachts, isst regelmäßig, kommst wie ein menschliches Wesen daher, bist glücklich. Iowa, meine guten Wünsche begleiten dich. Ich habe mehrmals für dich gebetet. (Trotzdem glaube ich, dass er inzwischen to

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