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Wolfstraum von Bauer, Angeline (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2014
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Wolfstraum

Kälte und Bitterkeit in der Holzmühle Gerstenrieder, die auf dem Setzberg, weit droben über dem Tegernseer Tal liegt. Die einzige Tochter, Annelie, opfert sich für ihren jähzornigen Vater und die Brüder auf. Täglich quälen sie Einsamkeit, die Launen der Männer und die Sorge um ihren geliebten Bruder Lenz, der geistig zurückgeblieben ist. Nur in ihrer Liebe zu Martin findet sie Trost. Gemeinsam mit ihm hofft Annelie, dem Leben in der Sägemühle eines Tages entfliehen zu können. Doch als sie von Martin zutiefst enttäuscht wird, verfällt sie dem berüchtigten Wilderer Jennerwein, der in der Mühle Unterschlupf sucht. Und so nimmt ihr Schicksal eine dramatische Wendung ...

Angeline Bauer startete als klassisch ausgebildete Tänzerin ins Berufsleben. 1991 schloss sie die Ausbildung zur psychologischen Beraterin ab und leitete eine eigene Praxis, bis sie sich ganz dem Schreiben zuwandte. Neben Sachbüchern, Ratgebern, heiter-frechen Frauenromanen und vielen Kurzgeschichten entstanden seither auch einige historische Romane. 2006 und 2009 war sie für den Sir Walter Scott Preis sowie den Literaturpreis Die Delia nominiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 28.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475541797
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 1116 kBytes
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Wolfstraum

1. Kapitel

Es war ein seltsames Licht, das an diesem Aprilmorgen durch die Baumkronen fiel. Ein silbriges Flirren im Walddunst, geperlter Morgentau auf den jungen Halmen der Segge. An schattigen Stellen lag noch Schnee, doch gleich daneben, wo Sonnenstrahlen sich ihren Weg durch das Geäst der Bäume bis auf den Waldboden bahnten, sah man helles Gelb wie hingetupft auf moosgrünen Grund. Und hob man den Kopf und erblickte zwischen den Baumwipfeln ein Stück vom Himmel, erschien er einem eher silbrig als blau.

Doch Annelie, die Tochter des Sägmüllers-Gerstenrieder, schaute nicht in den Himmel. Die Augen fest vor sich auf den Boden gerichtet, um nicht über Äste und Steine zu straucheln, ging sie ihren Weg.

Droben am Setzberg war sie gewesen, bei den Holzfällern, die sich nach dem Winter dort neu eingerichtet hatten, um den Holzschlag vom letzten Jahr aufzupflanzen. Sie hatte ihnen Brot, Schmalz und Eier hinaufgebracht und vom Vater eine Flasche Enzian, als Einstand für ein langes, arbeitsreiches Jahr.

Der Weg auf den Setzberggipfel war beschwerlich. Trotzdem hatte sie ihn gerne auf sich genommen, denn zu Hause in der Holzmühle, im Wald hoch über den Ortschaften Trinis und Oberach, war ihr kein ruhiger Augenblick vergönnt. Nichts als Arbeit den ganzen Tag! Zwei Rösser, eine Kuh, zwei Schafe, ein Schwein, eine Schar Hühner und vier, manchmal auch fünf Männer musste sie versorgen. Und einer von ihnen, ihr jüngerer Bruder Lenz, war deppert dazu und brauchte den ganzen Tag über Aufsicht.

Unterwegs im Wald aber konnte sie ihren Gedanken nachhängen. Manchmal setzte sie sich irgendwo für ein paar Minuten nieder, schloss die Augen und stellte sich vor, jemand ganz anderer zu sein. Ihre Base Magdalena zum Beispiel, die in München lebte, schöne Kleider trug und zwar kunstvolle Bilder malen konnte, aber nicht kochen. Das musste man sich mal vorstellen! Oder sie träumte davon, die Frau von Martin Ebner zu werden. Er war der Sohn eines Schreiners aus Oberach, der hin und wieder zu ihnen in die Mühle heraufkam, um sich nach gutem Holz umzuschauen.

Martin Ebner gefiel ihr, und auch er mochte sie und machte ihr schöne Augen. Er war ein guter Mensch, rechtschaffen und ehrlich gegen jeden, und er war ihre einzige Hoffnung. Denn wenn nicht er sie heiraten und von der Mühle fortbringen würde, wer sollte es dann tun?

Annelie überquerte eine kleine Lichtung, trat auf einen Felsvorsprung hinaus und blickte zuerst hinüber auf den Hirschberg, dann hinunter ins Weissachtal. Von hier oben wirkten die Häuser in den Ortschaften wie Spielzeug, von Kinderhänden nach Lust und Laune hingesetzt. In der Mitte eine Kirche, rundherum ein paar Höfe, Stallungen und Kühe - was kleiner war, sah man nicht mehr.

Kreuth lag linker Hand, rechter Hand der Tegernsee und unter dem Fels, auf dem Annelie stand, noch eine halbe Wegstunde entfernt, die Holzmühle, in die sie vor zweiundzwanzig Jahren als drittes Kind von Lina und Xaver Gerstenrieder hineingeboren worden war.

Den Erstgeborenen, den Hans, hatte vor drei Jahren ein Baum erschlagen. Er war des Vaters Ein und Alles gewesen. Dass er den Franzosenkrieg überlebt, dann aber, kaum wieder zu Hause, im Wald den Tod gefunden hatte, konnte er nicht verwinden.

Vielleicht wäre es ihm leichter gefallen, wenn die Mutter noch gelebt hätte. Sie war die gute Seele im Haus gewesen, ein Vorbild für jeden. Mit Sanftmut und Liebe hatte sie alles zusammengehalten - davon hatte sie so viel in sich gehabt, dass es auch für den wortkargen, jähzornigen Vater noch gereicht hatte. Doch nach ihrem Tod war sein Herz ausgetrocknet wie ein verschrumpelter Apfel, der im Keller zwischen die Regale gerutscht und dort vergessen worden war. Für keinen hatte

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