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Zeit der Eisblüten Roman von Sewell, Kitty (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.10.2013
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Zeit der Eisblüten

'Sehr geehrter Herr Dr. Woodruff, ich hoffe, Sie verübeln mir nicht, dass ich Ihnen schreibe. Ich glaube, ich bin ihre Tochter ...' Dafydd Woodruff führt ein ruhiges Leben als Arzt in Wales. Da erhält er eines Tages einen Brief aus einer kleinen Stadt im Norden Kanadas. Darin teilt ihm die zwölfjährige Miranda mit, dass sie gerade von ihrer Mutter erfahren habe, wer ihr Vater sei - kein anderer als Dafydd. Dafydd lebte einst ein Jahr in Kanada. Er kennt auch Mirandas Mutter. Doch er weiß, dass das Kind nicht von ihm sein kann. Aber der Vaterschaftstest, mit dem er sich einverstanden erklärt, ist positiv. Dafydd sieht nur eine Möglichkeit: Er muss zurück in die eisige Arktis und sich seiner Vergangenheit stellen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 11.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838749518
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: The Ice Trap
    Größe: 1140 kBytes
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Zeit der Eisblüten

PROLOG

Küste des Coronation Golf,
Nordpolarmeer, März 2006

E R NAHM NICHT , wie ihm die Älteren geraten hatten, den Motorschlitten. Wie die meisten Jungen liebte er das Röhren eines lauten Motors, aber seit kurzem gefiel es ihm, dem Klang seiner eigenen Gedanken zu lauschen. Er mochte das Rumpeln und Krachen des Meereises, die vereinzelten Windböen, das Knirschen seiner mukluks, wenn er durch den Schnee ging. Und er fühlte sich fähiger und mächtiger, wenn er sich aus eigener Kraft fortbewegte.

Er packte einen Rucksack mit ein paar Vorräten, die gerade für den Tag reichten, und befestigte ein Seil am Halsband seiner Hündin. Der Husky hatte einem älteren Nachbarn gehört, aber im Laufe der Zeit und mit einiger List hatte der Junge das Tier in seinen Besitz genommen. Die Hündin war loyal, doch distanziert; eine große, haarige Teufelin, die wütend reagierte, wenn sie provoziert wurde.

Schließlich hängte er sich sein Gewehr über die Schulter und ließ eine Leuchtpistole in seine Außentasche gleiten. Zu seiner Selbstverteidigung würde er beides kaum brauchen, da die Hündin jede unwillkommene Gesellschaft verjagen würde. Er überprüfte seine Gerätschaften erneut, wie man ihn so oft ermahnt hatte, und sie brachen vom Dorf zum Meer auf.

Als Erstes musste er das Ufer mit seinen vom Meer schroff aufgetürmten Eisschollen überwinden. Er blieb einen Moment stehen, um nach einem Durchgang zu suchen. Riesige Platten hatten sich übereinandergeschichtet oder gefächert wie gefaltetes Papier, glänzende Spitzen ragten hoch in den Himmel wie Berggipfel, manche waren umgestürzt und zerborsten. So stellte er sich einen Wald aus uralten Bäumen vor.

Er war ein kräftiger Junge, groß und breit für sein Alter. Aber als er über das zerklüftete Eis kletterte und der Hündin ermunternde Worte zurief, verriet seine Stimme, wie jung er noch war. Ungestüm drängte er nach draußen; er wollte ein Mann sein.

Keuchend vor Anstrengung traten sie auf das offene Eis. Durch eine Schneebrille, die seine Augen vor der gleißenden Helligkeit schützte, musterte der Junge den Horizont. Die riesige Weite verbarg wenig, aber sie bot dennoch Überraschungen, und ein Mann musste stets wachsam sein. Er richtete ein paar Worte an die Hündin und ging aufs Eis hinaus. Nach einer Stunde wandte er sich westwärts und marschierte parallel zur fernen Küstenlinie weiter.

Während er schnell voranschritt, um die Kälte von sich abzuhalten, beobachtete er seine Umgebung und suchte nach Spuren. Er wusste, dass er nur eine geringe Chance hatte, einen Fuchs aufzuspüren. Man sah sie nur selten scheinbar ziellos umherstreifen. Die schlauen kleinen Kerle rannten heimlich hinter den Eisbären her, um sich an den Überresten der geschlagenen Robben zu laben. Sobald Gefahr drohte, machten sie sich blitzschnell aus dem Staube.

Quer übers Eis liefen gelegentlich Spuren sowohl von Bären als auch von Füchsen. Die einen waren groß und schwer und hatten den dünnen Schnee zusammengedrückt, die anderen winzig und leichtfüßig. Die meisten Spuren waren Tage, sogar Wochen alt. Im Grunde bedauerte er das nicht. Der anmutige kleine Fuchs gefiel ihm lebendig besser als tot, und das dunkle Blut auf seinem schneeweißen Fell ließ ihn stets schwindelig werden. Er redete sich ein, dass die Herausforderung dieser Expedition eher in der Einsamkeit und Unabhängigkeit liege. Aber er wusste, dass er, um sich zu stählen, Praxis benötigte. Männer mussten jagen, um zu überleben. Männer mussten töten.

Er wanderte in stiller Betrachtung dahin, und die Zeit verstrich rasch. Zweimal hielt er an und hockte sich nieder, um von dem heißen süßen Tee aus seiner Flasche zu trinken und ein paar Streifen Dörrfleisch mit der Hündin zu teilen. Aber die Reglosigkeit erfüllte ihn mit Unbehagen. Es war sehr kalt, und da empfahl es sich, ständig in Bewegung zu sein.

Als die Sonne bega

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