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Zurück nach Java Eine tropische Erinnerung von Schneider, Eric (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.08.2015
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Zurück nach Java

Alle paar Jahre trifft sich Ferdy Aronius mit seiner Familie, von der nur noch die Mutter und ihr Ex-Geliebter geblieben sind. Auch dieses Mal - ein stürmischer Abend, ein verlassenes Strandhotel - schwelgen sie in Erinnerungen an alte Zeiten, das Hotel auf Java, der unbeschwerte Luxus des kolonialen Lebens, das Idyll in der Fremde. Doch je weiter der Abend voranschreitet, desto heftiger wird das Gespräch, und Stück für Stück offenbart sich die brutale Wahrheit über die Vergangenheit, eine Wahrheit, die sie bis zu diesem Tag verfolgt ... Zurück nach Java ist ein intensives Kammerspiel vor der üppigen Tropenkulisse Indonesiens. So einfühlsam wie schonungslos zeichnet Eric Schneider das Bild einer Familie, die den zwiespältigen Schönheiten ihrer Vergangenheit nicht entkommen kann. Eric Schneider wurde 1934 im indonesischen Batavia, dem heutigen Jakarta, geboren. 1946 siedelte er in die Niederlande über. Schneider ist Schauspieler, Regisseur, Dramatiker und Künstler, er gilt als die graue Eminenz des niederländischen Theaters. Zwischenzeitlich war er einige Jahre lang Ensemble-Mitglied am Theater Bonn. Zurück nach Java ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 110
    Erscheinungsdatum: 08.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458742975
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: Een tropische herinnering
    Größe: 4843 kBytes
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Zurück nach Java

1

Ferdy Aronius, Diplomat und höchster Repräsentant seines Landes in Angola, versucht in etwa sieben Kilometer Höhe, zurückgelehnt in der Businessclass einer Lufthansa-Maschine Richtung Frankfurt, von wo er nach Amsterdam weiterfliegen wird, Schlaf zu finden. Und er weiß, dass ihm das nicht gleich gelingen wird, trotz der drei Whisky am Flughafen, die er ziemlich schnell hinuntergekippt hat, und trotz des Plaids, das der fürsorgliche Steward über ihn gebreitet hat: Sein Gefühl sagt ihm, dass es in diesem Jubiläumsjahr, in dem nach alter Gewohnheit am sechsten und neunten August im Hotel Hoogduin an der Nordsee der Untergang der Städte Hiroshima und Nagasaki gefeiert werden soll, anders sein wird als bisher.

Eine gewisse Unruhe hatte sich schon seit Tagen in ihm breitgemacht, und das leichte Stottern, mit dem er von klein auf behaftet ist, war offenbar mehr aufgefallen als sonst; Lili Oltman, seine Sekretärin, hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, ein bisschen flachsig, aber vor allem neugierig. Sie weiß von seiner Flugangst, dem großen Handicap für einen Diplomaten, doch diesmal vermutete sie, dass da noch etwas anderes im Spiel war, und sie fragte ihn danach, ohne eine klare Antwort zu bekommen. Er selbst hatte sich bis zum Tag des Abflugs nach dem Grund für diese Unruhe gefragt.

Sein Vater würde nicht mehr dabei sein, doch das sollte er eigentlich eher als befreiend empfinden. Bis zu seinem Tod, erst vor einem halben Jahr, hatte sich Ferdy abfällige Bemerkungen anhören müssen, über seine Arbeit in "diesen islamischen Ländern", seine Ehelosigkeit, seine Abkehr vom christlichen Glauben, wofür Gott ihn strafe mit diesem anhaltenden Stottern. Ferdy überläuft ein Frösteln, wenn er an das Sterben seines Vaters zurückdenkt, in dem christlichen Pflegeheim in Den Haag im Beisein des laut betenden Diakons. Jedes Mal, wenn er das Sterbezimmer betrat, nachdem er im Aufenthaltsraum des Heims eine Zigarette geraucht hatte, stammelte sein Vater, er begreife einfach nicht, warum Dieudonné nicht an seinem Bett sitze. Ferdy wich dann nicht aus, sondern wiederholte, sein Bruder sei tot, schon seit fünfundvierzig Jahren. Der Diakon griff das nur zu gern auf und garantierte dem Pfarrer, dass sein ältester Sohn droben im Himmel auf ihn warte: "Was der Herr genommen hat, schenkt er in der Ewigkeit, nicht wahr?" Und sein Vater ächzte kurz.

Es war nicht mehr viel übrig von dem berühmten Pfarrer, der in der Vorkriegszeit in Batavia mit seiner Harley-Davidson umherfuhr, um den Gemeindemitgliedern Hausbesuche abzustatten, was ihm den Namen "das fliegende Evangelium" eingebracht hatte; Ferdys riesiger, viel zu korpulenter Vater war im Laufe eines Jahres geschrumpft zu einem aus dem Nest gefallenen Vögelchen, kurzatmig, fiebrig, mit halb geöffneten Augen, die sich schließlich nach einem kurzen Röcheln für immer schlossen. Wenig später rief Ferdy seine Mutter in ihrer Seniorenwohnung an, um ihr den Tod ihres Mannes mitzuteilen. Wortlos hatte sie eingehängt. Gleich darauf versuchte er sie erneut zu erreichen, doch der Anschluss war besetzt. Als er dann Mees Stork anrief, um ihm die Todesnachricht zu überbringen, war auch dort besetzt. Behutsam, als hätte er die beiden belauscht, legte er wieder auf. Plötzlich war er in Tränen ausgebrochen, im Zimmer der Direktorin des Pflegeheims, die sofort Tee bringen ließ und versuchte, ihn zu trösten. Weswegen? dachte er. Wenn sie wüsste, wie wenig er für den Toten empfand! Warum er trotzdem so geweint hatte, verstand er selbst nicht, aber dass er sich verlassen fühlte, weiß er noch genau.

Zum letzten Mal gesehen hatte er seine Mutter und deren Ex-Geliebten auf der Trauerfeier für den Pfarrer in einer halb vollen Kirche in Den Haag. Unbeirrbar Gläubige waren nach seiner kurzen Ansprache zu ihm gekommen und hatten seine Hand gehalten, etwas zu lange, damit sie nicht vor Altersschwäche umkippten, darunter Männer,

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