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Zwei zarte Lämmchen weiß wie Schnee Eine kleine Liebesgeschichte von Fallada, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.03.2017
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Zwei zarte Lämmchen weiß wie Schnee

Große Liebe - was nun? Dem schüchternen Gerhard Grote, einem Angestellten der Firma Brummer & Co., Damenputz en gros, fällt es schwer, der jungen, hübschen Kollegin Rosa Täfelein aus dem Samtlager seine leidenschaftliche Zuneigung zu offenbaren. Seine behutsamen Annäherungsversuche scheinen nur die anderen Angestellten der Firma mitzubekommen, nicht aber seine Angebetete. Erst als er sie zu verlieren droht, fasst er sich ein Herz. Mit dieser zarten Liebesgeschichte schrieb Hans Fallada eine idyllische Variante zu seinem berühmtesten Roman 'Kleiner Mann - was nun?'.

Rudolf Ditzen alias HANS FALLADA (1893-1947), zwischen 1915 und 1925 Rendant auf Rittergütern, Hofinspektor, Buchhalter, zwischen 1928 und 1931 Adressenschreiber, Annoncensammler, Verlagsangestellter, 1920 Roman-Debüt mit 'Der junge Goedeschal'. Der vielfach übersetzte Roman 'Kleiner Mann - was nun?' (1932) machte Fallada weltberühmt. Sein letztes Buch, 'Jeder stirbt für sich allein' (1947), avancierte rund sechzig Jahre nach Erscheinen zum internationalen Bestseller. Weitere Werke u. a.: "Bauern, Bonzen und Bomben" (1931), "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt" (1934), "Wolf unter Wölfen" (1937), "Der eiserne Gustav" (1938).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 20.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841213686
    Verlag: Aufbau-Verlag
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Zwei zarte Lämmchen weiß wie Schnee

Süße Wachträume

Gerhard Grote war, im Widerspruch zu seinem Namen, kein großer Mann. Nein, körperlich war er eher etwas klein, fast kümmerlich geraten. Und wenn oft von solchen zu kurz Geratenen gesagt wird "Klein, aber oho!", so traf nicht einmal dies auf ihn zu: Er war auch noch ein ausnehmend schüchterner junger Mann, ohne jegliches Selbstvertrauen.

Bei solch körperlicher und seelischer Beschaffenheit hatte es einer langen Zeit bedurft, bis Gerhard Grote nur sich selbst im stillen Kämmerlein zu gestehen wagte, dass er sie...

Aber jedenfalls war solch Geständnis erst dann erfolgt, als er abends im Bett lag und das Licht gelöscht hatte.

Nun war es also vollständig dunkel. Das heißt, in allerletzter Zeit war er manchmal schon so früh ins Bett gegangen, dass es noch gar nicht richtig dunkel war. - Woran das nun immer liegen mochte, dass er jetzt schon so früh ins Bett ging, vielleicht ermüdete ihn seine Büroarbeit mehr als früher?

Also, ob ganz dunkel oder halbdunkel oder dämmerig oder fast noch hell, da lag er nun im Bett und dachte. Er erinnerte sich... Oder er malte sich auch aus - er malte sich Situation auf Situation aus, stundenlang -, er kam direkt mit seinem Schlaf zu kurz, obgleich er seiner geschäftlichen Übermüdung wegen immer früher ins Bett stieg!

Bei solchem hartnäckig fortgesetzten Lebenswandel war es schließlich unvermeidlich, dass Gerhard Grote endlich doch, trotz Schüchternheit und Kümmerlichkeit, die herrliche Entdeckung machte, dass er sie liebte, dass er ihretwegen so zeitig schlafen ging, um von ihr mit offenen Augen träumen zu können. Gott, als er sich das erst eingestanden, als er den Mut aufgebracht hatte, sich selbst zu glauben, er, der kleine Grote, liebe, liebe ganz allein, liebe für sich privat gewissermaßen, eine völlig selbstständige Aktion, nur zur Freude von Gerhard Grote unternommen - Himmel, wie beseligt war er da! Er stand doch wahrhaftig mitten in der stickedustern Nacht auf, suchte im Dunkeln seine lange vernachlässigten Hanteln aus dem Kleiderschrank und machte in der Rabenschwärze auf dem Bettvorlegerchen Hantelübungen, verbunden mit Körpergymnastik:

"Eine, zweie, dreie, viere!"

Als er schließlich wieder unter seiner Decke lag, war er durch diese Hantelübungen - in Gedanken - bereits so kräftig geworden, wie er einst in Wirklichkeit von ihnen erhofft hatte. Mühelos befreite er Rosa Täfelein aus den gefährlichsten Situationen, und besonders diesen eklen, großsprecherischen Marbach, der in letzter Zeit, wie er eben entdeckt hatte, viel zuviel bei Fräulein Rosa im Samtlager steckte - diesen Burschen erledigte er mit einem Kinnhaken!

Und von nun an konnte mit stolzer Freude weitergeträumt werden in dem ruhigen Bewusstsein: ich, Gerhard Grote, liebe!

Bei Tage sah er sie dann und wann, wenn er gerade im dritten Stock zu tun hatte, nicht übermäßig häufig, sah sie aber in ihrer braunen und elfenbeinfarbenen Lieblichkeit oft genug, um seinen Träumen neuen Stoff zu geben. Manchmal sagte sie vielleicht sogar zu ihm: "Ach, Herr Grote, seien Sie doch so freundlich und helfen Sie mir den Karton ins obere Fach hinauf!"

Worauf er natürlich sofort die Leiter hochkletterte, und beim Zureichen des Kartons berührten sich vielleicht sogar ihre Finger: einfach köstlich! Aber selbstverständlich nichts im Vergleich zu seinen Träumen!

Demnach war der kleine Grote in der Gefahr aller Träumer, das Leben (und die Rosa) über seinen Träumen zu versäumen. Doch nun geschah die Sache mit der Ratte!

Natürlich hätte es in einem so alt angesehenen Hause wie dem von Brummer & Co., Damenputz en gros, Ratten überhaupt nicht geben dürfen. Aber das Haus lag, schon aus Tradition, immer noch in der Altstadt, mit der Rückseite an einem Fleet, und da wa

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