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Zwischen zwei Meeren Roman von Abate, Carmine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2014
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Zwischen zwei Meeren

Die Magie der Träume. Jeden Sommer reist Florian von Hamburg nach Kalbrien in das Heimatdorf seiner Mutter. Jeden Sommer zeigt Nonno Giorgio ihm dort die Ruinen der alten Familienherberge, die er wieder aufbauen will. Als es endlich so weit ist, steht schon die `Ndrangheta vor der Tür, um ihm ihren 'Schutz' anzubieten. Hilflos sieht Florian zu, wie sein Großvater, der sich gewaltsam zur Wehr gesetzt hat, von der Polizei abgeholt wird. Doch der Alte hat ihn längst angesteckt mit seinem verrückten Traum. 'Carmine Abate fängt in seinem Roman atmosphärisch die Hitze des Sommers und das Brennen für einen Lebenstraum ein.' Brigitte. 'Faszinierender, feinfühliger Roman, der die flirrende Landschaft poetisch zum Leben erweckt.' Maxi. Carmine Abate, geb. 1954 in Carfizzi, Kalabrien, emigrierte in seiner Jugend nach Deutschland und lebt heute als Lehrer im Trentin. Seit 1984 schreibt er Erzählungen, Gedichte und Romane. Vielfach ausgezeichnet, von der Kritik hoch gelobt und beim Publikum beliebt, gilt er als einer der wichtigsten zeitgenössischen Autoren Italiens. Für 'Der Hügel des Windes' erhielt er 2012 den bedeutenden Premio Campiello. Das Buch ist ebenso wie sein Roman 'Zwischen zwei Meeren' bei Aufbau lieferbar.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 235
    Erscheinungsdatum: 17.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841208125
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: Tra due mari
    Größe: 1381 kBytes
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Zwischen zwei Meeren

D as Dorf stank nach Sommer. Die Hitze legte sich auf die Haut wie warmer Kleister, und trotzdem war Giorgio Bellusci zu seiner Reise aufgebrochen. Kein Erdbeben hätte ihn aufhalten können und kein Kanonenschuss. Er war aufgebrochen in eine Stadt, von der er nur den Namen kannte, Bari, und die Himmelsrichtung, der er folgen musste: nach Norden, über Metaponto hinaus, bis zur Küste eines Meeres namens Adria. In einer Straße dieser Stadt wohnte Patrizia Cassese, ein schönes Mädchen, das jeden Winter einen Monat lang mit ihrer Familie Ferien in Camigliatello machte, in einem Häuschen umgeben von Tannen, Kastanienbäumen und Schnee. Dort hatte Giorgio Bellusci sie kennengelernt, in einer Trattoria von Camigliatello, wo er quasi zu Hause war, weil er hier ganze Sommer lang seine Rinderherden weidete und mehr Freunde hatte als in Roccalba.

Er war gerade zweiundzwanzig geworden, und seine Eltern, die den familieneigenen Starrsinn in seinen Venen wohl kannten, versuchten gar nicht erst, ihn umzustimmen, umarmten ihn aber fest vor den Augen der versammelten Nachbarn, die im Chor murmelten: "Der Junge muss verrückt sein. Da oben in der Stadt werden die Brüder und der Vater dieser Patrizia ihm bei lebendigem Leibe das Fell gerben", ungeachtet des Umstands, dass Patrizia keine Brüder hatte und der Vater als Stadtmensch mitnichten so eifersüchtig und rückständig war wie sie. Dann verbarrikadierten sich die Eltern hinter einer Fassade aus Stolz und begannen ihr Warten im selben Moment, in dem er auf seiner bis obenhin mit Essenspaketen, Wasser und Wein beladenen Vespa losfuhr.

Giorgio Bellusci fuhr über die in der Augusthitze erstickten Felder von Roccalba wie durch einen unruhigen Morgentraum. Zu seiner Linken, nahe den Fiumaren, erkannte er die Ruine des Fondaco del Fico, und seine Unruhe wuchs ins Unerträgliche. Er versuchte sie durch ein geträllertes Lied zu vertreiben, danach durch zwei Schlucke Wein; er versuchte es mit lautem Gelächter, das die Vögel und Zikaden verstummen ließ. Nichts. Die Unruhe wuchs. Also gab er Gas, fuhr so schnell er konnte und brüllte, als sei ihm der Tod auf den Fersen.

Erst als er zu seiner Rechten das glitzernde Meer erblickte, fühlte er sich wieder ruhig und glücklich. Und zum ersten Mal seit seiner Abreise dachte er an Patrizia: Vielleicht war sie ja schon verlobt oder gar verheiratet; vielleicht wollte sie ihn gar nicht mehr. Die Reise war eine Schnapsidee, das wusste er. Bei all den schönen Mädchen, die es in Kalabrien gab, ehrbar und aus gutem Hause, musste man da wirklich bis nach Bari fahren? Eine sinnlose Reise war es, und er war verrückt, das sagten alle in Roccalba, Frau und Vieh suchte man sich nach alter Redensart im eigenen Dorf, und dennoch fühlte er in sich die unbändige, wachsende Lust zum Aufbruch, er meinte fast, den Neid der anderen zu spüren.

Es war später Abend. Er stieg von der entkräfteten Vespa, gab ihr einen Klaps auf den Sattel und ließ sie auf einem Streifen trockenen Grases zwischen Strand und Straße verschnaufen. Zu Fuß lief er zum Meer und wusch sich das Gesicht und die staubigen Haare. Er hatte Lust, etwas zu essen, doch die Müdigkeit war stärker als sein Hunger. Er streckte sich auf dem warmen Sand aus und schlief ein.

Am nächsten Morgen weckte ihn das laute Hecheln eines Hundes mit rötlichem, schmutzstarrendem Fell. Nie zuvor hatte er gesehen, wie die Sonne dem Meer entstieg und es in ihr rotes, blendendes Licht tauchte. Mit gierigen Augen sog er den Anblick ein, atmete tief durch und sagte, an den fremden Hund gewandt: "Das Meer ist schön! Das Leben ist schön!" Dann setzte er seine Reise fort, hinter sich den Hund zurücklassend - Hase, Kaninchen, Maus, Fliege, Mückchen und schli

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