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Magie Weltbild, Praktiken, Rituale von Petzoldt, Leander (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.10.2011
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Magie

Die Wurzeln der Magie reichen bis in vorgeschichtliche Zeiten zurück, und doch begleitet die magische Praxis den Menschen bis in die Moderne. Bis heute erfährt sie Ablehnung und Zustimmung gleichermaßen. Was wirkt ist wahr? Ist Magie Aberglaube oder doch eher Lebenshilfe? Leander Petzoldt stellt in diesem Buch die Prinzipien des magischen Weltbilds dar und verfolgt die zwei großen Entwicklungslinien in der Geschichte der abendländischen Magie, deren Wirkungen bis in die Neuzeit zu beobachten sind: die zauberisch-dämonologische Tradition mit Spiritismus und Okkultismus sowie die magisch-naturphilosophische Tradition, die über die Alchemie zu den modernen Naturwissenschaften führt. Er erläutert die wichtigsten magischen Werke und Zauberbücher und führt in magische Praktiken und zauberische Rituale ein. Zum Schluss wirft er einen Blick auf die Alltagsmagie unserer Tage, die - oft nur halbernst betrieben - manchmal zum Religionsersatz geworden ist. Leander Petzoldt ist em. Univ.-Professor für Europäische Ethnologie an der Universität Innsbruck.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 05.10.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406621512
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 5701 kBytes
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Magie

EINLEITUNG
DAS FASZINOSUM ODER: WAS IST MAGIE?

Im 18. Jahrhundert hatte der Begriff "Faszination" noch eine völlig andere Bedeutung als heute: Das lateinische Wort fascinare meinte so viel wie "behexen, verzaubern". Wenn wir heute von einer "faszinierenden" Frau sprechen, könnten wir sie ebenso gut "bezaubernd" nennen. Freilich denken wir dabei nicht mehr an Magie oder Zauberei. Das Wort hat einen Bedeutungswandel erfahren, was aber nicht heißt, dass Magie und Zauberei aus unserem Blickfeld, oder besser: aus unserer Kultur, verschwunden wären. Eher drängt sich der Eindruck auf, als seien magisches Denken, okkultistische Betätigung und obskure Teufelskulte zu einem kulturellen Kennzeichen unserer modernen Welt geworden. Das Phänomen ist so alt wie die Menschheit, und die magische Praxis hat den Menschen bis in die Moderne begleitet. Eine sozialpsychologische Untersuchung stellt in diesem Zusammenhang die Frage, ob "das Zunehmen irrationaler Verhaltensweisen durch äußere Faktoren der gegenwärtigen sozialen Situation bedingt ist" (Angst 1972, 135).

In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden im Allgäu in mehreren Teichen und Fischgewässern Hunderte randvoll mit Urin gefüllte Flaschen und Kanister entdeckt. Nach 39 bitterkalten Nachtwachen konnte der Gewässerbesitzer einen Landwirt stellen, der erneut Urinflaschen versenken wollte. Im anschließenden Prozess stellte sich heraus, dass die Ehefrau des Bauern an Depressionen litt und dieser sie heilen wollte, indem er den Urin auf den Rat einer Sympathieheilerin hin nachts in den Gewässern versenkte. Die Ehefrau behauptete vor dem Richter, ihr Allgemeinbefinden habe sich mit Hilfe der Urinversenkungen deutlich gebessert, die vielen von den Nervenärzten verordneten Tabletten hingegen hätten ihre Gesundheit ruiniert. Zwar habe sich ihr Zustand nach den medikamentösen Behandlungen manchmal für einige Wochen stabilisiert, doch seien die depressiven Schübe danach nur umso schlimmer gewesen. Die jahrelange große Not infolge der Krankheit seiner Frau, erklärte der Bauer, habe ihn dazu gebracht, dem Rat der Heilerin zu folgen. Der Landwirt stand übrigens, dies ist noch zu bemerken, wegen Umweltverschmutzung vor Gericht (Schwäbische Zeitung vom 19. November 1982).

Dieser Fall zeigt, dass Menschen in ihrer Hilflosigkeit auch noch in unseren Tagen zu einem völlig irrationalen Verhalten veranlasst werden können und auf magische Praktiken zurückgreifen, von denen man annimmt, sie seien mit dem Mittelalter vergangen. Der Urin als eine mit dem kranken Menschen eng verbundene Materie, als Ausfluss der Krankheit sozusagen, wird gemäß dem Grundsatz der sympathetischen Magie in einem tiefen Gewässer versenkt: Die Krankheit soll - so der hier übliche Analogieschluss - ebenso verschwinden, wie die Urinflüssigkeit in der Tiefe des Wassers verschwindet. Als noch wirksamer wird das Ritual angesehen, wenn es bei abnehmendem Mond geschieht, denn die Abnahme des Mondes soll mit dem Rückgang der Krankheit korrelieren. Dies sind Rezepte und magische Verhaltensweisen, die bei einer leichtgläubigen Bevölkerung immer wieder Resonanz finden; bei Menschen, die sich in ihrer leiblichen oder seelischen Not nicht anders als durch den Besuch obskurer Heiler und Besprecher zu helfen wissen, welche die Situation ihrer Klienten dann ausnutzen und deren Unaufgeklärtheit zum eigenen Vorteil missbrauchen.

Abgesehen davon, dass sich eine Zunahme irrationaler Verhaltensweisen bzw. die Existenz einer magischen Subkultur schon durch einen Blick in die Tageszeitungen belegen lässt, findet sich unter denen, die ihre Zuflucht zu magischen, esoterischen und okkultistischen Praktiken nehmen, oder diesen zumindest nicht ablehnend gegenüberstehen, ein signifikant hoher Anteil an Akademikern. Es ist dies eine Beobachtung, die auch amerikanische Soziologen bestätigen, dass nämlich das größte Interesse an Astrologie "nicht auf dem Lande, bei den B

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