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Ich wollte zur See von Peters, Gerd (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.04.2014
  • Verlag: Hinstorff Verlag
eBook (ePUB)
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Ich wollte zur See

Mit "Meine seemännischen Fehler" (Hinstorff 2012), einem launigen Bericht über alles, was in Beruf und Segelsport misslingen kann, traf der frühere "Fernsehkapitän" Gerd Peters beim Publikum voll ins Schwarze. Allerdings wurde ihm bei Lesungen, in Briefen und E-Mails immer wieder die Frage gestellt, wie seine Laufbahn bei der Deutschen Seereederei Rostock angesichts einer scheinbaren Fülle von Pleiten, Pech und Pannen überhaupt Erfolg haben konnte. Mit "Ich wollte zur See" beantwortet Peters diese Frage nach seinem Weg vom Schiffbauerlehrling zum Kapitän zweier 10000-Tonnen-Frachter und eines Passagierschiffes: "Es gab immer Widerstände zu überwinden. Das ist der Lauf der Dinge und ich beklage mich darüber nicht. Ich stelle nur fest, dass mir nichts geschenkt wurde." Ein fesselnder Bericht über eine besondere maritime Karriere, auf ehrliche Weise verankert im zeitgenössischen Hintergrund. Gerd Peters, geboren 1934 in Berlin-Neukölln, fuhr 1969 zum ersten Mal als Kapitän auf dem MS Dresden und war viele Jahre lang in führender Stellung bei der Deutschen Seereederei Rostock tätig, u.a. als Hauptabteilungsleiter und Chefinspektor. Auf eigenen Wunsch aus der DSR entlassen, begann er bereits Anfang 1989, als freier Journalist mit der Spezialisierung Schifffahrt, Marinewesen und Segelsport zu schreiben. Fast 20 Jahre lang arbeitete er als Autor und Moderator für das überregionale Fernsehen in den Sendereihen 'Logbuch der Seefahrt' und 'Musik und Snacks vorm Hafen'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 17.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783356018868
    Verlag: Hinstorff Verlag
    Größe: 6378 kBytes
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Ich wollte zur See

Die erste Liebe meines Lebens: Gisela

Irgendwann im Sommer 1939, als wir wieder in der Kleinen Krampe lagen, erzählte Frau Breslau beiläufig, dass an den nächsten Wochenenden ihre Enkelin zu Gast an Bord sein würde. Die Damen des Vereins nahmen das zur Kenntnis, Frau Breslau erwähnte noch, wie das zusammenhängen würde. Aber ich hörte schon nicht mehr zu. Mit meinen fünf Jahren beschäftigte mich ein ganz anderes Problem. Meine Eltern hatten mir einen kleinen Holzschlepper mit zwei dazugehörigen Lastkähnen geschenkt. Damit spielte ich im flachen Wasser, während die Damen auf ihren Decken am Ufer saßen und es sich in der Sonne wohl sein ließen. Leider hatte der Hersteller des Schleppzuges das Aneinanderkoppeln der Kähne mit kleinen Ketten vorgesehen. Das gefiel mir nicht, konnte ich doch an jedem Wochenende beobachten, dass Schleppzüge mit Drahttauwerk verbunden waren. Da ich keinen Draht zur Verfügung hatte, versuchte ich, das mit Takelgarn hinzukriegen.

Sommer 1939: im Matrosenanzug mit Kolani, der Kragen unvorschriftsmäßig über der Jacke

Am nächsten Sonnabend brachte Familie Breslau ihre Enkelin mit. Die Erwachsenen wurden von ihr mit einem Knicks begrüßt, mir streckte sie kameradschaftlich die Hand entgegen. Aber ich hätte fast daneben gegriffen. Das Mädchen, Gisela, war schlank, das blonde Haar war zu zwei langen Zöpfen geflochten, sie blickte mich mit strahlenden blauen Augen an, freundlich lächelnd und es war um mich geschehen. Auch im Alter von fünf Jahren kann so etwas schon passieren. Ich war so hin und weg, dass ich nicht einmal so recht zur Kenntnis nahm, dass Gisela einen Kopf größer war als ich. Sie war immerhin schon elf Jahre alt und ich erst fünf. Der Unterschied kam mir aber bald zum Bewusstsein. Denn sie war eine richtige kleine Dame, wusste sich gewandt zu bewegen, höfliche, manchmal auch lustige Konversation zu machen und war bald der Liebling aller Frauen des Clubs. Auch die Augen der Männer - zu meinem Leidwesen auch die von Bubi Berwald - ruhten wohlgefällig auf ihrem Persönchen. Mit ihm zusammen schwamm sie beim Baden weit hinaus. Ich konnte noch nicht schwimmen und blickte den beiden traurig hinterher.

Mit mir befasste sie sich nur wenig. Gelegentlich spielten wir beim Baden Ball, saßen bei Regenwetter bei Familie Breslau auf der HEKLA in der Kajüte und spielten Halma oder Schwarzer Peter. Ich war dann richtig selig und genoss jeden Augenblick ihrer Gegenwart. Die Frauen hatten meine anbetende Befangenheit in ihrer Nähe sofort bemerkt. In meiner Gegenwart lächelten sie nur darüber und schwiegen. Als wir eines Sonntagnachmittags nach Wendenschloss zurücksegelten, kam meine Mutter auf das Thema zu sprechen. Sie fragte mich gerade heraus: "Gisela gefällt dir wohl sehr?" Ich glaube, ich wurde rot, nickte nur und brachte nichts mehr heraus. Vorsichtig versuchte meine Mutter, mir die Situation auseinanderzusetzen. "Sieh mal", meinte sie, "ich glaube ja schon, dass sie dir gut gefällt. So ein hübsches und liebes Mädchen. Aber sie ist doch sechs Jahre älter, geht schon zur Schule und besucht die fünfte Klasse."

Mit der ganzen Naivität meiner fünf Jahre stellte ich die verzweifelte Frage: "Kann sie denn mit dem nächsten Geburtstag nicht auf mich warten?" Meine Mutter schwieg einen Augenblick in der Erkenntnis, dass es mich offenbar tief getroffen hatte, dann schüttelte sie bedauernd den Kopf. "Nein, mit dem Älterwerden kann man nicht warten. Das passiert einfach so. Dagegen ist nichts zu machen!"

Bubi Berwald hat mich in seinen Kajak-Einer zum Paddeln eingeladen. Ich muss noch üben.

Dieses Verdikt traf mich schwer. Für den Rest der Rückfahrt blieb ich schweigsam. Nach dem Ende der großen Ferien kam Gisela nicht mehr mit zum Segeln. Es hieß, sie würde wieder bei ihren Eltern sein. In den nächsten Jahren erschien sie gelegentlich mal an einem Wochenende bei

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