text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Wenn Seglerglück sich wendet Eine atlantische Herausforderung von Borkert, Katrin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Wenn Seglerglück sich wendet

In the middle of nowhere. "Zwischen St. Maarten und Hamburg." An Bord des Clippers "Star Flyer": Sie hatte sich vorgestellt, dem Arbeitsleben davonzusegeln - entschleunigt in die Rente. In dreißig Tagen über den Atlantik. Dann aber geraten Schiff und Menschen?in ein Sturmtief nach dem anderen. Turmhohe Wellen formen aus Crew und Passagieren eine?besondere Gemeinschaft. Die aufgebrachte See fordert Umsicht, Einsicht, Rücksicht. Einstellungen und Erwartungen ändern sich. Die Erfahrungen sind unwiederbringlich. Das Buch ist Reisebericht und Bildband zugleich, mit einer Fotostrecke von 44 ganzseitigen Aufnahmen im Mittelteil, die dem Leser die Dramatik der Tage auf See ebenso zeigen wie die unglaubliche Schönheit des Atlantiks. Es sind Momentaufnahmen zum abschließenden Fazit: "Trotz der Auseinandersetzung mit einem ungewöhnlichen Sturmgeschehen an der Grenze des eigenen Durchhaltevermögens war es eine bemerkenswert glückliche Reise." Früher, schon als kleines Mädchen, wollte die Autorin unbedingt Matrose werden. Später arbeitete sie beinahe zwei Jahrzehnte als Assistentin der Textchefin und Artdirektorin der ZEIT. Heute bestimmt eine besondere Beziehung zum Meer ihr Leben und ihre Arbeit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 14.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739283586
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 39440kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Wenn Seglerglück sich wendet

Tag 13 (!) - Donnerstag, 25. April 2013

35°34.5'N/038° 52,2'W - Wind: NNE 9/8 - Distance: 195,5 - Course: 150° - Sea State: 8

Selbst wenn wir uns wohl alle (mehr oder weniger) wie "in the middle of nowhere" fühlen, gibt es natürlich auch heute für die Position unseres Schiffes genaue Koordinaten!

John sieht unsere Lage derweil so: "Yesterday afternoon saw gale force winds make the ship's progress a little lively. So much so that many of us quickly lost interest. It reminds us of how powerful and unforgiving the sea can be; especially for the unprepared. One of the fore sails was damaged by the high winds, presenting us with the first small crisis. When you are sailing the Atlantic in a small yacht you can expect a daily crisis!"

[Die folgenden zwei Tage wird es keine Bordzeitung geben, denn das komplette Büroequipment unseres sturmgebeutelten Schiffs steckt ebenfalls in einer Krise.]

"Ich lasse mich überraschen ...", das sollte ich vielleicht auf stürmischer See weniger erwartungsfreudig vor mich hin gedankeln. Denn an "Überraschungen" hat es nicht gefehlt. Seit dieser Nacht ist selbst für mich das Vergnügen vorbei. Zumindest vorübergehend. Und ich beschließe, mein Brel-T-Shirt "Das Abenteuer beginnt mit Anbruch des Tages" bei der nächsten Schiffsreise unbedingt zu Hause zu lassen.

Außerhalb der Kabine kann ich mich ganz gut bewegen. Drinnen habe ich keine Kraft mehr, gegen die Wucht der Schiffsbewegungen anzukommen. Nachts bin ich zweimal richtig schlimm gefallen, mit richtig viel Glück: Einmal mit der Matratze, an der ich mich festzuklammern versuchte, aus dem Bett gekippt, auf Rücken und Hinterkopf. Einmal quer durch die Kabine geflogen, mit dem Kopf gegen die Tür gekracht. Doch, "gekracht"! Das kann man so stehen lassen. Mittlerweile weiß ich, dass man sich hier keinesfalls ohne Gummisohlen bewegen darf, weil man sonst auf dem glatten Teppichboden nur durch die Gegend rutscht. Es ist allerdings jedes Mal mühsam, überhaupt Schuhe zu finden. Erst recht zwei zusammengehörende. Denn die sind genauso unterwegs wie ich. Die Geschichte vom Anfängerfehler. Den Anfängerfehlern, meinen. Die sich gerade summieren.

Es gibt einfach kein Halten mehr, keinen Halt. Weder im Bett noch auf dem Kabinenboden. Dazu kommen die unangenehmsten Geräusche von draußen. Irgendwas donnert infernalisch, wenn das schräg liegende Schiff von einer Welle getroffen wird. So jedenfalls erkläre ich mir dieses Krachen, das über meine Bassdrum-Assoziationen weit hinausgeht. Zuordnung ist wichtig gegen aufkommende Angst. Die ich mir immer noch nicht zu-/eingestehen möchte.

Gegen Mitternacht schlage ich mich zur Piano Bar durch, weil ich es unten in meiner Kabine einfach nicht mehr aushalte. Brauche "ewig" dafür, schlingere lange durch das zusammengeschobene Restaurant. Es scheint wenig kaputtgegangen zu sein. Die Stühle suchen übereinander verkeilt nach einem letzten Rest Halt. Sitzbänke und Tische harren - gut verankert - an ihren Plätzen aus. Über den Teppichboden verteilt: Servietten, Speise- und Karteikarten. Chaos auch in der Bar, hier viel Zerstörung. Der Boden des Ausschanks gut gefüllt mit der aus den zerborstenen Flaschen ausgelaufenen Flüssigkeit. In der ein Scherbenchaos im Rhythmus des Rollens hin- und herschwappt, klirrt, klappert, knirscht. Auf den gepolsterten Sitzbänken liegen andere Passagiere und versuchen zu schlafen. Auch die beiden Hamburger Freunde.

Gleich rechts vor der verschlossenen Pendeltür nach draußen sitzen Philibert, der Cruise Director, und Jakob. Sie unterhalten sich leise. Jakob kommt mir entgegen. Fragt, ob ich Hilfe brauche. Nein, nicht wirklich, aber unten hielte ich es nicht mehr aus. Und Durst hätte ich. Fürchterlichen Durst. Jakob wendet sich an den Barmann, der blicklos mitten in der scheppernden Bar steht. Und handelt sich auf die Bitte um eine Flasche Mineralwasser für mich ein harsc

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen