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Den Absprung wagen Stürzen, aufstehen, siegen lernen von Hambüchen, Fabian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.10.2017
  • Verlag: Ariston
eBook (ePUB)
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Den Absprung wagen

Im Sport ist alles möglich - im Leben auch 2016 war das Jahr des Fabian Hambüchen, auch wenn es alles andere als gut begonnen hatte: Eine Schulterverletzung wirft ihn Anfang des Jahres so weit zurück, dass er nicht mehr trainieren kann - und doch ist er wenige Monate später Olympiasieger. Fabian Hambüchen hat sich vollendet. Mutig und ehrlich erzählt er über sein Leben und seine Karriere, schildert seine Erfolge und Rückschläge und lässt uns teilhaben an der Kunst, aus Niederlagen gestärkt hervorzugehen. Sein Geheimnis: die mentale Kraft - und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment ganz bei sich zu sein. Eine faszinierende Lebensgeschichte, die dazu motiviert, sich nicht mit weniger zufriedenzugeben. Denn du kannst alles erreichen, im Sport wie im Leben. Fabian Hambüchen, geboren 1987 in Bergisch Gladbach, gehört zu den erfolgreichsten Sportlern Deutschlands. Er fing im Alter von vier Jahren mit dem Turnen an, bestritt mit fünf sein erstes Turnier, trat bei Schüler- und Juniorenmeisterschaften an und wurde mit 14 Jahren Profi. Es folgten zahlreiche Siege auf nationaler und internationaler Ebene, mehrfach war er Welt- und Europameister. Nach einer schweren Schulterverletzung kämpfte er sich an die Weltspitze zurück und konnte mit dem Olympiasieg in Rio seinen sportlich größten Erfolg feiern. Zum zweiten Mal nach 2007 wurde er 2016 zu Deutschlands "Sportler des Jahres" gekürt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 30.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641215828
    Verlag: Ariston
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Den Absprung wagen

Kapitel 1

Hirnrattern

Es gab mal eine Zeit, da war ich kein besonders guter Schläfer. Wenn mein Tag aufregend war oder ein besonderer Wettkampf bevorstand, wenn ich Liebeskummer hatte oder Prüfungen angesetzt waren, habe ich schwer in den Schlaf gefunden. Dann habe ich mich von links nach rechts gewälzt, war stundenlang damit beschäftigt, die richtige Schlafposition zu finden. Ich habe Selbstgespräche geführt und mir befohlen, dass ich jetzt endlich einschlafen müsse. Natürlich ohne Erfolg.

Mich hat dieses Hirnrattern fertiggemacht. Die Maschine der Gedanken rotiert, dröhnt und bohrt im Kopf und macht mich mürbe. Und ich konnte sie lange Zeit überhaupt nicht abstellen.

Es ist noch schlimmer als reine Nervosität, die einen heimsucht, wenn man die Wettkampfhalle betritt. Nervosität führt dazu, dass man vor seiner Darbietung fünfmal binnen kürzester Zeit noch zur Toilette rennt, was zwar nervt, aber letztlich hinnehmbar ist. Manchmal macht Nervosität einen aggressiv. Manchmal übermütig. Vereinzelt auch hibbelig. Aber die eigene Nervosität zu durchschauen und in den Griff zu bekommen ist viel einfacher, als mit diesem Chaos im Kopf umzugehen. Das Hirnrattern ist schriller. Dein ganzes Nervensystem wummert in unerträglicher Lautstärke.

Beim Hirnrattern steigen zudem auch plötzlich Blasen in deinem Kopf auf und irren unkontrolliert umher, bis sie an Nervensträngen zerplatzen - jedenfalls fühlt es sich genau so an.

2005 gab es mal eine Situation, die genau diese Reaktion ausgelöst hat. Ich war in der zwölften Klasse und musste mich parallel um Schule und Turnen kümmern.

Wegen der Turn-Weltmeisterschaft in Melbourne, bei der ich knapp hinter Bronzemedaillengewinner Walerij Hontscharow auf Platz vier landete, fehlte ich fast den gesamten November sowie eine Woche vom Oktober in der Schule. Weil ich nicht noch mehr Fehltage aufbauen wollte, ging ich nach meiner Rückkehr aus Australien trotz zwanzigstündigen Flugs und Jetlags am nächsten Tag direkt zum Unterricht. Irgendwie hoffte ich, es würde ein entspannter Tag mit wenig Stoff und schnellem Ende.

Doch Pustekuchen! Stattdessen stand zu meiner größten Überraschung eine Klausur an, von der ich nichts geahnt hatte und auf die ich nicht im Geringsten vorbereitet war.

Als ich meiner Lehrerin entgegentrat, hoffte ich auf Verständnis und bat sie, mir wenigstens vierundzwanzig Stunden Aufschub zu gewähren angesichts der außergewöhnlichen Umstände.

Sie quittierte meinen Wunsch mit einem müden Lächeln und gab mir klipp und klar zu verstehen, dass ich wie jeder andere Schüler den Test mitzuschreiben hätte - und zwar jetzt und heute! "Es gibt keine Extrawürste. Auch nicht für Sie."

Keine fünfzig Stunden, nachdem ich in Melbourne geturnt hatte, sollte ich nun also in einer Klausur glänzen. Ich wusste so gut wie gar nichts über das Thema. Wäre ich bloß nicht hingegangen! Dieser Dreckstag gefährdete allen Ernstes mein Abitur.

Als sie die Klausur eine Woche später korrigiert zurückgab, überreichte mir die Lehrerin mein Null-Punkte-Werk mit den Worten: "Der Kopf ist nicht nur dazu da, um Medaillen drumzuhängen."

Bodenlos unverschämt, mal ganz davon abgesehen, dass es noch gar nicht so viele waren. Vier goldene bei den Jugend-Europameisterschaften 2002 in Patras und 2004 in Ljubljana. Eine weitere goldene, die ich 2005 bei den Europameisterschaften der Großen am Reck gewann.

Ganz davon abgesehen, hatte ich ja nicht versagt, weil ich faul gewesen war. Oder lieber auf Partys rumgehangen hatte.

Ich hatte, wofür es die offizielle Erlaubnis von unserem Direktor gab, beim wichtigsten Wettkampf des Jahres am anderen Ende der Welt geturnt - und die Alte verweigerte mir einen Aufschub und bot nicht einmal an, was mit meiner Sonderregel möglich gewesen wäre: dass ich stattdessen ein Referat halte.

Nachts im Bett brach das Chaos in meinem Kopf aus. Ich dachte ernsthaft darüb

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