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Der höchste Berg Traum und Albtraum Everest von Lücker, Walther (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.04.2013
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Der höchste Berg

Vom einsamen Gipfelerlebnis zum Massenziel und Schauplatz offener Gewalt:Am 29. Mai 2018 jährte sich zum 65. Mal die Erstbesteigung des Mount Everest - Magnet für Bergsteiger, Tummelplatz für Abenteurer, Ort intensiver Glücksmomente und schrecklicher Tragödien. Der Journalist, Autor und Bergsteiger Walther Lücker rollt die Geschichte auf, kritisiert die Vermüllung und den Massenansturm und zeigt auf, welchen Stellenwert der Gipfel mit seinen 16 verschiedenen Routen für die erfahrensten Alpinisten hat. Mit Originalbeiträgen prominenter Everestbesteiger dokumentiert dieser Band das Faszinosum des höchsten, meistbegangenen Achttausenders. Walther Lücker, geboren 1957 in Frankfurt am Main, ist Journalist, Autor und Bergsteiger. Er schreibt und fotografiert für verschiedene Magazine, Zeitungen und Internetseiten. Er begleitete Hans Kammerlander auf mehreren Expeditionen und ist Koautor von vieren seiner Bücher, zuletzt "Seven Second Summits". Walther Lücker lebt in Sand in Taufers, Südtirol.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 16.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492962094
    Verlag: Piper
    Größe: 16611 kBytes
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Der höchste Berg

Raum für Traum und Albtraum

Der lange Weg zum Mount Everest führte aus der Abgeschiedenheit des Himalaja zu einem Rummelplatz

Der dritthöchste Berg der Erde, ganz im Osten Nepals auf der Grenze zu Sikkim gelegen, ist ein wuchtiger Klotz und ein sehr einsamer Achttausender. Der 8586 Meter hohe Kangchendzönga, ein Riese aus Fels und Eis, einer der größten Gletscherberge der Welt, ist nicht sehr beliebt bei Höhenbergsteigern - wegen der Einsamkeit, wegen der wochenlangen Exponiertheit, der sich die Kletterer aussetzen, und nicht zuletzt auch wegen der extrem komplizierten Anstiege in Richtung Gipfel.

Drei Spanier, die alle vierzehn Achttausender innerhalb eines Jahres zu besteigen versuchten, der Italiener Fausto de Stefani auf dem Weg zu seinem vierzehnten Achttausender, ein paar Koreaner, beladen mit kilometerlangen Fixseilen und Flaschensauerstoff, und unsere kleine Expeditionsgruppe, angeführt von dem Südtiroler Ausnahmebergsteiger Hans Kammerlander - mehr Menschen bewegten sich 1998 nicht in den Flanken des Kangchendzönga.

Wir hatten in diesem Jahr unser Basislager unter der Südwestwand aufgeschlagen und waren in den ersten beiden Wochen vor allem erstaunt über die extremen Witterungsbedingungen. Bei weit über 30 Grad schwitzten wir am frühen Nachmittag und krochen in den Nächten tief in die Schlafsäcke, wenn das Thermometer oft unter 20 Grad minus fiel.

Zusammen mit Hans Kammerlander hatte ich begonnen, an seinem Buch Bergsüchtig zu schreiben. Nach drei dieser kalten Nächte fror das Display des Notebooks ein, und wir bestaunten wunderbare Eisblumen; die Buchstaben und Worte mussten wir indes durch eifriges Scrollen mit der ebenfalls träge gewordenen Maus mühsam miteinander verbinden.

All das war jedoch nichts im Vergleich zu der überwältigenden Einsamkeit am Fuß dieses Berges. Kangchendzönga bedeutet übersetzt "Die fünf Schatzkammern des großen Schnees". Manchmal hatte ich das Gefühl, in dieser Stille, in dieser grandiosen Ruhe zum ersten Mal in meinem Leben den wahren Schatz der Einsamkeit gehoben zu haben.

Die Bergsteiger aus Spanien, Italien, Korea und Südtirol sahen sich in diesem Frühjahr 1998 nur sehr selten - eigentlich fast nie. Ich kannte Nepal von Trekkingtouren, aber ich war zum ersten Mal Mitglied einer Expeditionsgruppe unter einem Achttausender. Ich weiß nicht mehr genau, was ich damals eigentlich erwartet hatte, eine derartige Abgeschiedenheit jedenfalls nicht.

Zwei Jahre zuvor hatte sich am Mount Everest jene bis heute unfassbare Katastrophe ereignet, bei der in einem Höhensturm in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1996 binnen weniger Stunden acht Menschen umkamen, fünf auf der Süd- und drei auf der Nordroute. Ich hatte, wie so viele andere Menschen auch, Jon Krakauers Buch In eisige Höhen regelrecht verschlungen. Weniger aus Sensationsgier, vielmehr hat mich seit meinen ersten Journalistentagen Ende der 1970er-Jahre der US-Reportagejournalismus auf gewisse Weise oft fasziniert. Einige US-amerikanische Schreiber sind in der Lage, selbst schlimme, höchst emotionale und aufwühlende Ereignisse mit einer derart unterkühlten Distanziertheit zu beschreiben, dass einem beim Lesen beinahe das Blut in den Adern gefriert. Doch genau mit dieser "Kälte" schaffen sie eine unmittelbare Nähe zum Ereignis, und es entsteht so eine atemraubende Atmosphäre. Ich hatte 1997 zuerst den Vorabdruck in Geo gelesen und dann das Buch. Nun, am Fuß des Kangchendzönga, las ich den Bestseller erneut. Besser gesagt, wir lasen ihn zu dritt. Wir hatten die gebundene Ausgabe in drei Teile zerrissen. Und weil ich das Buch schon kannte, durfte ich "hinten" anfangen. Hans Kammerlander las derweil die Mitte, und Konrad Auer, ein Bergführer aus Südtirol und Gipfelpartner Kammerlanders am Kangchendzönga, wollte unbedingt vorn beginnen. Als wir fertig waren, tauschten wir die Teile untereinander aus.

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