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Der Mann, der Weltmeisterin wurde Meine zwei Leben. Aufgezeichnet von Claudio Honsal von Schinegger, Erik (eBook)

  • Verlag: Amalthea Signum Verlag GmbH
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Der Mann, der Weltmeisterin wurde

Vom Sieg auf der Ski-Piste - und im wahren Leben 1966 gewinnt Erika Schinegger bei der Ski-WM in Portillo die Goldmedaille in der Abfahrt. Ein Jahr später erfährt sie das Unglaubliche: Sie ist von Geburt an ein Mann. Heute blickt Erik Schinegger auf zwei ereignisreiche Leben zurück. Authentisch und ohne Angst vor Tabus erzählt er von seinen Erfolgsjahren als Skiläuferin, von seiner Identitätskrise und der schwierigen Zeit der Richtigstellung zum Mann, den Reaktionen von Freunden, Familie und Öffentlichkeit, von seiner Entwicklung vom Super-Macho zum liebevollen Familienvater, und davon, wie er es schaffte, als erfolgreicher Skischulbesitzer einen neuen Lebensweg zu beschreiten. Mit einem Vorwort von Ski-Legende Karl Schranz und zahlreichen Abbildungen Erik Schinegger, geboren 1948 in St. Urban, Kärnten. 19 Jahre als Mädchen erzogen, Ski-Weltmeisterin 1966. Nach einem Chromosomentest 1967 medizinische Richtigstellung zum Mann und Beginn des zweiten Lebens als Erik. Kurze Ski-Karriere im ÖSV-Herren-Team, Skischule auf der Simonhöhe seit 1974 sowie 50 Jahre Tätigkeit in der Gastronomie. 1988 erschien sein erstes Buch 'Mein Sieg über mich', 2006 der Doku-Film 'Erik(a)'. Teilnahme bei 'Dancing Stars' 2014. Claudio Honsal, geboren 1958, begann als Journalist bei Ö3, später bei 'Kurier', 'News', u. a. Autor mehrerer Bestseller, u. a. der Biografien von Hermann Gmeiner, Thomas Klein und Klaus Heidegger. Freier Autor im TV- und Printbereich. Zuletzt bei Amalthea erschienen: 'Peter Alexander. Das Leben ist lebenswert' (2007), Uwe Kröger: 'Ich bin, was ich bin. Mein Leben' (2014)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783903217126
    Verlag: Amalthea Signum Verlag GmbH
    Größe: 6955 kBytes
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Der Mann, der Weltmeisterin wurde

Portillo

Prinzessin Erika in der Hofburg

Wie anders hatten die Dinge noch vor rund einem Jahr ausgesehen: Im Juli 1966 stand ich noch siegessicher in der Bundeshauptstadt. Erst vor ein paar Wochen war ich achtzehn Jahre alt geworden. Ich fühlte mich fast schon erwachsen, durfte den Führerschein von der Bezirkshauptmannschaft in Feldkirchen abholen, endlich mit meinem neuen Auto, dem silbergrauen VW Käfer, durch Kärnten düsen und war somit nicht mehr abhängig von Bus, Bahn und diversen Mitfahrgelegenheiten. Das größte Glück meines Lebens sollte mir nun aber erst bevorstehen. Ich hatte es geschafft, mich von der wilden, kleinen Erika, dem hässlichen Bauernmädel aus dem Bergdorf St. Urban, nicht nur an die Spitze des ÖSV-Kaders, sondern auch in die Herzen einer ganzen Skination zu fahren - mit viel Fleiß, vielen Rückschlägen, aber meinem kontinuierlichen Ehrgeiz, der mir bislang über jede Lebenshürde hinweggeholfen hatte.

Im Zeitraffer schossen Einzelbilder meiner sportlichen Laufbahn wie Blitze durch meinen Kopf: mein erstes primitives Paar Skier, das ich zu Weihnachten 1958 von meiner Mutter bekommen hatte, mein erster Sieg am Schulskikurs 1961, der zweite Platz bei den Kärntner Schülermeisterschaften 1962, ein Jahr später dann mehrere Siege im Kärntner Jugendkader und die Empfehlung von Trainer Charly Kahr für das ÖSV-Team, die Aufnahme in den ÖSV-Jugendkader im Jahr 1964, die unzähligen Erfolge dort und schließlich die Aufnahme in das Damenteam des Österreichischen Nationalkaders. Die Rennsaison 1966 hatte ich mit dem einzigen Sieg für das österreichische Damenteam bei den Überseerennen in Colorado abgeschlossen. Ich schien den Erfolg geradezu gepachtet zu haben. Mag sein, dass sich dieser Erfolgsfilm in meiner Gedankenwelt ganz unbewusst nur aus positiven sportlichen Ereignissen zusammengesetzt hatte. Ich war eben bester Laune, voll motiviert und glücklich. Mit meiner sportlichen Ambition konnte ich all meine privaten Probleme fabelhaft kompensieren. Wie es in mir wirklich aussah, bekam ja niemand mit.

Jetzt hatte ich einen Grund zum Jubeln: An diesem heißen Julivormittag durfte ich Wien von einer ganz anderen und neuen Seite kennenlernen. Nicht das urige Heurigenlokal unserer Gastfamilie im 18. Bezirk diente diesmal als Location, nein, ich befand mich mitten im imperialen Ambiente der Wiener Hofburg. Wie eine Prinzessin fühlte ich mich in den prunkvollen Sälen und ellenlangen Gangschluchten, die einst von Kaiserin Maria Theresia und Kaiserin Sisi durchschritten worden waren. Den Titel "Kronprinzessin" trug ich damals ja auch selbst. Die Journalisten hatten mich dazu gekürt, weil ich schon seit einiger Zeit als härteste Konkurrentin von Altstar und "Skikönigin" Christl Haas sehr gute Platzierungen für das Damenteam holte.

Nun also wurde "Prinzessin Erika" verabschiedet, in Wien, in der Hofburg, hochoffiziell und mit viel Tamtam vom Herrn Bundespräsidenten und vom Herrn Bundeskanzler höchstpersönlich. Die Österreichische Weltmeisterschafts-Mannschaft war auf dem Weg nach Portillo, und ich war dabei. Ich konnte es immer noch nicht so richtig glauben, als ich dastand unter den 16 aktiven Teilnehmern und schon bald die lange Reise nach Chile antreten sollte. Insgesamt waren es etwa vierzig Personen, die dem rot-weiß-roten Team angehörten und in der stickigen Atmosphäre der ehrwürdigen Räumlichkeiten vor sich hin schwitzten. Es war drückend schwül. Ein Getränk nach dem anderen kippte ich förmlich in mich hinein. Fruchtsäfte und Mineralwasser halfen mir, die Schwüle und die Aufregung bis zum alles entscheidenden Moment des Händeschüttelns mit den obersten Würdenträgern der Republik etwas zu unterdrücken.

Wie alle Mädchen des Teams trug ich ein einfaches blaues Kostüm. Auf der linken Brusttasche des Jacketts war das Bundeswappen mit dem Adler auf silbernem Grund gestickt. Es passte mir z

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