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Leonce und Lena Reclam XL - Text und Kontext von Büchner, Georg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.07.2013
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Leonce und Lena

Die Reihe 'Reclam XL - Text und Kontext' bietet Klassikertexte mit Kommentar und ist damit speziell auf die Bedürfnisse des Deutschunterrichts zugeschnitten. Die Bände haben nicht nur ein größeres Format als die Universal-Bibliothek, sie sind vor allem auch inhaltlich gewachsen. Auf die sorgfältig edierten Texte folgt ein Anhang mit Materialien, die das Verständnis des Werkes erleichtern und Impulse für Diskussionen im Unterricht liefern: Text- und Bilddokumente zu Quellen und Stoff, zur Biographie des Autors, zu seiner Epoche sowie zur Rezeptionsgeschichte. Die Herausgeber sind erfahrene Schulpraktiker, die die Materialien nach den gegenwärtigen Erkenntnissen von Germanistik und Schuldidaktik für jeden Band neu erarbeitet haben. Die Bände von Reclam XL sind im Textteil seiten- und zeilenidentisch mit denen der Universal-Bibliothek. UB- und XL-Ausgaben sind also nicht nur im Unterricht nebeneinander verwendbar - es passen auch weiterhin alle Lektüreschlüssel, Erläuterungsbände und Interpretationen dazu.

Georg Büchner (17. 10. 1813 Goddelau bei Darmstadt - 19. 2. 1837 Zürich) beschäftigte sich bereits während seines Studiums der Medizin mit Geschichte und Philosophie und fand zum politischen Engagement, das u. a. zur Gründung von Sektionen der geheimen Gesellschaft für Menschenrechte führte. Ein Jahr später zwang ihn die von ihm verfasste Flugschrift 'Der Hessische Landbote', in der Büchner die Landbevölkerung zur Auflehnung gegen die Oberschicht aufrief, zur Flucht. Zu seinen bekanntesten Werken zählen 'Dantons Tod', das das Thema der Französischen Revolution aufnimmt, sowie das Lustspiel 'Leonce und Lena' und das unvollendete Drama 'Woyzeck'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 95
    Erscheinungsdatum: 24.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159603339
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 1393 kBytes
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Leonce und Lena

Dritte Szene

Ein reichgeschmückter Saal, Kerzen brennen.

Leonce mit einigen Dienern.

LEONCE. Sind alle Läden geschlossen? Zündet die Kerzen an! Weg mit dem Tag! Ich will Nacht, tiefe ambrosische Nacht. Stellt die Lampen unter Krystallglocken zwischen die Oleander, dass sie wie Mädchenaugen [15] unter den Wimpern der Blätter hervorträumen. Rückt die Rosen näher, dass der Wein wie Tautropfen auf die Kelche sprudle. Musik! Wo sind die Violinen? Wo ist die Rosetta? Fort! Alle hinaus!

(Die Diener gehen ab. Leonce streckt sich auf ein Ruhebett. Rosetta, zierlich gekleidet, tritt ein. Man hört Musik aus der Ferne.)

ROSETTA (nähert sich schmeichelnd) . Leonce!

LEONCE. Rosetta!

ROSETTA. Leonce!

LEONCE. Rosetta!

ROSETTA. Deine Lippen sind träg. Vom Küssen?

LEONCE. Vom Gähnen!

ROSETTA. Oh!

LEONCE. Ach Rosetta, ich habe die entsetzliche Arbeit ...

ROSETTA. Nun?

LEONCE. Nichts zu tun ...

ROSETTA. Als zu lieben?

LEONCE. Freilich Arbeit!

ROSETTA (beleidigt) . Leonce!

LEONCE. Oder Beschäftigung.

ROSETTA. Oder Müßiggang.

LEONCE. Du hast Recht wie immer. Du bist ein kluges Mädchen, und ich halte viel auf deinen Scharfsinn.

ROSETTA. So liebst Du mich aus Langeweile?

LEONCE. Nein, ich habe Langeweile, weil ich dich liebe. Aber ich liebe meine Langeweile wie dich. Ihr seid eins. O dolce far niente , ich träume über deinen Augen, wie an wunderheimlichen tiefen Quellen, das Kosen deiner Lippen schläfert mich ein, wie Wellenrauschen. (Er umfasst sie.) Komm liebe Langeweile, deine Küsse sind ein wollüstiges Gähnen, und deine Schritte sind ein zierlicher Hiatus .

ROSETTA. Du liebst mich, Leonce?

[16] LEONCE. Ei warum nicht?

ROSETTA. Und immer?

LEONCE. Das ist ein langes Wort: immer! Wenn ich dich nun noch fünftausend Jahre und sieben Monate liebe, ist's genug? Es ist zwar viel weniger, als immer, ist aber doch eine erkleckliche Zeit, und wir können uns Zeit nehmen, uns zu lieben.

ROSETTA. Oder die Zeit kann uns das Lieben nehmen.

LEONCE. Oder das Lieben uns die Zeit. Tanze, Rosetta, tanze, dass die Zeit mit dem Takt deiner niedlichen Füße geht.

ROSETTA. Meine Füße gingen lieber aus der Zeit.

(Sie tanzt und singt.)

O meine müden Füße ihr müsst tanzen

In bunten Schuhen,

Und möchtet lieber tief, tief

Im Boden ruhen.

O meine heißen Wangen, ihr müsst glühen

Im wilden Kosen,

Und möchtet lieber blühen

Zwei weiße Rosen.

O meine armen Augen, ihr müsst blitzen

Im Strahl der Kerzen,

Und lieber schlieft ihr aus im Dunkeln

Von euren Schmerzen.

&

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