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Journalismus Das Lehr- und Handbuch von Ruß-Mohl, Stephan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.06.2016
  • Verlag: Frankfurter Allgemeine Buch
eBook (ePUB)
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Journalismus

Für viele ist es immer noch der Traumjob schlechthin: Stets sind Journalisten dabei, wenn etwas Wichtiges passiert. Sie haben Zugang zur Prominenz und erfahren ein bisschen mehr über Vorder- und Hintergründe des Geschehens als 'normale' Menschen. Aber wie den Traumjob zum Beruf machen? Das Buch leistet, woran es Einführungen in den Journalismus oftmals mangelt: Praxis und Forschung werden zusammengeführt, der Leser erhält Einblick in Arbeitsweisen und Anforderungen im Berufsalltag sowie über Journalismus und Public Relations als eng aufeinander bezogene Arbeitsfelder. Ruß-Mohl spürt dramatischen Veränderungen nach und zeigt, wie Digitalisierung und Medienkonvergenz, soziale Netzwerke und Suchmaschinen den Journalismus zunehmend prägen. Dr. Stephan Ruß-Mohl ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Università della Svizzera italiana in Lugano und Direktor des European Journalism Observatory. Bis 2001 war er Lehrstuhlinhaber an der Freien Universität Berlin. Er leitete dort den Studiengang Journalisten-Weiterbildung und das Journalisten-Kolleg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 314
    Erscheinungsdatum: 21.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956011795
    Verlag: Frankfurter Allgemeine Buch
    Größe: 5142 kBytes
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Journalismus

2. Textgattungen

Es gibt viele Formen und Wege, den Publika Neuigkeiten zu präsentieren, und dementsprechend auch eine Fülle möglicher Stilformen oder Textsorten. Im Fachjargon ist auch von Genres die Rede, und es haben sich vier "Grundtypen" herauskristallisiert: die Nachricht, die Reportage bzw. das Feature, der Kommentar und das Interview. Jeder Journalist sollte diese kennen, auch wenn sich im Online-Journalismus die Genres mehr denn je vermischen und "multimediales Storytelling" (vgl. Kapitel 8 ) zum letzten Schrei geworden ist.
2.1 Nachricht (Meldung, Bericht)

Die wichtigste Textgattung ist weiterhin die Nachricht. Sie ist das Schwarzbrot journalistischer Berichterstattung. Zu ihr kann Vieles werden, fast alles, was außergewöhnlich, aktuell und nicht alltäglich ist: " News is what's different" , sagen die Amerikaner. Das berühmteste Standardbeispiel steht in vielen Journalismuslehrbüchern: "Hund beißt Mann" ist keine Nachricht, "Mann beißt Hund" ist dagegen eine. So war es auch, gleichsam als Zitat aus den Lehrbuchklassikern, vor Jahren in der Frankfurter Rundschau zu lesen. Und so ähnlich hat der Hirsch, der drei Berliner aufgegabelt und getötet hat, auch die Seite1 des Boulevardblatts B.Z. erobert. Erlegten drei Jäger dagegen einen Elefanten, würde das noch nicht einmal eine Lokalmeldung in Kleinkleckersdorf abgeben.

Die Journalismuslehrbücher sollten allerdings umgeschrieben werden. Denn spätestens seit dem vorvorletzten Sommerloch wissen wir, dass zumindest Kampfhunde sehr wohl für Schlagzeilen sorgen können. Dabei waren sie in der Sommerhitze bestimmt nicht aggressiver und bissiger als sonst auch, nur fehlte es den Redaktionen offenbar an anderem Nachrichtenstoff.

Aber schon bevor Hunde in der nachrichtenarmen Zeit die Schlagzeilen füllten, hätte längst irgendwer Zweifel anmelden müssen, ob das Beispiel klug gewählt war. Nachzufragen wäre immerhin, ob die Mitteilung "Mann beißt Hund" wirklich Nachrichtenwert hat. Es handelt sich ja "nur" um eine unterhaltsame, aber letztlich irrelevante soft news . Der Tessiner Fernsehjournalist Aldo Sofia hat deshalb das Beispiel abgewandelt: "Hund wackelt mit dem Schwanz" sei keine News, "Schwanz wackelt mit dem Hund" ist dagegen in hohem Maße berichtenswert. 1

Wenn der Schwanz mit dem Hund wackelt, sollte dies journalistische Urinstinkte wecken: Wir möchten wissen, was hinter dem ungewöhnlichen Vorgang steckt ... Doch das ist dann schon die Überleitung zum Abschnitt Recherche (Kapitel 6 ).
Aktualität

"Was neu, was wichtig und was interessant ist, ist eine Nachricht", so würden wohl die meisten Praktiker definieren (Schneider/Raue 1998 Neuaufl., 54 ff.). Aktualität ist das allererste Auswahlkriterium des Nachrichtenjournalismus. Sie wird dabei verstanden als zeitliche Unmittelbarkeit . Einer der Gründerväter der Publizistikwissenschaft, Emil Dovifat, sprach vom "jüngsten Gegenwartsgeschehen" (Dovifat/Wilke 1976 Neuaufl., 17). Journalismus ist stets auch die Jagd nach den neuesten Neuigkeiten.

Kritik an diesem eindimensionalen Aktualitätsbegriff wurde vielfach geübt. Der gängige Vorbehalt lautet, im Journalismus rangierten "Neuigkeiten vor Wichtigkeiten", so soll es der Soziologe Niklas Luhmann auf den Punkt gebracht haben. Werden indes wichtige Neuigkeiten einmal nicht sofort berichtet, wie etwa die Raub- und Sexualdelikte der Silvesternacht 2015/16 in Köln, ist es auch nicht recht, und ganz schnell zirkulierte im Netz die Verschwörungstheorie vom Schweigekartell. Offenbar waren sowohl beim riesigen WDR als auch beim Express und beim Kölner Stadtanzeiger so wenig Redakteure im Einsatz, dass die Medien kollektiv der beschwichtigenden und krass fehlinformierenden Pressemitteilung der Kölner Polizei auf den Leim gingen, es sei ein friedlicher Neujahrsbegi

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