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Paradoxien des Journalismus Theorie - Empirie - Praxis

  • Erscheinungsdatum: 22.02.2009
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
eBook (PDF)
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Paradoxien des Journalismus

Prof. Dr. Bernhard Pörksen ist Juniorprofessor für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg. Dr. Wiebke Loosen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg. Priv.-Doz. Dr. Armin Scholl ist Akademischer Oberrat am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 737
    Erscheinungsdatum: 22.02.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531918167
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 5404 kBytes
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Paradoxien des Journalismus

Schule des Sehens (S. 663-664)

Aporien und Paradoxien des Journalismus als zentrale Elemente einer Fachdidaktik

Bernhard Pörksen

1 Aporien des journalistischen Handelns: eine Fallgeschichte

Es ist etwa 12 Uhr am 11. Oktober 1987, und der Stern-Reporter Sebastian Knauer und sein Kollege, der Fotograf Hanns-Jörg Anders, finden endgültig, dass sie lange genug gewartet haben bzw. nun nicht mehr länger warten können. Sie sind nach Genf geflogen, um ein Interview mit dem inzwischen zurückgetretenen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, zu führen.1 Barschel ist zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend demontiert: Er gilt als ein Ministerpräsident, der womöglich versucht hat, mit schmutzigen Tricks an der Macht zu bleiben, der aller Wahrscheinlichkeit nach seinen Widersacher im Wahlkampf, Björn Engholm, bespitzeln lässt, der - so die Aussagen seines Medienreferenten Reiner Pfeiffer - andere beauftragt hat, Björn Engholms Sex-Leben auszuforschen. Nun ist er in Genf - angeblich, um dort einen Entlastungs-Zeugen zu treffen, der alle Vorwürfe als Resultat einer bösartigen Medien-Verschwörung entlarvt. Beide Journalisten sind Profis. Sie haben über einen freien Mitarbeiter herausgefunden, dass Uwe Barschel im Edel-Hotel Beau-Rivage abgestiegen ist, dass er im Zimmer 317 wohnt.

Sie sind sehr früh aufgestanden an diesem Tag, um den Ministerpräsidenten im Frühstückssaal abzupassen, sie behalten Ein- und Ausgang des Hotels über Stunden hinweg im Blick. Und sie haben den Mann an der Rezeption immer wieder im Zimmer 317 anrufen lassen, aber es geschieht nichts, es passiert nichts. Uwe Barschel zeigt sich nicht, und so geht Sebastian Knauer wieder einmal in den dritten Stock, sieht das Schild mit der Aufschrift "Bitte nicht stören!" - und klopft zum wiederholten Male. Als er keine Antwort bekommt, drückt er die Türklinke nach unten, ruft laut nach Barschel und betritt, da offenbar niemand abgeschlossen hat, schließlich den Raum. Im abgedunkelten Zimmer: ein einzelner Schuh auf dem Boden, ein unbenutzt wirkendes Bett, ein aufgeschlagenes Buch des Existenzialisten Jean-Paul Sartre und von Hand beschriftete Notiz-Blätter zum Untersuchungsausschuss in Kiel, die offenbar von dem Gesuchten stammen.

Alles wirkt ein bisschen inszeniert. Sebastian Knauer nimmt die Notizen, die von einem mysteriösen Informanten "R. R." handeln, an sich, er bittet den Fotografen, der die Hotel-Eingänge observiert, die Papiere zu fotografieren, bringt diese dann zurück. Wieder im Zimmer 317 sucht er weiter, öffnet schließlich die Tür des Badezimmers. Was er dann sieht, hat der Spiegel-Redakteur Norbert F. Pötzl in einer minutiösen Recherche-Arbeit und in äußerst drastischer Weise folgendermaßen beschrieben: "In der Badewanne liegt, unter spiegelglatter Wasserfläche, der leblose Körper Uwe Barschels, die Haut blaß und aufgedunsen, die rechte Hand mit einem Frotteehandtuch umwickelt, die linke über der nassen Hemdenbrust.

Nichts deutet 'auf irgendeine Art von Leben' hin: Uwe Barschel, bis vor neun Tagen Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, ist tot - laut Polizei seit mindestens 11 Uhr." (Pötzl 1989: 206) Natürlich kann man, spätestens in diesem Moment, den Reporter Sebastian Knauer verurteilen. Denn Knauer fotografiert blitzschnell und gleichsam reflexartig, er macht drei Bilder des Toten und vier des Hotelzimmers, eilt danach zur Rezeption, veranlasst, dass ein Notarzt und die Polizei gerufen werden. Dann meldet er sich, wie auch bereits am Vormittag, in der Stern-Redaktion, telefoniert mit einem der Chefredakteure, bittet um juristische Unterstützung.

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