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Einführung in die Archivkunde von Franz, Eckhart G. (eBook)

  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Einführung in die Archivkunde

Archive sind das wichtigste Quellenreservoir für Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften, sie sind das Gedächtnis der Verwaltung und Geschäftsführung. Die ?Einführung in die Archivkunde? gibt einen Abriss der Archivgeschichte von den antiken Anfängen bis zu den unterschiedlichen Archiven der Gegenwart. Sie behandelt die Formen archivalischer Überlieferung: Urkunden, Akten, Amtsbücher, aber auch audiovisuelle Dokumente und elektronische Datenträger. In der Arbeit des Archivars setzen die Fragen des Datenschutzes und ein verstärkter Öffentlichkeitsauftrag neue Akzente. Fallbeispiele erläutern Möglichkeiten und Probleme der Archivbenutzung. Ein Anhang enthält Literaturhinweise sowie Anschriften der staatlichen Archive Deutschlands und der europäischen Nachbarländer. Die komplett überarbeitete und erweiterte 9. Auflage trägt nun auch der digitalen Entwicklung Rechnung und berücksichtigt aktuelle Verfahren sowie neue Techniken.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 176
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534736522
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1801 kBytes
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Einführung in die Archivkunde

II. Die Archive

3. Geschichtliche Entwicklung

Die Frühgeschichte des Archivwesens beginnt mit der Erfindung der Schrift. Am Anfang stehen die Keilschrifttontafeln aus der vierten Grabungsschicht der Sumererstadt Uruk (Warka) am Unterlauf des Euphrat, die aus der Zeit kurz nach 3000 vor Beginn unserer Zeitrechnung stammen, Schriftgut aus der Wirtschaftsverwaltung des Eanna-Tempels, organisch erwachsene schriftliche Dokumentation wirtschaftlich-administrativer Tätigkeit, wie dies in der Beschreibung des archivischen Schriftguts gefordert wurde. Ein Großteil der wohl mehr als 400.000 Tontäfelchen aus den frühen Reichen des Vorderen Orients , die in den letzten 100 Jahren gefunden wurden, gehören in den Bereich des Kanzleischriftguts. In den Resten der Kanzleibauten der Stadt Lagasch fielen den Ausgräbern mehr als 30.000 Tafeln aus den Jahrzehnten um 2000 in die Hände. Im Königspalast der 1695 vor Christi von Hammurabi eroberten Stadt Mari fanden sich über 10.000 Tafeln mit der politischen Korrespondenz der letzten Mari-Könige einschließlich der Tontafeletiketten, mit denen die Aufbewahrungskörbe gekennzeichnet waren. Tontafelfunde im ägyptischen Tell el Amarna, in Ugarit (Ras Schamra) an der syrischen Mittelmeerküste und in der Hethiterhauptstadt Hattuscha (Bogazköy, Bo azkale) östlich von Ankara überliefern den diplomatischen Schriftverkehr der Mittelmeerreiche aus der zweiten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends. Man fand die Dienstregistraturen von Provinzstatthaltern, aber auch die Firmenarchive zweier Bankhäuser in Nippur und Babylon, die mit je 3000 bis 4000 Tontafeln bis in die persische Zeit herabreichen.

Streng genommen bilden freilich all diese in ihrer reichen Vielfalt eindrucksvollen Funde, vielfältiger fast als die spärliche Überlieferung des europäischen Frühmittelalters, zwar Kanzlei- oder Registraturschriftgut, nicht aber eigentliche Archive. Ihre Erhaltung über viele Jahrtausende hinweg ist wohl in keinem Fall dem bewussten Willen zur dauernden Aufbewahrung, eher willkürlichen Zufälligkeiten, vor allem aber der Dauerhaftigkeit des Tontafelmaterials zu danken, die durch das härtende Feuer einer Eroberung nur vermehrt wurde. Mit dem Übergang von der Tontafel zu vergänglichen Beschreibstoffen wie Leder, Holztafeln oder auch Papyrus brechen die Schriftgutfunde gegen Ende der "alten Reiche" im 6. Jahrhundert fast schlagartig ab. Nur bescheidene Reste aus der Registratur des Satrapen in Ägypten und mittelbare Überlieferung bezeugen die durchaus fortschrittliche Kanzleipraxis des Perserreiches.

Auch für das antike Griechenland fanden sich einzelne Tontafelbestände in den kretischen Königspalästen der minoischen Kultur oder im etwas jüngeren Palast von Pylos auf dem Peloponnes (um 1200 v. Chr.), während das archivische Schriftgut der klassischen Zeit vergangen ist. Wir wissen allerdings, dass es in Athen neben den Amtsregistraturen oder archeia der einzelnen Behörden bereits ein echtes Archiv gegeben hat, dazu bestimmt, die Gesetze und die in ihnen verbrieften Rechte der Bürger auf Dauer zu verwahren und zu sichern. Lag die Aufsicht gemäß einer Anordnung Solons zunächst beim Areopag, so ging sie mit der perikleischen Staatsreform um 460 auf eine Kommission von sieben Gesetzeswahrern oder nomophylakes über. Aufbewahrungsort war damals das Rathaus, ab dem 4. Jahrhundert dann der ausgebaute Kybele-Tempel des sog. Metroon , der 267 nach Christi bei einem Einfall der (ost-)germanischen Heruler zerstört wurde. Verwahrt wurden neben den Gesetzestexten die Beschlüsse von Rat und Volksversammlung, die Akten der großen Staatsprozesse, die abgehörten Rechnungen der Beamten und sonstige Staatsschriften, zu denen auch die Belegexemplare der im Staatsauftrag erstellten Dramen zählten, ein Auslesearchiv des wertvollsten staatlichen Schriftg

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