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'Einheimische Begriffe' und Disziplinentwicklung

  • Erscheinungsdatum: 09.05.2014
  • Verlag: Garamond Verlag
eBook (ePUB)
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'Einheimische Begriffe' und Disziplinentwicklung

Die Beiträge der 7. Fachtagung der Internationalen Herbart-Gesellschaft, die hier dokumentiert sind, nehmen den Impuls auf, den Herbart mit seiner Forderung nach den 'einheimischen Begriffen' der Pädagogik setzte, und diskutieren die Bedeutung von erziehungswissenschaftlicher Fachsprache und Fachsystematik sowohl für ein reflektiertes pädagogisches Handeln als auch den konstruktiven disziplinären wie interdisziplinären wissenschaftlichen Diskurs. Zugleich gab es auf der Konferenz eine Premiere: Erstmals vergab die Gesellschaft einen Nachwuchspreis. Die herausragenden Bewerberaufsätze finden sich als Preisschrift im Anhang dieses Tagungsbandes, die mit der Laudatio zum Siegerpreis eröffnet wird.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 09.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944830537
    Verlag: Garamond Verlag
    Serie: Herbartstudien Bd.5
    Größe: 2901 kBytes
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'Einheimische Begriffe' und Disziplinentwicklung

C ORNELIA A REND -S TEINEBACH
Zur Standardorientierung in der Erziehungswissenschaft. Anspruch und Systematik im Vergleich zu Herbarts Programm der Suche nach den 'einheimischen Begriffen'

1 Einleitung

Der Beitrag geht der Frage nach, ob mit der sogenannten Standardorientierung in der Erziehungswissenschaft ein ähnlich systematischer Versuch unternommen wird, wie ihn Herbart mit der Suche nach den 'einheimischen Begriffen' der Erziehungswissenschaft gedacht hat. Auf den ersten Blick könnte man denken, durch die Formulierung und Verabschiedung von Standards, z. B. durch die Kultusministerkonferenz für die Lehrerbildung (KMK 2004a), sei endlich geklärt, was das richtige und gute Handeln eines Lehrer ausmacht. Eigentlich müsste man nun nur noch die formulierten Standards für die Lehrerbildung zur Hand nehmen, die Studierenden dementsprechend ausbilden und wir hätten rein gar keinen Anlass mehr, uns mit der Frage auseinanderzusetzen, was das Geschäft der Erziehungswissenschaft ist. Im Folgenden werden zunächst der Anspruch und die zugedachten Funktionen der 'einheimischen Begriffe' und der Standardorientierung vergleichend herausgearbeitet, danach ein den Anspruch prüfender Blick auf die Standards für die Lehrerbildung gerichtet und zuletzt der verbleibende Mehrwert der Standardorientierung resümiert.

2 Anspruch der 'einheimischen Begriffe' und der Standardorientierung im Vergleich

Lässt man den Anspruch und die Funktionen der 'einheimischen Begriffe' Revue passieren, so kann man zusammenfassen, dass die Beschäftigung mit den 'einheimischen Begriffen', so Prange, einen programmatischen Charakter enthält und auch im Sinne einer "Behauptung" zu verstehen ist, "dass es solche Begriffe wirklich gibt, die der Pädagogik und nur dem von ihr formulierten Zusammenhang angehören" (Prange 2012, S. 19). Kurzum kann man sagen, dass es um nichts weniger geht, als die Identität der Erziehungswissenschaft als eigenständige Wissenschaft zu entfalten und zu behaupten - nicht aus strategischer Motivation, sondern aus systematischem, auf die Sache blickenden Anspruch heraus. Die Besinnung auf die 'einheimischen Begriffe' soll die Pädagogik vor der "Gefahr" bewahren, "als entfernte, eroberte Provinz von einem Fremden aus regiert zu werden", so Herbart (Herbart 1806/1965, S. 12). Auf den handelnden Pädagogen bezogen kann man mit Coriand sagen, dass die 'einheimischen Begriffe' "dem professionell pädagogisch Handelnden grundsätzliche Orientierung geben und ihm zugleich als Reflexionsinstanz dienen" sollen (Coriand 2006, S. 7, Hervorh. C. A.-S.). Zugleich soll "das Begriffssystem nicht zum Korsett pädagogischen Überlegens und Handelns werden [...], sondern [man soll] damit selbstständiges Denken [...] kultivieren, das schließlich in verantwortungsbewusstes Entscheiden und Handeln in Abhängigkeit von der konkreten pädagogischen Situation münden soll" (ebd., S. 8).

Seit einiger Zeit kann man in der Bildungspolitik eine Entwicklung beobachten, die sich mit Standardorientierung 6 bezeichnen lässt. Dabei sollen Standards - ganz allgemein gesprochen - für die Schulbildung und die Lehrerbildung formuliert werden, die mithilfe von Messungen eine Verbesserung des Lernens und Lehrens bezwecken sollen. Im Folgenden werden Anspruch und Funktion der Standardorientierung herausgearbeitet, wobei der Blick zumeist auf die 'Standards für die Lehrerbildung' der Kultusministerkonferenz gerichtet ist.

"Ein wesentliches Element zur Sicherung und Weiterentwicklung schulischer Bildung stellt die Einführung von Standards und deren Überprüfung dar" (KMK 2004a, S. 1). So heißt es unvermittelt und ohne die Angabe von Argumenten im Vorwort der von der Kultusministerkonfer

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