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Die natürliche Erziehung in Jean-Jacques Rousseaus 'Émile' zwischen Natur und Kultur von Bräutigam, Eva (eBook)

  • Erschienen: 22.10.2014
  • Verlag: GRIN Verlag
eBook (ePUB)
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Die natürliche Erziehung in Jean-Jacques Rousseaus 'Émile' zwischen Natur und Kultur

Examensarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Pädagogik - Allgemein, Note: 1,0, Universität Koblenz-Landau (Erziehungswissenschaft), Sprache: Deutsch, Abstract: Jean-Jaques Rousseau entwirft in seinem Roman 'Émile ou de l'Éducation' von 1762 das Programm einer natürlichen Erziehung. Im Anschluss an seine beiden kulturkritischen Discourse baut sich auch der Émile vor der für Rousseau grundlegenden Antinomie von guter idealisierter Natur und depravierter Kultur auf. In der Analyse des Programms einer Erziehung gemäß der Natur zeigt sich dieses Spannungsverhältnis, und es tritt deutlich eine kulturkritische Perspektive hervor. Jedoch klingt bei genauerer Betrachtung des pädagogischen Konzepts eine zweite, etwas subtilere Bedeutungsebene an: die systematische Vorbereitung auf ein kulturelles Leben verbunden mit einer sich stetig entwickelnden Hinwendung zu Kultur und Gesellschaft. Somit belässt es Rousseau nicht bei einem unüberwindbaren Gegensatz, vielmehr wird über den Weg der Erziehung eine Vermittlung von Natur und Kultur angestrebt und eine Entwicklung aufgezeigt, an deren Ende der natürliche Mensch stehen soll.

Produktinformationen

    Größe: 2241kBytes
    Reihe (Teil): Akademische Schriftenreihe Bd.V281752
    Herausgeber: GRIN Verlag
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 68
    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    ISBN: 9783656819875
    Erschienen: 22.10.2014
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Die natürliche Erziehung in Jean-Jacques Rousseaus 'Émile' zwischen Natur und Kultur

2. Kapitel: Die Grundzüge einer natürlichen Erziehung

Schon zu Beginn des ersten Buches lässt Rousseau keinen Zweifel daran aufkommen, dass der Mensch einer Erziehung bedarf: "Was uns bei der Geburt fehlt und was wir als Erwachsene brauchen, das gibt uns die Erziehung." (Rousseau 1998: 10) Die natürliche Erziehung muss aber eine Erziehung gemäß der Natur sein, bei der die Natur die Lehrmeisterin des Kindes ist. Im Folgenden sollen wesentliche Elemente dieser natürlichen Erziehung dargestellt werden.

2.1 Die negative Erziehung

Der Begriff der negativen Erziehung stellt einen Zentralbegriff der Rousseauschen Pädagogik dar. Seine Vielschichtigkeit und Undeutlichkeit wurde Anlass zu zahlreichen Diskussionen (siehe Röhrs 1957: 174). Daher sollen zunächst einzelne Bedeutungsschichten des Begriffes herausgearbeitet werden. Danach erfolgt eine Einordnung des Begriffes in das Konzept der natürlichen Erziehung. An den wenigen Stellen, in welchen Rousseau im Émile das Wesen seiner natürlichen Erziehung näher beschreibt, betont er immer wieder deren scheinbar passiven Charakter. So führt er bereits zu Beginn des ersten Buches, bei der Frage, was man für die Erziehung eines natürlichen Menschen tun müsse, aus: "Zweifellos viel: nämlich verhindern, dass etwas getan wird." (Rousseau 1998: 14) Insbesondere die erste Erziehung in der eigentlichen Kindheitsphase solle von negativer Natur sein: "Die erste Erziehung muß also rein negativ sein. Sie darf das Kind nicht in der Tugend und in der Wahrheit unterweisen, sondern sie muß das Herz vor Laster und den Verstand vor Irrtümern bewahren. [...] Ihr habt mit Nichtstun begonnen und endet mit einem Erziehungswunder." (ebd.: 72-73) Aber besteht die natürliche Erziehung tatsächlich in einem pädagogischen Nichtstun? Teilweise wurde der Begriff der negativen Erziehung so interpretiert und von der sogenannten Antipädagogik in ein Konzept einer freien Entwicklung des Kindes ohne jegliche pädagogische Einwirkung umgedeutet. Hierbei wurde Rousseau insoweit missverstanden, da er nicht beabsichtigte, auf pädagogische Maßnahmen zu verzichten. Es ging ihm erst einmal darum, ein anderes Verständnis von pädagogischer Einwirkung zu fordern (siehe Schäfer 2002: 92-93).

In dem Begriff der negativen Erziehung tritt demnach zunächst Rousseaus kulturkritische Sichtweise hervor. Die geforderte Negativität beinhaltet zuerst einmal das Ziel, alle Einflüsse der verderbten Kultur und Gesellschaft vom Kind fernzuhalten, sodass es sich in ländlicher Abgeschiedenheit gemäß der Natur entwickeln kann (vgl. Forschner 1977: 185-186). Die Bewahrung der natürlichen Güte des Kindes, auf welche die natürliche Erziehung ausgerichtet ist, erfordert daher einen Rückzug in die natürliche Umgebung, um das Kind vor den schädlichen Einflüssen der entarteten Kultur und Gesellschaft zu schützen (siehe Jimack 1983: 47).

Des Weiteren verbirgt sich hinter dem Begriff der negativen Erziehung Rousseaus heftige Ablehnung der traditionellen, mithin auf direkte Einwirkungen abzielenden, positiven Erziehung. Er kann folglich auch sozusagen als konzipierter Gegenbegriff zur konventionellen Erziehung gesehen werden. So übersteigert Rousseau seine Ablehnung dieser Erziehung mit den Worten: "Tut das Gegenteil vom Üblichen und ihr werdet fast immer das Richtige tun." (Rousseau 1998: 73)

Demgemäß darf sich die natürliche Erziehung um keinen Preis an der kulturellen und gesellschaftlichen Praxis der üblichen Erziehung orientieren. Rousseau wendet sich gegen diese traditionellen Erziehungsvorstellungen, da sie bereits von klar formulierten gesellschaftlichen Zielvorstellungen ausgehen und die Kinder zu früh darauf verpflichten (vgl. K

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