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Sozialgeschichte der Erziehung Von der Antike bis in die Moderne von Hoyer, Timo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.11.2015
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Sozialgeschichte der Erziehung

Wer sich mit aktuellen Erziehungsfragen auseinandersetzt, sollte sich auch einen Überblick über die bisher praktizierten Erziehungsformen verschaffen. Timo Hoyer führt in diesem Band anschaulich in die Sozialgeschichte der Erziehung, der Kindheit, der Familie und der Schule ein. Er spannt den Bogen von der Antike bis zur Moderne und betrachtet dabei vor dem Hintergrund der jeweiligen politischen und kulturellen Situation sowohl die Aspekte der privaten als auch der öffentlichen Erziehung. So rekonstruiert und analysiert der Autor bspw. die klösterliche Bildung im Mittelalter, die Gouvernanten und Hofmeister der frühen Neuzeit, die Kinderarbeit während der Industriellen Revolution oder die Entwicklung vorschulischer Erziehungseinrichtungen und Kindergärten. Damit ermöglicht er es dem Leser, die aktuellen Reformdebatten in einen historischen Kontext einzubetten und neu zu bewerten. Timo Hoyer studierte Erziehungswissenschaften, Philosophie und Neuere deutsche Literatur in Frankfurt am Main. Für seine Dissertation wurde er 2001 mit dem Georg-Forster-Preis der Universität Kassel ausgezeichnet. Anschließend habilitierte er ebenfalls an der Universität Kassel. Nach seiner Ernennung zum Privatdozenten im Jahr 2005 wechselte er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Sigmund-Freud-Institut nach Frankfurt am Main. 2011 wurde er von der Universität Kassel zum außerplanmäßigen Professor ernannt, 2013 erfolgte die Umhabilitation an die Pädagogische Hochschule Karlsruhe, wo er derzeit als apl. Professor lehrt und forscht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 156
    Erscheinungsdatum: 01.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534728213
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1032 kBytes
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Sozialgeschichte der Erziehung

A Anfänge abendländischer Erziehung: Antike und Mittelalter

Frühformen der Erziehung

Für den instinktarmen, lern- und gemeinschaftsbedürftigen Menschen gibt es praktisch keine Alternative zur Erziehung. Salopp ausgedrückt: "Auch in einfachsten Gesellschaften wird man finden, daß die Kinder darauf hingewiesen werden, daß sie zum Pinkeln die Hütte verlassen müssen" (Luhmann 2002, S. 60). Frühformen der Instruktion, Initiation und der beabsichtigten Einflussnahme auf die Entwicklung der jüngeren Generation sind bereits in prähistorischen oder präliteralen Kulturen nachweisbar (vgl. Alt 1956; Freyer 1982). Arrangements des Zusammenlebens von Mann, Frau und Kindern, also die soziale Institution der Familie, sind ebenfalls ein durchgängiges Merkmal der Gattung Homo , sicher bezeugt sind sie spätestens für den frühen Homo sapiens (vgl. Parzinger 2014). In den schrift- und rechenkundigen Hochkulturen Ägyptens, Chinas oder Indiens kam es zudem Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung zur regelrechten Organisation von Unterricht (vgl. Schöneberg 1981).

Griechisch-römisches Altertum

Trotzdem beginnt die pädagogische Geschichtsschreibung für gewöhnlich im klassischen griechisch-römischen Altertum. Die Exklusion der Prähistorie, die immerhin zwei Millionen Jahre Menschheitsgeschichte umfasst, und die eurozentrische Fokussierung, zu der sich auch die vorliegende Darstellung aus Raumgründen gezwungen sieht, ist unbefriedigend. Inhaltlich zu rechtfertigen wäre der Eurozentrismus noch am ehesten mit der dezidiert abendländischen Traditionslinie. "Die Geschichte der Erziehung in der Antike ist für unsere moderne Kultur nicht gleichgültig", schreibt Henri-Irénée Marrou in seiner monumentalen Studie über die Anfänge organisierter Erziehung, "sie führt die unmittelbaren Ursprünge unserer eigenen erzieherischen Tradition vor Augen" (Marrou 1957, S. 2). Die Auffassung, sämtliche Errungenschaften okzidentaler Kultur, vornean die pädagogischen, speisten sich aus griechisch-römischen Quellen, ist ohne Frage übertrieben und einseitig. Vernachlässigt werden beispielsweise die Einflüsse des Judentums. Unbestreitbar indes stellt die antike Mittelmeerregion rezeptions- und wirkungsgeschichtlich den kaum zu überschätzenden Ausgangs- und Referenzpunkt der abendländischen Erziehungsgeschichte dar.

Klassikerrezeption der Antike

Das trifft besonders auf das "geistige Erbe" der Antike zu. Um 500 v. Chr. setzte im Zuge der Demokratisierung griechischer Stadtstaaten die theoretisch fundierte und schriftlich fixierte Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Erziehung ein (vgl. Hoyer 2005a). Die wirkungs-, motiv- und rezeptionsgeschichtlichen Spuren dieser bemerkenswerten Zeugnisse früher pädagogischer Reflexion reichen bis in unsere Zeit.

Sozialgeschichte der antiken Erziehung

Dagegen hat die Wissenschaft den empirischen Erziehungsverhältnissen der Antike wesentlich seltener Beachtung geschenkt. Das sozialgeschichtliche, auf dokumentarische Quellen beruhende Studium des antiken Erziehungssystems erlaubt aber Einblicke in die gesellschaftlichen Strukturen und Entwicklungsprozesse der damaligen Ära, die der Ideen- und Personengeschichte verschlossen bleiben (vgl. Christes et al. 2006). Bis heute leidet das in der pädagogischen Literatur kursierende Bild vom griechisch-römischen Altertum an ideellen Überhöhungen, die der affirmativen Rezeption der "Klassiker" (Platon, Aristoteles etc.) geschuldet sind. Die Sozialgeschichte trägt unweigerlich zur Entidealisierung dieser Epoche bei: Weder in Athen noch in Rom, weder in der häuslichen Erziehung noch im organisierten Unterricht lagen mustergültige Bedingungen vor.

Mittelalter

Während Altertumswissenschaftler der Ansicht Geltung verschafften, im alten Griechenland habe die kulturelle "Wiege Europas" gestanden, machen sich Mediävisten dafür stark, erst das ch

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