text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Praxisbuch Jungen in der Schule Pädagogische Handlungsmöglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer von Winter, Reinhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2018
  • Verlag: Beltz
eBook (ePUB)
18,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Praxisbuch Jungen in der Schule

Jungen werden heute vielfach als Bildungsverlierer bezeichnet. Auch wenn diese Bezeichnung dramatisiert: Am schlechteren Schulerfolg von Jungen ist erkennbar, dass es Schwierigkeiten gibt; zudem erleben Lehrkräfte ihr Verhalten immer mehr als herausfordernd. Bislang blieben die Diskussionen um Jungen in der Schule in Fakten und Klischees stecken. Ideen für eine Veränderung finden sich kaum. Aber wo können Lehrkräfte ansetzen, damit sich Jungen weniger anstrengend verhalten? Was brauchen Jungen, um Schule gut zu bewältigen und nicht noch mehr zurückzufallen? Was können Lehrer_innen dazu beitragen? Diese und andere Fragen beantwortet das Praxisbuch. Es stellt Hintergrundwissen zur Verfügung, um "männliches" Verhalten von Jungen verstehen und erklären zu können, entwickelt Anwendungsthemen, auf die es in der Arbeit mit Jungen in der Schule ankommt, und enthält Vorschläge zur Beziehungsgestaltung. Eine umfangreiche Sammlung aus erprobten Spielen und Übungen ermöglicht eine direkte Umsetzung in der schulischen Praxis. Dr. Reinhard Winter ist der profilierteste Jungenexperte im deutschsprachigen Raum. Er ist Diplompädagoge und in der Leitung des Sozialwissenschaftlichen Instituts Tübingen (SOWIT). Er arbeitet in der Jungen- und Männerberatung, in der Jungenforschung sowie in der Qualifizierung von Lehrern und Fachkräften in der Sozialen Arbeit zu Jungenthemen. Der Autor mehrerer erfolgreicher Bücher erreicht auch mit zahlreichen Veranstaltungen, Vorträgen, Coachings und Beratungen Eltern und Menschen, die mit Kindern, Jugendlichen und Familien arbeiten. Reinhard Winter ist verheiratet, Vater zweier erwachsener Kinder und lebt in Tübingen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 166
    Erscheinungsdatum: 18.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407631091
    Verlag: Beltz
    Größe: 3613 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Praxisbuch Jungen in der Schule

1 Bedenkliche Symptome

Dafür, dass Jungen fachlich in den Blick genommen werden, gibt es gute Gründe: Jungen werden im Geschlechtervergleich häufiger als Problemträger identifiziert, sie tragen einen guten Teil dazu bei, dass Lehrkräfte die Arbeit in der Schule als anstrengend, heraus- oder sogar überfordernd erleben. Große Dramen und Exzesse sind zwar selten, wie sie sich etwa vor einigen Jahren in der Rütli-Schule in Berlin abgespielt haben. Dennoch fordert der Alltag mit vielen Jungen in der Schule Lehrkräfte heraus und bringt manche an ihre Grenzen. Sorgen um Jungen sind genauso berechtigt wie um die Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihnen arbeiten.

Dass es in vielen Bereichen in der Schule Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen gibt, gehört sowohl zum Alltagswissen, wie es auch durch Studien belegt ist. Ein Teil der Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen, die sich in Untersuchungen als Mittelwerte abbilden, ist nur klein, meist ist die Vielfalt unter Jungen größer, als der Vergleich des Durchschnitts zwischen Mädchen und Jungen. Dennoch gibt es Trends und Tendenzen, die auf Entwicklungspotenziale oder Förderbedürfnisse hinweisen, und die vielleicht als ein Mosaikstein neben anderen bedeutsam sind. Meistens ist bei diesen Unterschieden ungeklärt, ob nach den Tendenzen Jungen "so sind" oder ob sie "so geworden" sind: also ob die Tendenzen genetisch angelegt sind oder biografisch erworben und gelernt wurden.
1.1 Jungen und Schule: Daten und Fakten

Achtung, Stereotypenalarm!
Geschlechtervergleiche sind immer mit Vorsicht zu behandeln, weil die Informationen die Wahrnehmung beeinflussen. Damit schaffen sie erst die Wirklichkeit, die sie abzubilden vorgeben. Sie können das Denken in Stereotypen verfestigen und fördern die selektive Wahrnehmung!

Wenn ich neu in eine Schule komme, frage ich oft: Wie ist es denn bei Ihnen, wenn Sie im Lehrerzimmer über Schüler reden, wie groß ist denn der Anteil der Jungen? Immer liegt diese Quote weit über den Mädchen: bei 75 Prozent, meistens bei 80 Prozent oder 90 Prozent. Jungen machen in der Schule Probleme, was an Störungen, Regelverletzungen, an ihrem auch bewegungsfreudigen, "wilden", verbal-prahlerischen oder kampfeslustigen Verhalten auffällig wird, aber auch an der Wiederholerquote oder bei den Noten; Jungen sind im Durchschnitt während des Unterrichts weniger aufmerksam; Störungen gehen mehr von Jungen aus als von Mädchen, das gilt auch bei Vorfällen außerhalb des Klassenzimmers. Und auch bei Extremen wie der totalen Schulverweigerung sind überwiegend Jungen vertreten (es gibt keine exakte Statistik, geschätzt sind etwa zwei Drittel aller Schulverweigerer männlich).

Neben solchen eher qualitativen Wahrnehmungen in Schulen gibt es eine ganze Reihe harter Fakten und belastbare Daten, die darauf hindeuten, dass es mit Jungen in der Schule oft gar nicht so gut läuft:

Bildungsstatistiken belegen seit Jahren den schlechteren Schulerfolg von Jungen. Am Ende (Zahlen: 2015) verlassen 5 Prozent der Jungen, aber nur 3 Prozent der Mädchen die Schule ohne Abschluss. Mit einem Hauptschulzeugnis beenden 14 Prozent der Jungen ihre Schulkarriere, aber nur 10 Prozent der Mädchen. Bei den Realschulabschlüssen liegen Mädchen und Jungen etwa gleichauf. Aber die Abiturquote von Mädchen ist seit 1981 höher als bei Jungen. Fast ein Drittel aller Mädchen (31,8 Prozent) die 2015 die Schule verlassen haben, hatte die allgemeine Hochschulreife; bei den Jungen ist es nur knapp über einem Viertel (25,6 Prozent).

Während ihrer Schulkarriere werden Jungen mehr "abgeschult", das bedeutet, dass sie eine Schule mit einem höheren Bildungsziel verlassen müssen. In Hamburg z.B. sind zwei Drittel aller Schüler, die am Ende von Klasse sechs das Gymnasium verlassen müssen, Jun

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen