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Didaktik des Ethikunterrichts Bausteine einer integrativen Wertevermittlung von Pfeifer, Volker (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.07.2013
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
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Didaktik des Ethikunterrichts

Was ist das Proprium einer Didaktik des Ethikunterrichts und wie unterscheidet sie sich von anderen vergleichbaren Didaktiken? Unter dieser Fragestellung will dieses Lehr- und Arbeitsbuch eine praktische Orientierung bieten und die für den Ethikunterricht konstitutiven didaktischen Problemfelder exemplarisch darstellen: Welches sind die spezifischen Lernprozesse im Ethikunterricht? Wie lassen sich Unterrichtsziele und -inhalte didaktisch legitimieren? Welche spezifischen Formen ethischen Argumentierens bieten sich für den Ethikunterricht an? Welche Rolle spielt der Umgang mit Texten, die Textarbeit im Ethikunterricht? Was charakterisiert die Lebenswelt der Adressaten, der Kinder und Jugendlichen? In der 3. Auflage finden sich zu fast allen Kapiteln zahlreiche unterrichtspraktische Ergänzungen und Vertiefungen: Vom Planen einer Ethikstunde, dem Aufbau von Doppelstunden, über die Binnendifferenzierung, die Methoden der Texterschließung, die Bild- und Mediendidaktik (z.B. Einsatz von Filmen im Ethikunterricht) bis hin zu den relevanten Bildungsstandards und einer didaktisch reflektierten Leistungsüberprüfung im Ethikunterricht. Dr. Volker Pfeifer ist Ethiklehrer und Lehrbeauftragter am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Freiburg bzw. am Philosophischen Seminar der Universität Freiburg i. Br.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 360
    Erscheinungsdatum: 25.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170234857
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 2269 kBytes
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Didaktik des Ethikunterrichts

I. Jeder macht sein Ding ...

Facetten der Lebenswelt Jugendlicher heute

Mit jeder Bewegung auf dem unendlichen Spielfeld der Freiheit gehen Krisen von Beziehungen einher ... Lebt der Mensch, der seine Freiheit ausleben will, am Ende sich selbst aus? Gehen moderne Gesellschaften an ihrer Atomisierung zugrunde, an Solidaritätserschöpfung?

(F. Kamphaus)

... Irrtum: Anderen helfen kann geradezu ein "Egotrip" sein, weil man nur auf diese Weise herausfinden kann, wer man ist.

(U. Beck)

Zu einer Didaktik des Ethikunterrichts gehört ganz elementar die Reflexion auf den Adressaten: Kinder - Jugendliche - Heranwachsende. In welcher "Welt" leben sie? Wie nehmen sie selbige wahr, versuchen sie sie zu beschreiben und zu bewerten? Was macht ihnen Sorge oder gar Angst und was lässt sie trotz allem mehr oder minder verhalten optimistisch in die Zukunft blicken? Ethikunterricht, dem es um eine Reflexion der moralischen Entwicklung Jugendlicher geht, muss hier, am Ist-Stand der Schüler ansetzen. Nicht um diesen nur affirmativ zu verdoppeln, sondern um ihn überhaupt sinnvoll transformieren zu können.

Wenn Schüler versuchen, ihre Lebenssituation kritisch zu beschreiben, greifen sie häufig zu folgenden Formulierungen:
Das Individualisierungskonzept

Für solche Äußerungen liegen ähnlich plakative Typologien von Gesellschaft parat: Wir leben heute in einer "Informations-, Risiko-, Erlebnis-, Netzwerk- oder Spaßgesellschaft". 1

Diesen Konzeptualisierungen scheint eines gemein zu sein: sie vereinfachen perspektivisch und versuchen Komplexität zu reduzieren. So fokussieren sie je nach Ansatz und Standort des Beobachters bestimmte Facetten und Strukturen, blenden andere jedoch notgedrungen aus. Wirklichkeit ist ein Konstrukt, das je nach Konstrukteur unterschiedlich ausfällt. Immerhin kommt diesen Konstrukten ein unverzichtbarer heuristischer Wert zu. Sie ermöglichen und tragen die Versuche einer hinlänglich plausiblen Typologisierung unserer Gesellschaft.

Neben der Kommerzialisierung und der Medialisierung ("Generation Handy") ist es vor allem ein Theorem, das für die Lebenswelt Heranwachsender konstitutiv zu sein scheint: der Prozess der Individualisierung bzw. Pluralisierung. Ihm kommt daher auch eine besondere didaktische Relevanz zu.

Individualisierung als sozialer Prozess umfasst drei Strukturmomente:

Als erstes ist die Herauslösung der Menschen aus traditionalen Sozialformen und -bindungen im Sinne nicht hinterfragbarer Herrschaftszusammenhänge gemeint. Dies entspricht dem freisetzenden Moment von Individualisierung als einer Erweiterung von Optionen, also Wahlmöglichkeiten.

Damit einher geht, und dies ist in gewissem Sinne der Preis, der für die Individualisierung zu zahlen ist, ein Verlust an traditionalen Sicherheiten im Hinblick auf handlungsleitende moralische Normen und Werte. Für die betroffenen Subjekte impliziert dies einen Stabilitätsverlust, einen Verlust an fraglos Geltendem.

Schließlich kommt es in einem weiteren Schritt zu einer neuen Art der sozialen Einbindung des Individuums. "Der einzelne wird zwar aus traditionellen Bindungen und Versorgungsbezügen herausgelöst, tauscht dafür aber die Zwänge des Arbeitsmarktes und der Konsumexistenz und der in ihnen enthaltenen Standardisierungen und Kontrollen ein. An die Stelle traditioneller Bindungen und Sozialformen (soziale Klasse, Kleinfamilie) treten sekundäre Instanzen und Institutionen, die den Lebenslauf des einzelnen prägen und ihn gegenläufig zu der individuellen Verfügung ... zum Spielball von Moden, Verhältnissen, Konjunkturen und Märkten machen". 2
Im Pluralismusbegriff schlägt sich seinerseits eine zur sozialen Struktur verfestigte Vielfalt von Normen, Lebensformen und philosophischen Begründungsmustern nieder. D

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