text.skipToContent text.skipToNavigation

Entwicklungsrisiken bei Kindern und Jugendlichen Prävention im pädagogischen Alltag

  • Erscheinungsdatum: 06.11.2014
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (ePUB)
23,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Entwicklungsrisiken bei Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche in Schulen und Kitas sind vielfältigen Risiken ausgesetzt. Neben den entwicklungsbedingten Aufgaben können gesundheitliche, soziale, behinderungsbedingte oder psychische Belastungen bestehen, deren Auswirkungen sich in der weiteren Entwicklung, im Erleben und im Verhalten von Kindern und Jugendlichen manifestieren. Das Buch stellt zu den Themen Bindung, Kindeswohl, neurologische Entwicklung, Ernährung, soziale Integration und soziale Entwicklung, Konzentration und Aufmerksamkeit, Lernmotivation, Schulabsentismus, Stressbewältigung und Suchtverhalten praxisrelevante Informationen zusammen. Dabei werden jeweils entwicklungspsychologisches Basiswissen, Risiko- und Schutzfaktoren und Präventionsmöglichkeiten dargestellt und die thematisch geordneten Kapitel von einem Fallbeispiel eingerahmt.

Dr. Armin Castello ist Professor für Psychologie und Diagnostik an der Europa-Universität Flensburg und Psychologischer Psychotherapeut.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 06.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170240810
    Verlag: Kohlhammer
    Größe: 3802kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Entwicklungsrisiken bei Kindern und Jugendlichen

Schutz des Kindeswohls

Armin Castello und Torsten Schutzbach


Fallbeispiel

Lea (6) ist kürzlich in eine andere Stadt umgezogen und daher erst seit wenigen Wochen in ihrer neuen Kita. Sie soll aber bereits im Sommer eingeschult werden. Das erste Gespräch der Kita-Leitung mit Leas Eltern war leider nur sehr kurz, da beide angeben, mit den neuen Arbeitsstellen, die sie nun hätten, zeitlich sehr eingeschränkt zu sein. Lea kommt seither morgens und geht nachmittags alleine nach Hause.

In der Vorschulgruppe kümmert sich die Erzieherin Frau Hirt neuerdings um Lea. Es werden dort verschiedene Programme zur Vorbereitung der Einschulung durchgeführt. Frau Hirt fällt auf, dass Lea immer noch keinen Kontakt zu anderen Kindern aufnimmt und dass sie in den Übungen, bei denen die meisten Kinder eifrig ans Werk gehen, eher teilnahmslos wirkt. Lea nimmt in den Essenszeiten kaum etwas zu sich, wobei Frau Hirt dabei das lieblos mitgegebene Essen bemerkt. Das Mädchen klagt öfter über Müdigkeit und Bauchschmerzen, sitzt tagsüber lange Phasen einfach nur auf einem Stuhl und meidet den Kontakt zu allen, auch zu Erwachsenen.

Nachdem Lea neulich wieder über Bauchschmerzen klagte, soll sie sich im Ruheraum etwas hinlegen und wird von Frau Hirt begleitet. Als Lea den obersten Knopf ihrer viel zu engen Hose öffnet, sieht Frau Hirt zahlreiche Blutergüsse und große, teils schlecht versorgte Schürfwunden am Bauch des Kindes. Die Erzieherin ist schockiert und fragt Lea, wie denn das passiert sei. Lea antwortet nicht und wendet den Kopf ab. Frau Hirt ist verunsichert und weiß nun nicht, wie sie handeln soll.
1 Ebenen möglicher Kindeswohlgefährdungen

Artikel 19 der von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichneten UN-Kinderrechtskonvention (Bundesgesetzblatt, 1992) führt verschiedene Ebenen möglicher Kindeswohlgefährdungen auf:

- Vernachlässigung der Grundversorgung , d. h. keine angemessene Ernährung, Kleidung, Hygiene, Gesundheitsversorgung oder Wohnung; Fehlen eines adäquaten Schutzes vor Gefahren, mangelnde oder keine Befriedigung des natürlichen Bindungsbedürfnisses eines Kindes, inadäquate Betreuung und keine altersangemessene Anregung

- Seelische Misshandlung , d. h. Unterlassungen (z. B. Ignorieren, Isolieren) oder aktive Handlungen (Beschimpfen, Verspotten, Bedrohen), die die seelische Entwicklung beeinträchtigen (Deegener, 2005, 38)

- Körperliche Misshandlung wie z. B. Schlagen, Schütteln, Verbrennen

- Sexuelle Misshandlung , d. h. sexuelle Handlungen, die an, mit oder vor einem Kind durchgeführt werden

Das Kindeswohl kann zudem in Familien gefährdet sein, die sich in Krisensituationen befinden. Hierzu gehören massive Konflikte, wie sie teilweise in Trennungsphasen auftreten, Gewalt zwischen Familienmitgliedern oder eine körperliche und/oder seelische Erkrankung der Eltern (Maywald, 2010). Ebenso kann eine Suchterkrankung der Eltern bzw. von nahen Bezugspersonen als Gefährdung des Kindeswohls wirksam werden.

Jenseits dieser Ebenen werden Kindeswohlgefährdungen unterschieden, abhängig vom Schweregrad und der zeitlichen Ausdehnung bzw. Häufigkeit, in der eine Misshandlung oder Vernachlässigung stattfindet. Ebenso spielt in der Bewertung der Gefährdung eines Kindes oder Jugendlichen dessen Alter eine bedeutsame Rolle.
2 Häufigkeiten

Körperliche Misshandlung erfahren, so die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (AWMF, 2008) 11,8 % der männlichen und 9,9 % der weiblichen Kinder und Jugendlichen. In einer länger zurückliegenden, aber repräsentativen Untersuchung (Pfeiffer et al., 1999

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen